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Israel : Tote bei Amokfahrt in Jerusalem

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Ein Palästinenser hat am Mittag in Jerusalem mit einem Bagger Autos und Busse gerammt - mindestens drei Menschen kamen bei der Amokfahrt ums Leben. Der Mann wurde erschossen, über die Hintergründe der Tat herrscht Unklarheit.

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          Ein Palästinenser ist im Zentrum von Jerusalem mit einem Baufahrzeug Amok gefahren und hat mindestens drei Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt. Unter den Opfern seien sieben Schwerverletzte, teilten Polizei und Rettungskräfte mit.

          Es war der erste Anschlag auf Israelis in West-Jerusalem, seit im März ein Araber acht Religionsschüler erschossen hatte. In den Jahren zuvor gab es nur vereinzelt Anschläge in der Stadt.

          Polizei geht von Anschlag aus

          Der Fahrer des Schaufelbaggers habe auf einer Strecke von rund hundert Metern auf der belebten Jaffa-Straße im Westen Jerusalems einen Bus und mehrere Autos gerammt, berichteten Augenzeugen. Mehrere Menschen eröffneten das Feuer auf den Fahrer, der schließlich starb.

          Jerusalems Jaffa-Straße am Mittwoch

          „Ich habe gesehen, wie der Traktor Autos auf der Jaffa-Straße rammte, Leute fingen an zu schreien. Ich kam aus der Bank, sah den Truck und habe auf den Fahrer geschossen“, sagte Schmuel Abukija, Sicherheitsmann einer nahegelegenen Bank, der Nachrichtenagentur AFP. Ein AFP-Reporter beobachtete, wie mehrere Polizisten auf den Bagger sprangen und Schüsse auf den Fahrer abgaben.

          Hunderte Menschen liefen unmittelbar nach dem Anschlag in Panik durch die Straßen der Innenstadt. Am Unglücksort lagen Verletzte zwischen Glassplittern und Blutlachen auf der Straße. Ein Baby hatte Blut im Gesicht, eine Frau rief nach ihrem Kind. Etwa ein Dutzend Autos wurden von dem Bulldozer zerquetscht. „Das war ein Alptraum“, sagte der 19 Jahre alte Soldat Ben Schimon. „Der rammte alles, was er gesehen hat. Er hatte eine Pistole und begann, auf einen Polizisten zu schießen.“

          Demolierte Autos am Straßenrand

          Nach Polizeiangaben stammte der Attentäter aus dem arabischen Ost-Jerusalem. Im Gegensatz zu ihren Landsleuten in den israelisch besetzten Gebieten können sich die Palästinenser aus Ost-Jerusalem im Westteil der Stadt und darüber hinaus frei bewegen. Zu dem Anschlag, der gut zwei Wochen nach einer Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel und der radikalen Hamas verübt wurde, bekannte sich zunächst niemand.

          Augenzeugen berichteten von Bildern wie aus einem Albtraum. Der Fahrer, ein junger Mann, habe mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck mehrere Fahrzeuge gerammt, darunter zwei Autobusse, und sie teilweise mit sich geschleift. Eine Frau sei in ihrem Auto von der Schaufel des Bulldozers zu Tode gedrückt worden. Mehrere demolierte Autos lagen am Straßenrand. Hubschrauber kreisten über dem Ort des Anschlags.

          Am Morgen hatte Israel die Grenzübergänge in den Gazastreifen für Waren wieder freigegeben. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte die Wiedereröffnung zwei Wochen nach Vereinbarung einer Waffenruhe mit den militanten Palästinensergruppen angeordnet.

          Ausschreitungen am Grenzübergang Rafah

          Am Grenzübergang Rafah vom Gazastreifen nach Ägypten kam es unterdessen zu Ausschreitungen: Wütende Palästinenser versuchten, die Grenze zu überrennen und schleuderten Steine auf ägyptische Sicherheitskräfte. Die Grenzbeamten drängten die Angreifer Zeugenberichten zufolge mit Wasserwerfern zurück. Ägypten hat den Übergang Rafah nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor über einem Jahr geschlossen.

          Am Dienstag wurde die Grenze nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen der Hamas und Israel erstmals geöffnet, es wurden jedoch nur wenige Palästinenser durchgelassen. Im Januar hatte die Hamas Löcher in den Grenzwall gesprengt, woraufhin Hunderttausende der 1,4 Millionen Einwohner des Gazastreifens zwei Wochen lang nach Ägypten ein- und ausreisen konnten.

          Israel öffnete am Mittwoch vereinbarungsgemäß die Grenzübergänge in den Gazastreifen und wollte erstmals seit über einem Jahr mehrere Warenlieferungen zulassen. Fünf Zementlaster, Benzin, Weizen und Tiernahrung sollte über die Grenze kommen, wie das Innenministerium im Gazastreifen erklärte. 26 kranke Palästinenser sollen zur medizinischen Behandlung nach Israel reisen dürfen. Israel hatte die Grenzen seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 19. Juni als Reaktion auf Raketenangriffe an sechs Tagen geschlossen, zuletzt am Dienstag.

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