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Anschlag in Ouagadougou : Terror in Westafrika

  • Aktualisiert am

Bei einem Anschlag auf ein auch bei Ausländern beliebtes Restaurant in Ouagadougou wurden 18 Menschen getötet. Bild: Reuters

Bei einem Attentat in Burkina Faso kamen 18 Menschen ums Leben. Der Terror erschüttert damit eine Region, in der auch die Bundeswehr aktiv ist. Das Auswärtige Amt reagiert – mit einer Teilreisewarnung.

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          Mutmaßliche Dschihadisten haben in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou das Feuer auf Gäste eines bei Ausländern beliebten Lokals eröffnet und zahlreiche Menschen erschossen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden insgesamt 18 Menschen getötet. Unter ihnen seien auch die zwei Täter, sagte ein Offizier der burkinischen Armee am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Außerdem gehören zu den Opfern auch ein französischer Staatsbürger und ein Türke. Die Angreifer hatten sich am Sonntag in dem Lokal verschanzt und sich stundenlange Schusswechsel mit der Armee geliefert.

          Die deutsche Bundesregierung verurteilte den Anschlag am Montag „in aller Schärfe“. Das Auswärtige Amt in Berlin verhängte eine Teilreisewarnung. Es empfiehlt Reisenden, besonders vorsichtig zu sein und den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt Folge zu leisten. Zu der Frage nach möglichen deutschen Opfern konnte das Amt zunächst keine Aussage treffen.

          Der Anschlag in der Hauptstadt Ouagadougou zeige, wie sehr Sicherheit und Stabilität in der ganzen Region bedroht seien, sagte ein Sprecher. „Es muss verhindert werden, dass sich der Terrorismus weiter in der Sahel-Region und in Westafrika ausbreiten kann“. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Angriff und nannte ihn einen „Terroranschlag“. Paris reagierte auch mit einer verschärften Reisewarnung: Das Außenministerium rief französische Bürger in Ouagadougou dazu auf, die Gegend rund um den Tatort zu meiden.

          Kampf gegen islamistischen Terror

          Burkina Faso engagiert sich gemeinsam mit deutschen und französischen Truppen im Rahmen der UN-Mission Minusma in Mali. Zudem ist Ouagadougou auch Stützpunkt einer französischen Sondereinsatztruppe. Burkina Faso ist in den vergangenen Jahren regelmäßig Schauplatz verschiedener Angriffe von islamistischen Terroristen geworden. Der Tatort in der Hauptstadt des westafrikanischen Sahelstaates Burkina Faso liegt gerade mal 460 Kilometer Luftlinie entfernt vom Einsatzort der Bundeswehr, als Teil der UN-Friedenstruppe im Nachbarstaat Mali.

          Beide Staaten gehören mit Niger, Mauretanien und Tschad einer Fünf-Länder-Gruppe an, die im Kampf gegen mit dem islamistischen Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppierungen an vorderster Front stehen. Denn die Wüste der Sahelzone ist ein Rückzugsort für Schleuser, Kriminelle und Islamisten, für die nationale Grenzen kaum Bedeutung haben.

          Nicht umsonst gilt der UN-Einsatz in Mali als gefährlichster Einsatz der Bundeswehr, die mit 875 Soldaten in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert ist. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besuchte die Staaten in der Region vor kurzem und sicherte finanzielle und materielle Hilfe im Kampf gegen den Terror zu.

          Anschlag folgte bekanntem Muster

          Der Anschlagsort  liegt nur rund 200 Meter vom Café Cappuccino entfernt, auf das Anfang 2016 ein dschihadistischer Anschlag verübt worden war. Damals waren 30 Menschen getötet worden, unter ihnen mehrere Ausländer. Zu der Tat hatte sich die Dschihadistengruppe Al Quaida im Islamischen Maghreb bekannt.

          Der Tathergang damals ähnelte jenem bei dem Anschlag vom Sonntagabend. Zunächst waren im Zentrum von Ouagadougou anhaltende Schusswechsel zu hören, die im Verlauf der Nacht abnahmen, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP vom Tatort. Polizisten hatten Zivilisten aus der Gegend evakuiert, ehe sie den Einsatz starteten.

          Ziel des Anschlags war das türkische Restaurant „Istanbul“ im Zentrum der Hauptstadt Ouagadougou. Drei bewaffnete Männer seien am Sonntagabend mit einem Pickup-Truck vorgefahren und hätten auf die Gäste geschossen, berichtete ein Kellner des Lokals der Nachrichtenagentur AFP. Es habe sich um Dschihadisten gehandelt.

          Burkina Fasos Informationsminister Remis Dandjinou sagte in einem nächtlichen Fernsehauftritt, die Attentäter hätten sich in einem Teil des angegriffenen Gebäudes verschanzt. „Sicherheitskräfte und Eliteeinheiten sind noch im Einsatz“, fügte der Minister hinzu. Ein Soldat vor Ort sagte, die Angreifer hätten Geiseln genommen.

          Ouagadougou : Zahlreiche Tote bei Anschlag in Burkina Faso

          Burkina Faso ist eines des ärmsten Länder der Welt. Der westafrikanische Binnenstaat liegt zwischen Mali und Niger. In der Region sind seit Jahren dschihadistische Gruppierungen aktiv, die immer wieder Anschläge verüben – oft auf Einrichtungen, die von Ausländern genutzt werden.

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