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Islamisten-Vormarsch im Irak : Eine neue Allianz gegen den Terror

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Als „Bedrohung nicht nur für den Irak, sondern für die ganze Region“ bezeichnete Kerry in Kairo die Isis-Terroristen und forderte den Stopp der Finanzierung der Terrorgruppe durch „Individuen in der Region“, die den Dschihadisten im Rahmen von „Wohlfahrtseinrichtungen“ und „inoffiziellen Kanälen“ Geld zukommen ließen. Der Appell ist ein kaum verdeckter Seitenhieb auf die reichen Golf-Staaten Saudi-Arabien, Kuweit und Qatar, von wo Privatleute nicht nur islamistische Milizen im Irak, sondern auch in Syrien finanzieren. Am Sonntag hatte auch der iranische Präsident Hassan Rohani muslimischen Staaten, die sunnitische Extremisten „mit Petrodollars finanzieren“, geraten, damit aufzuhören. Die Extremisten würden sich auch gegen sie wenden. Sunniten und Schiiten seien Brüder, sagte Rohani nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens.

Die Sorge, dass der Konflikt in weitere Nachbarstaaten des Iraks übergreift, wird derweil immer größer. Über Hunderte Kilometer erstreckt sich inzwischen der Korridor zwischen Euphrat und Tigris, den entweder die Dschihadisten kontrollieren oder ihre sunnitischen Verbündeten. Sowohl entlang des Tigris von der nordirakischen Provinzhauptstadt Mossul bis Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad als auch den Euphrat entlang, vom am Sonntag von den Extremisten eingenommenen irakisch-syrischen Grenzübergang Qaim bis Ramadi und Falludscha, sind die Regierungseinheiten auf dem Rückzug.

Selbst das Grenzgebiet zu Jordanien, in dem Malikis Truppen bislang noch die Oberhand hatten, ist in den Strudel des Krieges geraten. Am Montagnachmittag standen sunnitische Stammesführer kurz davor, den Grenzübergang Traybil an Isis-Kommandeure zu übergeben. Die Stadt Rutbah entlang der strategisch wichtigen Verbindungsstraße zwischen Amman und Bagdad war schon am Sonntag gefallen. Nicht zuletzt dazu, um einflussreiche Stammesführer dazu zu bringen, ihren Einfluss auf die Isis-Führung geltend zu machen, dürfte Kerrys Kurzbesuch in der jordanischen Hauptstadt gedient haben.

Wie Ägypten, das seit Monaten auf die volle Wiederherstellung der nach dem Putsch gegen Mursi reduzierten amerikanischen Militärhilfe dringt, wünscht sich auch Jordanien militärischen Beistand sowie finanzielle Unterstützung für die Kooperation im Kampf gegen den Terror. Während die Regierung in Kairo seit einem Jahr mit Anschlägen der Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis konfrontiert ist, ist das haschemitische Königreich inzwischen von zwei Seiten bedroht: Hunderttausende syrische Flüchtlinge hat das Land aufgenommen, und auch aus dem Irak werden es täglich mehr. Dutzende jordanische Truppenverbände sind seit der Einnahme des Grenzübergangs Traybil an der Grenze aufmarschiert.

Kerry sucht nun fieberhaft nach weiteren gemäßigten sunnitischen Verbündeten im Irak und in der Region, um die Isis-Offensive vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am kommenden Wochenende weiter zu verlangsamen. Das aber dürfte ihm schwerfallen. Viele irakische Stammesführer haben sich dem Isis-Vormarsch nicht widersetzt, weil sie in den Dschihadisten das kleinere Übel im Vergleich zur schiitisch dominierten Zentralregierung in Bagdad sehen. Dass sich Washington 2010 mit Iran auf Maliki geeinigt hatte und seine Ernennung zum Ministerpräsidenten nicht verhinderte, obwohl dessen Allianz die Parlamentswahl gegen das konfessionsübergreifende Parteienbündnis des säkularen schiitischen Politikers Ijad Allawi verloren hatte, hat man in Provinzen wie Anbar, wo der Siegeszug von Isis im Januar begann, nicht vergessen.

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