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Freigesprochene Christin : Islamisten fordern Tod der Richter in Pakistan

  • Aktualisiert am

In Lahore protestieren Anhänger der radikalislamischen Gruppe „Tehreek-e-Labaik Pakistan“ und fordern auf einem Plakat den Tod von Asia Bibi. Bild: EPA

Weil sie sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben soll, wird eine Christin 2010 zum Tode verurteilt. Nun kommt sie frei. Radikale Muslime gehen daraufhin auf die Barrikaden – und fordern die Hinrichtung der Richter.

          Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Pakistan vom Mittwoch, das Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi aufzuheben, löste in dem vorwiegend muslimischen Land Zorn unter radikalislamischen Gruppen aus. Der fünffachen Mutter Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben.

          Tausende blockierten in der Hauptstadt Islamabad Straßen und plünderten Regierungsgebäude, wie Behörden mitteilten. In Lahore versuchten Anhänger einer radikalen Gruppe, das regionale Parlament zu stürmen. Die Regierung entsandte Behördenangaben zufolge Soldaten in größere Städte.

          Schon vor dem Urteil hatten die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Gericht verstärkt. Angesichts der gewalttätigen Reaktionen ordnete die Regierung den Einsatz des Militärs an, um die Ordnung wiederherzustellen. Soldaten einer paramilitärischen Einheit bewachten in Islamabad die Gerichtsgebäude und das Parlament.

          Kein Ende der Proteste in Sicht

          Auch nach Lahore, der Millionenstadt im Osten des Landes, wurde Militär entsandt. Dort hatten Mitglieder der radikalen Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) versucht, das regionale Parlament zu stürmen, wie der für die Region Punjab zuständige Informationsminister Fayyaz Chohan berichtete. In Karachi holten Eltern aus Angst vor Zusammenstößen ihre Kinder aus der Schule. Angestellte verließen ihre Büros, um nach Hause zu eilen. Verkehrsstaus waren die Folge.

          Der Oberste Gerichtshof in Islamabad befand nun, dass die Vorwürfe gegen Bibi juristisch schwach begründet seien und es keinen Grund gebe, sie zu bestrafen. Die drei Richter hätten ihre sofortige Freilassung angeordnet, teilte ihr Anwalt Saiful Malook am Mittwoch mit. Islamisten starteten daraufhin landesweite und teils gewalttätige Proteste. Anführer der TLP forderten den Tod der Richter. Zugleich schworen sie, die Proteste fortzusetzen.

          Die Gerichte, aber auch das Parlament und das Militär des Landes hatten sich in der Vergangenheit gescheut, Entscheidungen zu treffen, die gewalttätige islamistische Gruppen erzürnen könnten.

          Menschenrechtlicher begrüßen Gerichtsentscheidung

          International löst der Freispruch starken Zuspruch aus. „Der heutige Freispruch von Asia Bibi durch das oberste Gericht ist ein wichtiger Erfolg im Ringen um die Religionsfreiheit in Pakistan“, teilten der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Hermann Gröhe, und der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, mit. Sie forderten, dass die pakistanische Regierung weitere Schritte unternimmt, um die Religionsfreiheit und die Menschenrechte im Land zu stärken. Vor allem die Blasphemiegesetze seien nicht hinnehmbar.

          Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main begrüßte den Mut der Richter und bezeichnete deren Entscheidung als Meilenstein. Behördenvertreter hätten inoffiziell mitgeteilt, dass Asia Bibi inzwischen auf freiem Fuß sei. „Die Entscheidung ist ein mutiger Versuch des Staates, den Islamisten die Stirn zu bieten“, sagte der Analyst Irfan Shehzad am Mittwoch.

          Damit könnte das Vertrauen religiöser Minderheiten in die staatlichen Institutionen wieder hergestellt werden, sagten auch anderen Experten. Gerade mit Hilfe der Blasphemiegesetze seien Angehörige anderer Religionen in der Vergangenheit von Muslimen eingeschüchtert worden.

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