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Islamistischer Terror : Potentielle Zeitbomben

Vom islamistischen Terrorismus geht mitten unter uns noch immer eine Gefahr aus. Wer mordet, entführt, Enthauptungen bejubelt, verdient keine Nachsicht. Nur die kühle Härte rechtsstaatlicher Gesetze.

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          In Toulouse erschießen Scharfschützen der Polizei den mutmaßlichen islamistischen Serienmörder Mohammed Merah. In Koblenz wird ein Mann wegen Verbreitung dschihadistischer Propaganda zu fünf Jahren Haft verurteilt. Und in einer Videobotschaft will der Al-Qaida-Ableger in Nordafrika eine in Schwäbisch Gmünd einsitzende Terrorhelferin freipressen, im Austausch gegen einen im Januar in Nigeria entführten deutschen Ingenieur.

          Diese zeitliche Übereinstimmung sie mag zufällig sein, ist ebenso frappierend wie makaber. Auch reichen die beiden Deutschland betreffenden Fälle zweifellos nicht an die Kaltblütigkeit und Schwere der Verbrechen in Frankreich heran, die ein ganzes Land hatten treffen sollen und deren Schockwellen Israel erreicht haben.

          Aber wer geglaubt haben sollte, der islamistische Terrorismus habe sich erledigt, das Milieu, das ihn gebiert, trockne aus und die internationalen Verbindungen seien gekappt, der sieht sich eines Schlimmeren belehrt. Dieser Terrorismus hat sich nicht erledigt, von ihm geht noch immer eine Gefahr aus, die monströs sein kann.

          „Homegrown terrorists“

          Das hängt auch damit zusammen, dass Hunderte meist jüngerer Männer arabischer Abkunft, die auf eigene Terrorrechnung arbeiten und die man „Homegrown terrorists“ nennt, auf freiem Fuß sind. Die meisten weisen afghanische und/oder pakistanische Stationen in ihre Lebensläufen auf, so wie der mutmaßliche Mörder von Toulouse, der sich als Rächer Palästinas und Anhänger des Heiligen Krieges stilisiert hat.

          Zurück in ihren „Heimat“-Ländern, in Frankreich, Großbritannien oder in Deutschland, werden einige dieser Leute, die unter islamistischer Dauerbeschallung stehen, virtuell oder real, zu potentiellen Zeitbomben. Manche explodieren.

          Obwohl diese „heimischen“ Terroristen in der Regel nicht einer straff geführten Organisation angehören – einige stehen in losem Kontakt miteinander –, so sind sie nicht minder gefährlich.

          Um alle unter Kontrolle zu bekommen, müsste der Sicherheitsapparat auf ein gigantisches Maß ausgebaut werden. Das ist unrealistisch und nicht wünschenswert. Aber in falscher Sicherheit wiegen darf man sich eben auch nicht. Genauso wenig darf man ihnen Verständnis für ihre Motive entgegenbringen. Wer mordet, entführt, Enthauptungen bejubelt, verdient keine Nachsicht. Nur die kühle Härte rechtsstaatlicher Gesetze. Und unsere Empörung.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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