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Kampf mit der Hamas : Israel ohne Stabilität

  • -Aktualisiert am

Zerstörung eines Gebäudes im Gaza-Streifen durch die israelische Luftwaffe Bild: AFP

Israel schwächt die Hamas, muss sich aber Sorgen über die Unruhen im eigenen Land machen. Jüdische Gemeinden in Deutschland tragen hier sicher keine Verantwortung.

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          So wie es aussieht, wird die Hamas einen hohen Preis zahlen für das, was sie die „Verteidigung Jerusalems“ nennt, was in Wirklichkeit aber ein offener Angriff auf Israel war. Die Hamas hat führendes Personal und wichtige Einrichtungen verloren.

          Die israelische Regierung nutzt die Überlegenheit ihrer Streitkräfte nicht nur zur Vergeltung, sondern offenbar auch zur Prävention. Die Terrororganisation soll operativ geschwächt und die Abschreckung wiederhergestellt werden. Ausbaden muss das auch die Bevölkerung in Gaza. Aber wie man von anderen Schauplätzen weiß, nehmen Islamisten so etwas immer wieder in Kauf.

          Rivlin spricht vom Bürgerkrieg

          Die Bundesregierung und andere westliche Länder haben richtigerweise darauf hingewiesen, dass Israel das Recht zur Selbstverteidigung hat. Die Entwicklungen der vergangenen Tage zeigen allerdings, dass eine Strategie der Dominanz nicht mal mehr im Lande selbst Stabilität bringt. Die Mauern zu den Palästinensergebieten haben nicht verhindern können, dass der Konflikt auch zu Gewalt in gemischten Orten in Israel führte. Staatspräsident Rivlin spricht sogar von einem Bürgerkrieg.

          Auch das ist ein hoher Preis für die Nichtlösung dieses alten und verfahrenen Konflikts, der sich durch die Siedlungspolitik schleichend, aber beständig verschärft. Mit der Hamas kann Israel keinen Frieden schließen, aber ohne Perspektive für die anderen Teile der palästinensischen Gesellschaft bleiben die Aussichten insgesamt schlecht.

          Der Nahostkonflikt ist eine der komplexesten Auseinandersetzungen der Welt, er lässt sich nicht in einfachen moralischen oder rechtlichen Kategorien fassen. Ganz sicher aber tragen jüdische Gemeinden in Gelsenkirchen, Münster oder Bonn keine Verantwortung für das Handeln der israelischen Regierung. Vor den dortigen Synagogen zu demonstrieren ist nicht gerechtfertigt.

          Werden gar Steine geworfen, ist das in der Tat „purer, reinster Antisemitismus“, wie der Vorsitzende des Zentralrats der Juden sagt. Die deutsche (Leit-)Kultur, wie wir sie uns nach 1945 erarbeitet haben, schließt so etwas aus, das muss allen alten und neuen Antisemiten verdeutlicht werden.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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