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Islamistischer Terrorismus : Bleib zuhause oder geh nach Somalia!

Al-Qaida-Chef Aiman al-Zawahiri verfolgt offenbar eine neue Strategie der Anwerbung von Kämpfern Bild: AFP

Al Qaida verfolgt eine neue Strategie für Dschidahisten aus Deutschland: Reisen in pakistanische Terrorcamps sind out - Reisen nach Somalia sind in.

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          Immer wieder riefen sie ihre Brüder in Deutschland dazu auf, alles hinter sich zu lassen und dahin zu kommen, wo der Islam verteidigt werde. Und viele junge Männer, ob aus Hamburg, dem Rheinland oder Berlin, folgten den Aufrufen, die das Internet in ihre Wohnstuben brachte. Dutzende junge Islamisten reisten in den vergangenen Jahren, mitunter mit ihren Frauen, ins Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan. Viele fanden dort den Tod - als Selbstmordattentäter, bei Gefechten mit der pakistanischen Armee oder durch Drohnenangriffe der Amerikaner. Viele kamen zurück - manche desillusioniert, andere mit einem Auftrag.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das Terrornetz Al Qaida rekrutierte die Kämpfer aus dem Westen gezielt, so hört man aus Berliner Sicherheitskreisen, nach einem Sechs-Stufen-Plan. Zunächst wurden Personen aus westlichen Ländern wie Deutschland durch Videos und Internet-Propaganda ermutigt, ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zu kommen. Dort wurden sie - Stufe zwei - zu Multiplikatoren ausgebildet, um nach ihrer Rückkehr weitere Unterstützer zu rekrutieren. Vor allem lernten sie, wie man konspirativ elektronisch kommuniziert. Die Rückreise geschah - Stufe drei - auf dem Landweg über Iran und die Türkei mit der Hilfe von Schleusern von Al Qaida. In Europa warben sie - vierte Stufe - unter Bekannten aus der islamistischen Szene neue Unterstützer. Dabei sollten sie sich, um nicht aufzufallen, westlich verhalten und ebenso kleiden. Schließlich - fünfte Stufe - galt es, eine sichere elektronische Kommunikation mit der Al-Qaida-Führung aufzubauen. Sodann galt es - sechste Stufe - für Al Qaida zu arbeiten. Man konnte Geld sammeln. Oder Anschläge vorbereiten und ausführen.

          Vom Sechs-Stufen-Plan erfuhren die deutschen Sicherheitsbehörden zuerst durch die Amerikaner, die in die elektronische Kommunikation von Al-Qaida-Leuten eingedrungen waren. Deswegen konzentrierten sich Terrorfahnder auf die Reisebewegungen hiesiger Islamisten nach Pakistan und Afghanistan. Als Stratege hinter dem Plan galt ein Scheich mit Kampfnamen Younis al-Mauretani.

          Die Befragung verhafteter Dschihad-Reisender, vor allem der 2009 aus Hamburg ausgereisten Rami Makanesi und Ahmad Sidiqi, bestätigte den Fahndern von Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz, dass der Plan existierte. Scheich Younis hatte ihn den beiden selbst mehr oder weniger detailliert dargelegt. Freilich kamen beide nicht über Stufe drei hinaus.

          Anders war es im Fall der Düsseldorfer Zelle. Deren Kopf, der heute 30 Jahre alte Marokkaner Abdeladim El-Kebir, schaffte es, den Sechs-Stufen-Plan fast bis zum Ende zu durchlaufen. Er wurde im Frühjahr 2010 im Lager in Pakistan ausgebildet, ging über Land zurück nach Deutschland, rekrutierte weitere Personen, baute eine - zumindest scheinbar - sichere Kommunikation mit Al Qaida auf und bereitete einen Anschlag vor. El-Kebir verfügte über einen direkten Draht zum Al-Qaida-Kommandeur Atiyah Abd Al Rahman.

          Der Libyer, Nummer zwei des Terrornetzwerks, war neben Scheich Younis der Kopf des Plans, zuständig für Anschläge im Ausland. El-Kebir hatte elektronisch direkten Kontakt zu ihm. Bei der Vorbereitung zu seinem Anschlag ging er höchst konspirativ vor, kleidete sich westlich, mied die Moschee, wechselte die Internet-Cafés, von denen er kommunizierte. Zu Hause schaltete er den Fernseher ein, um ein Abhören der Gespräche zu verhindern. Auf der Straße trug er eine Perücke. Die Polizei griff erst zu, als er mit seinen beiden Komplizen Zünder baute und von einem Anschlag an einer Bushaltestelle die Rede war.

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