https://www.faz.net/-gpf-quh0

Israel : Gaza-Zwangsräumungen gehen weiter

  • Aktualisiert am

Siedler schütten Farbeimer vom Dach der Synagoge in Kfar Darom Bild: REUTERS

Auch nach der Räumung der Widerstandszentren setzt Israel seine Zwangsevakuierungen in der Siedlung Gadid fort. Bei einem Säure-Angriff militanter Gegner, während der Evakuierung der Radikalen-Hochburg Kfar Darom, wurden 60 Menschen verletzt.

          2 Min.

          Die israelischen Sicherheitskräfte haben am Freitag mit der Zwangsräumung einer weiteren jüdischen Siedlung im Gazastreifen begonnen. Mit einer Planierraupe rückten 2000 Soldaten in Gadid ein, wo sich neben mehreren Siedlerfamilien rund 60 radikale Abzugsgegner aufhielten.

          Der Protest gegen die Zwangsevakuierung war am Donnerstag eskaliert, als militante Abzugsgegner in Kfar Darom Soldaten mit Säure und Farbe überschütteten. Ministerpräsident Ariel Scharon drohte den Angreifern mit scharfen Konsequenzen.

          Sicherheitskräfte verlieren die Geduld

          Scharon sagte der Zeitung „Haaretz“, es werde ermittelt, wer die Abzugsgegner nach Kfar Darom geschickt und zu der Tat angestiftet habe. Zunächst sei er traurig gewesen, als er die Räumung der Siedlung im Fernsehen verfolgte, so Scharon. „Aber am Abend, als ich sah, wie diese Flaschen mit giftigen Substanzen geworfen wurden...verwandelte sich mein Schmerz in Zorn“.

          Eine jüdische Siedlerin wird von zwei Polizistinnen aus ihrem Haus gebracht
          Eine jüdische Siedlerin wird von zwei Polizistinnen aus ihrem Haus gebracht : Bild: REUTERS

          Polizeichef Mosche Karadi erklärte, angesichts der Gewalt in Kfar Darom würden die Sicherheitskräfte zunehmend die Geduld verlieren. Unterdessen versicherte Verteidigungsminister Schaul Mofas, er wolle sich darum bemühen, daß die gewalttätigen Abzugsgegner nicht den Streitkräften beitreten könnten. Wer Soldaten und Polizisten angreife, verdiene es nicht, die Uniform des israelischen Heeres zu tragen, sagte er.

          Knapp 60 Verletzte

          Bei der Räumung von sechs Siedlungen am Donnerstag wurden nach Polizeiangaben mindestens 41 Sicherheitskräfte und 17 Zivilpersonen verletzt. Eine Militärsprecherin wurde in Neve Dekalim von einer Dose am Kopf getroffen. In Kfar Darom wurden etwa 50 Menschen festgenommen. In Gadid setzten Bewohner und Abzugsgegner am Freitag zwei Autos und Holzbohlen in Brand, um die Sicherheitskräfte aufzuhalten. Später entzündeten sie zwei weitere Straßensperren. Die meisten radikalen Unterstützer der Siedler hielten sich in der Synagoge auf.

          Bis zum Freitag waren bereits 16 der 21 Siedlungen im Gazastreifen geräumt, darunter Kfar Darom und das als Hochburg des Siedler-Widerstands geltende Neve Dekalim. Spezialfirmen sollten in den verlassenen Siedlungen mit dem Abriß der ersten Häuser beginnen. Nach Gadid am Freitag wollten die Sicherheitskräfte in der kommenden Woche die Siedlungen Atzmona, Katif, Netzarim und Elei Sinai räumen. Auch vier Siedlungen im Westjordanland sollten kommende Woche evakuiert werden.

          USA fordern Rückzug Israels aus fünf Ortschaften

          Das amerikanische Außenministerium forderte Israel unterdessen zum vereinbarten Rückzug aus fünf palästinensischen Ortschaften auf. Ein Ministeriumssprecher sagte am Donnerstag in Washington, beide Seiten sollten auf dem gegenseitigen Vertrauen aufbauen, das der Abzug aus dem Gazastreifen schaffe. Er verwies auf das Abkommen von Scharm el Scheich vom Februar, das Scharon und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas geschlossen hatten.

          Danach sollte Israel sich aus fünf palästinensischen Ortschaften zurückziehen, während die Palästinenser gegen Extremisten vorgehen wollten. Israel zog sich zunächst aus zwei Orten zurück, besetzte dann jedoch wieder eine Ortschaft, die mutmaßlich von palästinensischen Extremisten als Rückzugsort genutzt wurde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Zahl der Internet-Attacken nimmt zu.

          Cyber-Kriminalität : Im Netz der kaltblütigen Erpresser

          Hacker dringen mit ihren Angriffen in immer sensiblere Bereiche vor. Sie nehmen Daten als Geisel und Tote in Kauf. Treffen kann es jeden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.