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Kampf gegen IS : Berichte: Al Bagdadi bei Luftangriff getroffen

  • Aktualisiert am

Der Anführer des „Islamischen Staats“ Abu Bakr al Bagdadi (Archivbild) Bild: dpa

Getötet, verletzt oder unversehrt? Berichte verdichten sich, dass der oberste Führer des „Islamischen Staats“ bei einem Luftangriff getroffen wurde. Die amerikanischen Streitkräfte schließen nicht aus, dass Bagdadi einer Operation nahe Mossul zum Opfer gefallen sein könnte.

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          Der oberste Führer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist möglicherweise bei einem Luftangriff getroffen worden. Nach Angaben des Staatssenders Irakija soll Abu Bakr al Bagdadi in der Folge eines Luftangriffes einer irakischen Spezialeinheit verletzt worden sein. Irakija berief sich auf das Innenministerium, macht jedoch keine Angaben, wann und wo der Luftschlag durchgeführt worden sein soll.

          Dagegen berichtete der irakische Verteidigungsminister Chalid
          al Ubaidi am Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite, Al Bagdadi sei
          durch einen von den Vereinigten Staaten durchgeführten Luftangriff am Freitag
          verletzt worden.


          Die amerikanischen Streitkräfte bestätigten, dass es einen Luftschlag gegeben habe, bei dem Bagdadi sich unter den Opfern befinden könne. Mit Sicherheit wisse man es aber nicht. „Wir können nicht bestätigen, dass Abu Bakr al Bagdadi zu den Anwesenden gehörte“, sagte ein Sprecher des Zentralkommandos. Die amerikanischen Luftschläge hatten einen Konvoi von zehn Fahrzeugen nahe der irakischen Stadt Mosul zerstört, der „Hauptstadt“ des IS. Nach Angaben aus Washington handelte es sich um ein Treffen von IS-Führern.

          Zwischenzeitlich war spekuliert worden, Bagdadi sei möglicherweise bei dem Angriff getötet worden. Der britische Generalstabschef Nicholas Houghton hatte dem Rundfunksender BBC am Sonntag gesagt, er könne „nicht absolut bestätigen“, dass Bagdadi getötet wurde. Aber: „Es wird wahrscheinlich einige Tage dauern, bis es eine absolute Bestätigung gibt.“

          Keine amerikanische Bestätigung gab es auch zunächst für Angaben aus der irakischen Regierung, wonach am Samstag überdies in der Provinz Anbar enge Mitarbeiter Bagdadis bei einem Luftangriff getötet worden seien. Unter anderem in dieser sunnitisch dominierten Provinz, die inzwischen zu weiten Teilen vom IS kontrolliert wird, sollen bald amerikanische Soldaten Tausende irakische Soldaten ausbilden, die vom Frühjahr an in der Lage sein sollen, die Dschihadisten aus dem Irak zu vertreiben.

          Obama verdoppelt Truppenstärke

          Präsident Barack Obama hatte am Freitag eine Verdopplung der amerikanischen Truppenstärke im Irak auf rund 3000 Mann angeordnet. Auf mindestens vier Stützpunkten sollen sie die irakischen Kräfte ausbilden und beraten. Während die Amerikaner bisher nur in der Hauptstadt Bagdad und in der nordirakischen Kurdenstadt Arbil stationiert waren, werden sie nun auch in Anbar und in der Provinz Nordbagdad eingesetzt.

          Vertreter der amerikanischen Regierung wiesen Kritik zurück, dass dies ein erstes Anzeichen für eine schleichende Ausweitung des Einsatzes („mission creep“) sei. Davon könne keine Rede sein, weil die Soldaten nach wie vor keinen Kampfauftrag hätten. Obama fordert den Kongress auf, weitere 5,6 Milliarden Dollar für den Kampf gegen den IS zu bewilligen.

          Anderthalb Milliarden Dollar davon sind für die Ausbildung der irakischen Armee vorgesehen. Im vorigen Jahrzehnt hatte Washington ein Vielfaches dieser Summe für die Ertüchtigung der irakischen Armee ausgegeben, die vor dem IS dann beinah kampflos kapitulierte. Der Pentagon-Sprecher versicherte aber, nun sei es ein „völlig neues Spiel“, da der Irak nun eine neue Regierung habe. Das Weiße Haus bestritt, dass Obama die Truppenverstärkung aus parteitaktischen Gründen erst nach der Kongresswahl angeordnet habe. Verteidigungsminister Chuck Hagel, der formal in dieser Woche die Entsendung weitere 1500 Soldaten beantragt hatte, bezog sich allerdings auf mehrere Wochen alte Empfehlungen seiner Militärplaner.

          Assad-Truppen verlieren Stadt

          Unterdessen haben syrische Rebellen zusammen mit Kämpfern der Al-Nusra-Front die strategische wichtige Stadt Nawa im Südwesten des Landes erobert. Die Aufständischen nahmen laut eigenen Angaben die Stadt in der Provinz Daraa an der Grenze zu Jordanien am Sonntag ein. Bisher kontrollierten Nawa Regierungstruppen des syrischen Präsidenten Baschar al Assad. Die Al-Nusra-Front gilt als Ableger der radikal-islamischen Al Qaida. Die Soldaten hätten bei der Flucht ihre schweren Waffen und Militärfahrzeuge zurückgelassen, sagten die Rebellen. Aus Kreisen der Regierungstruppen verlautete, die Armee habe sich aus der Stadt zurückgezogen. Nawa liegt rund 85 Kilometer südlich von Damaskus.

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