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Soleimanis Tötung : Israel ist auf alles vorbereitet

Könnte innenpolitisch von einer länger andauernden Krise mit Iran profitieren: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Bild: dpa

Israel reagiert angespannt auf die Tötung Soleimanis – nicht nur wegen eines möglichen Vergeltungsschlags Irans, sondern vor allem wegen möglicher Reaktionen der regionalen Verbündeten Teherans.

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          Wie ernst man in Israel die Lage nach der Tötung Qassem Soleimanis einschätzt, machte der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Freitag deutlich. Er kehrte vorzeitig von einer Reise nach Athen zurück, während zu Hause bereits führende Militärs zu ersten Krisensitzungen zusammenkamen. Am Morgen wurde das Skigebiet des an Syrien grenzenden Hermon-Bergs aus Sicherheitsgründen geschlossen. Es war in der Vergangenheit von mit Syrien verbündeten Milizen mit Raketen beschossen worden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aus Angst vor Angriffen aus Syrien und dem Libanon ist die israelische Armee im Norden des Landes schon längere Zeit in erhöhter Alarmbereitschaft. Am Freitag wurde zudem der Schutz der diplomatischen Vertretungen im Ausland erhöht, die Iran und seine Verbündeten schon früher ins Visier genommen hatten.

          Wie reagieren die Verbündeten Teherans?

          Der israelische Iran-Kenner Meir Javedanfar hält einen möglichen Vergeltungsschlag gegen Israel jedoch für „wenig wahrscheinlich“. In Teheran sei man sich bewusst, „dass Israel sofort darauf reagieren wird“, sagte Javedanfar im Fernsehsender i24. In Riad und Abu Dhabi müsse man sich derzeit stärker bedroht fühlen, sagte der aus Iran stammende israelische Fachmann, der eine „emotionale Reaktion“ in Teheran jedoch nicht ausschließen wollte. Größere Sorgen bereiten in Israel die regionalen Verbündeten Teherans, die der getötete Chef der Al-Quds-Brigaden Qassem Soleimani zum Teil selbst mit aufgebaut und unterstützt hatte.

          Das gilt nicht nur für die Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“, mit der es im Gazastreifen erst im November zu einer heftigen Konfrontation gekommen war. „Es gibt viele schiitische Milizen in Syrien, die ihn bewunderten und ihn als ihren Befehlshaber betrachteten, so dass wir uns auch auf die Möglichkeit vorbereiten müssen, dass etwas in der Nähe passieren wird“, sagte der frühere stellvertretende Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes Ram Ben Barak im israelischen Rundfunk.

          Israel müsse sich aber auch auf den Fall vorbereiten, „dass Iran beschließt, einen Fehler zu machen und in unsere Richtung zu reagieren, auch wenn wir nicht involviert sind“, sagte der frühere Geheimdienstler, der nun Parlamentsabgeordneter des Blau-Weiß-Bündnisses ist.

          Der israelische Sicherheitsapparat verfolgte Soleimanis Aktivitäten mit wachsender Besorgnis ganz genau und versuchte, diese in Syrien, im Libanon und im Irak zum Teil zu stoppen. Mit Hunderten Luftschlägen wurden Waffenlager, Stellungen und Konvois attackiert. Dabei wurden auch Mitglieder von Soleimanis Revolutionsgarden getötet.

          Der Atomstreit verschärfte die Spannungen

          Die israelische Luftwaffe zerstörte im August zum Beispiel in Syrien einen iranischen Flugplatz, auf dem mit Sprengstoff beladene neue „Killerdrohnen“ für Angriffe auf Israel bereitstanden. Auch das soll ein Plan Soleimanis gewesen sein. Im Sommer kam es im Grenzgebiet zum Libanon zudem zu Scharmützeln mit der von Teheran gelenkten Schiitenmiliz Hizbullah.

          Israelische Militärs warnten deshalb schon seit einiger Zeit davor, dass die iranische Führung israelische Luftangriffe auf iranische Ziele in der Region nicht mehr tatenlos hinnehmen und selbst Raketen nach Israel abfeuern könnte. Der Atomstreit mit Iran verschärfte zusätzlich die Spannungen.

          Israel werde nicht zulassen, dass Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelange, drohte Netanjahu immer wieder, der am Freitag zunächst nur eine Solidaritätsadresse abgab: Israel stehe an der Seite der Vereinigten Staaten und unterstütze deren Recht, ihr Land und ihre Bürger zu verteidigen, sagte er vor seinem Abflug aus Athen.

          In seiner langen Laufbahn hatte sich Netanjahu, der in Israel um sein eigenes politisches Überleben kämpft, als Verteidiger der Sicherheit Israels profiliert. Eine länger andauernde Krise mit Iran könnte ihm und seiner Likud-Partei vor den dritten Wahlen innerhalb eines Jahres innenpolitisch helfen.

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