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Neue Militäroperation : Israel tötet islamistischen Kommandeur im Gazastreifen

Seit Tagen hatten in den israelischen Gebieten um den Gazastreifen erhöhte Spannungen geherrscht. Bild: AFP

Mit Luftschlägen bekämpft Israels Armee seit Freitagnachmittag die islamistische „Bewegung des Islamischen Dschihads in Palästina“. Zuvor stand schon das Leben um den Gazastreifen herum still.

          3 Min.

          Die israelische Armee hat am Freitagnachmittag eine neue Militäroperation im Gazastreifen begonnen. Die Luftangriffe seien ein „präventiver Angriff“ gegen die „Bewegung des Islamischen Dschihads in Palästina“ (PIJ), sagte Armeesprecher Richard Hecht gegenüber Journalisten. Die islamistische Organisation ist die zweitstärkste militärische Kraft in dem Küstenstreifen nach der Hamas. Die Spannungen zwischen ihr und Israel hatten sich in den vergangenen Tagen verschärft, nachdem israelische Sicherheitskräfte einen ranghohen PIJ-Kommandeur im Westjordanland festgenommen hatten.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Hecht teilte mit, durch die „koordinierten Luftschläge“ sei unter anderem Taisir al-Jabari, der PIJ-Kommandeur für den Norden des Gazastreifens, getötet worden. Die Armee veröffentlichte Videoaufnahmen, auf denen mehrere Raketeneinschläge in einem Hochhaus zu sehen waren. Al-Jabari war laut Angaben der Armee für mehrere Angriffe auf Israel im Mai 2021 verantwortlich. Etwa zehn weitere PIJ-Mitglieder seien ebenfalls durch Raketentreffer getötet worden. Sie hätten eine „unmittelbare Bedrohung“ dargestellt. Kurz vor dem Beginn der Luftangriffe hatte Israels Verteidigungsminister Benny Gantz das Südkommando der Armee in Beerscheba besucht. Dort sagte er, an die Adresse der Hamas und der PIJ gerichtet: „Eure Zeit ist begrenzt. Diese Bedrohung wird beseitigt werden, auf die eine oder andere Weise.“

          Sechs Dschihadisten-Stellungen angegriffen

          Die israelische Armee teilte mit, sechs Stellungen der PIJ seien angegriffen worden. Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza zufolge gab es mindestens acht Tote. Unter ihnen war demnach ein fünf Jahre altes Mädchen. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden. Armeesprecher Hecht sagte, er habe bislang „keine Kenntnis“ von Treffern auf Zivilisten oder Wohngebäude.

          Mit der Militäroperation, die von der israelischen Armee Operation „Anbrechende Morgendämmerung“ genannt wird, droht knapp 15 Monate nach dem Gaza-Krieg vom Mai 2021 eine weitere militärische Eskalation zwischen Israel und dem dicht bevölkerten palästinensischen Küstenstreifen. Armeesprecher Hecht sagte am Freitag, die israelische Armee habe „nun die Initiative ergriffen“ und sei „noch nicht fertig“. Einheiten vor allem aus dem Norden Israels würden in den Süden verlegt. Am Abend verkündete die Armee zudem die Einberufung einer großen Zahl von Reservisten.

          Die PIJ teilte in einer Stellungnahme mit, Israel habe „einen Krieg gegen unser Volk“ begonnen. „Wir alle haben die Pflicht, uns und unser Volk zu verteidigen“, hieß es weiter. Die Hamas kündigte an, sie würde auf die „Eskalation“ reagieren. Ein Sprecher der im Gazastreifen regierenden Islamisten sagte, Israel trage die volle Verantwortung für den Angriff.

          Bevölkerung fordert offensiveres israelisches Vorgehen

          Seit Tagen hatten in den israelischen Gebieten um den Gazastreifen erhöhte Spannungen geherrscht. Das öffentliche Leben dort hatte seit Dienstag in weiten Teilen stillgestanden, nachdem israelische Sicherheitskräfte zu Wochenbeginn im Westjordanland den dortigen PIJ-Anführer festgenommen hatten. Ein weiteres Mitglied wurde getötet, als während des Einsatzes im Flüchtlingslager der Stadt Dschenin ein Feuergefecht ausbrach. Die PIJ drohte daraufhin mit Vergeltung. Aus Furcht vor Attacken sperrte die Armee um den Gazastreifen Straßen, setzte den Eisenbahnverkehr aus und verhängte Ausgangsbeschränkungen. Zugleich wurde die militärische Präsenz verstärkt, auch Drohnen flogen vermehrt über dem Gazastreifen. Parallel dazu gab es indirekte Verhandlungen mit der PIJ über Ägypten.

          Bewohner und Politiker der an den Gazastreifen angrenzenden israelischen Gebiete machten zunehmend ihrem Unmut über die ungewohnten und anhaltenden Beschränkungen Luft und fordern von der Regierung ein offensiveres Vorgehen. Ministerpräsident Jair Lapid hatte am Freitagvormittag – noch vor dem Beginn der Luftangriffe – gesagt, die Sicherheit und Lebensqualität der Bewohner rund um das palästinensische Gebiet seien die „Top-Priorität“ der Regierung, und man arbeite daran, dass sie so schnell wie möglich ihr normales Leben wiederaufnehmen könnten.

          Von den Beschränkungen betroffen waren auch Tausende Bewohner des Gazastreifens, die nicht mehr den Grenzübergang benutzen konnten, um in Israel zu arbeiten. In dem von Ägypten und Israel weitgehend abgeriegelten Gebiet droht nun auch die Energieversorgung auszufallen: Treibstoffmangel könnte dazu führen, dass das einzige Energiekraftwerk im Gazastreifen nicht mehr arbeiten kann. Eine Treibstofflieferung auf mehreren Lastwagen erreichte den Gazastreifen vor dem Beginn der Angriffe laut Angaben der israelischen Armee nicht mehr.

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