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Islamistischer Terror : Globales Schlachtfeld

Bilder des Schreckens: Nach dem Anschlag in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa am 7. Januar Bild: AFP

Bei allem Erschrecken darüber, dass islamistisch inspirierte Mörder in westlichen Großstädten zuschlagen - es ist vor allem die muslimisch geprägte Welt selbst, die auf einem globalen Schlachtfeld militanten Extremisten zum Opfer fällt.

          Wenige Stunden vor dem Terrorangriff im Herzen von Paris war in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eine Autobombe von enormer Kraft explodiert. Mehr als dreißig Personen, die vor einer Polizeiakademie gewartet hatten, wurden dabei getötet. Es war der folgenreichste Angriff in Sanaa seit dem vergangenen Oktober, als ein Selbstmordattentäter rund fünfzig Menschen in den Tod gerissen hatte. Mitte Dezember griffen neun pakistanische Taliban eine Schule der Armee Pakistans in Peschawar an; bei dem verheerenden Angriff fanden mehr als 140 Menschen den Tod, darunter 132 Schüler im Alter von acht bis 18 Jahren.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          In den vergangenen Wochen und Monaten sind immer wieder Schreckensnachrichten aus dem Norden Nigerias gekommen, wo die islamistische Terrororganisation Boko Haram ihr Unwesen treibt. Im Oktober war das kanadische Parlament in Ottawa Ziel eines tödlichen Anschlags, Mitte Dezember fand eine Geiselnahme im australischen Sydney – der Geiselnehmer war ein islamistischer Einzelgänger – ein blutiges Ende. Schauplätze von Greueltaten, begangen vor allem, aber nicht nur von radikalisierten Islamisten jedweder Coleur sind nach wie vor Syrien, der Irak und Afghanistan.

          Terrormilizen und Einzelgänger

          Diese Liste ist unvollständig, man denke nur an Nordafrika und neuerdings wieder an Ägypten. Aber sie verdeutlicht mindestens zweierlei: In der Tat muss man von einem globalen Schlachtfeld des Terrors sprechen, auf dem organisierte und hierarchisch geführte Terrormilizen, kleine Gruppen und Einzelgänger agieren. Und bei allem Erschrecken und Entsetzen darüber, dass islamistisch inspirierte Mörder in westlichen Großstädten zuschlagen und sich dort Symbole westlicher Lebensart und politischer Verfasstheit als Ziel aussuchen, so ist es die muslimisch geprägte Welt selbst, die militanten Islamisten, Dschihadisten und den Mördern von Al Qaida, „Islamischer Staat“, Boko Haram und anderen Banden in erster Linie zum Opfer fällt.

          In dieser Welt toben religiös aufgeladene und verstärkte politische und ethnisch-kulturelle Konflikte, die an Brutalität und Ruchlosigkeit kaum zu übertreffen sind. Sie haben wesentlich mit dem islamischen „Revival“ in Richtung Fundamentalismus und den Gärungsprozessen in islamisch geprägten Gesellschaften zu tun. Dieses Phänomen ist zu beobachten in einem Raum, der von Westafrika über Ostafrika bis nach Zentralasien und snach Südostasien reicht. Fachleute vergleichen das, was sich dort in Bezug auf die Gewaltintensität und die mutmaßliche Dauer abspielt, mit dem Dreißigjährigen Krieg in Europa.

          Al Qaida hatte eine neue Dimension des Terrors

          Der Westen wiederum ist nicht erst seit „9/11“ von dem Terrorismus betroffen; das Word Trade Center, zum Beispiel, war schon 1993 Ziel eines blutigen Anschlags von islamistischen Terroristen gewesen. Aber um die Jahrtausendwende gewann der Terrorismus in Gestalt von Al Qaida eine neue organisatorische und mörderische Qualität. Das belegten der von langer Hand geplante „11. September“ und die Anschläge von Madrid im Jahr 2004 und von London ein Jahr später. Von nun an wird man auch Paris und den 7. Januar 2015 in die Reihe aufnehmen müssen.

          Was die europäischen Sicherheitsbehörden besonders alarmiert, sind jene, die im Jargon „home-grown terrorists“ heißen: in aller Regel kleine Gruppen, die in mehr oder weniger loser Verbindung zu den Terrororganisationen operieren wie etwa in Madrid 2004 oder auf eigene Faust handeln. E sind mehr und mehr die dschihadistischen Reisekader, die Kampferfahrung auf den Schlachtfeldern des Nahen Ostens gesammelt haben und jetzt in jene Länder zurückkehren, in denen sie aufgewachsen sind und deren Staatsbürgerschaft sie besitzen.

          Die Zahl dieser Rückkehrer wird immer größer, genau wie die Zahl derer, die von Frankreich, Belgien oder Deutschland in den „Heiligen Krieg“ in Syrien und im Irak gezogen sind und dort das Handwerk des Mordens gelernt haben. In der Heimat wollen sie sich dann, traumatisiert, deformiert und noch weiter radikalisiert, rächen: an der Gesellschaft für die „Zumutungen“ der modernen Welt, oder am Staat für dessen Außenpolitik. Oder weil sie, getrieben von der Ideologie des Islamismus, eine andere Ordnung herbeimorden wollen, eine unter dem schwarzen Banner. Das verbindet die vielen Schauplätze des Terrors in der Welt.

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