https://www.faz.net/-gpf-9paow

Stadtteil Sur Bahir : Israel reißt Häuser in Ostjerusalem ab

  • Aktualisiert am

Israelische Sicherheitskräfte zerstören am Montag ein palästinensisches Wohnhaus. Bild: AFP

Von dem Abriss sind insgesamt 13 Häuser mit mehr als 70 im Bau befindlichen Wohnungen betroffen. Bewohner und Aktivisten müssen den Ort verlassen. Die Palästinensischen Befreiungsorganisation spricht von einem „Kriegsverbrechen“.

          Israel hat am Montagmorgen mit dem Abriss von Häusern im Ostjerusalemer Stadtteil Sur Bahir begonnen. Hunderte Soldaten und Polizisten riegelten das Gebiet rund um mehrere Wohnhäuser ab, wie örtliche Medien berichten. Die Bewohner eines Hauses sowie Aktivisten wurden demnach zwangsevakuiert. Zuvor hatte der oberste israelische Gerichtshof am Sonntag eine Petition zur Verschiebung des Abrisses abgelehnt.

          Das Gericht hatte bereits am 1. Juni eine Bitte von Bewohnern Sur Bahirs abgelehnt und der Zerstörung von 13 Wohnhäusern stattgegeben. Nach Angaben des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) handelt es sich bei den Gebäuden um rund 70 im Bau befindliche Wohnungen sowie bereits bewohnte Häuser mit insgesamt 17 Bewohnern.

          Das Gericht habe entschieden, „dass der illegale Bau eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung darstellt und Selbstmordattentätern und andere Terroristen, die sich unter der Zivilbevölkerung verstecken, Deckung geben kann“, erklärte Israels Minister für strategische Angelegenheiten, Gilad Erdan, am Montag. Damit gefährdeten die Häuser das Leben von Zivilisten wie Sicherheitskräften.

          Erekat: „Illegale Politik“ Israels

          Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, verurteilte die Abrisspläne (Sonntagabend) als Verstoß gegen die Genfer Konvention sowie als Kriegsverbrechen. Israels „illegale Politik“ diene ausschließlich dem Ziel, „das koloniale Siedlungsunternehmen auf Kosten des palästinensischen Landes und Volkes“ voranzutreiben. Erekat rief die internationale Gemeinschaft auf, den Abriss zu stoppen und Israel wegen wiederholter Verstöße gegen internationales Recht zur Rechenschaft zu ziehen.

          Auch die Europäische Union kritisierte die Abrisspläne. Die Fortsetzung dieser Politik untergrabe „die Realisierbarkeit der Zwei-Staaten-Lösung und die Aussicht auf einen dauerhaften Frieden“.

          Die israelische Sperrmauer teilt den Ortsteil Sur Bahir in zwei Teile. Wadi al-Hummus liegt jenseits der Stadtgrenze Jerusalems in der sogenannten A-Zone und unterliegt damit palästinensischer Selbstverwaltung.

          Weitere Themen

          Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.