https://www.faz.net/-gpf-73ebx

Islamismus : Abu Hamsa an Amerika ausgeliefert

  • Aktualisiert am

Der mutmaßliche Terrorhelfer Abu Hamsa wurde nun doch an Amerika überstellt Bild: dpa

Mit der Auslieferung des islamistischen Klerikers Abu Hamza hat sich London eines der profiliertesten Terrorverdächtigen im Lande entledigt. Jahrelang hatte es einen Rechtsstreit über die Überstellung Abu Hamzas in die Vereinigten Staaten gegeben. In der Nacht zum Samstag starte nun sein Flugzeug.

          1 Min.

          Der radikale muslimische Prediger Abu Hamsa al Masri und vier weitere Terrorverdächtige sind von Großbritannien an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden. Die fünf Beschuldigten wurden in der Nacht zum Samstag in zwei Flugzeugen von einer amerikanischen Militärbasis im ostenglischen Suffolk aus in die Vereinigten Staaten geflogen. Zwei von ihnen sollten noch am Samstag einem Gericht in New Haven im Bundesstaat Connecticut vorgeführt werden, sagte ein Justizbeamter. Das Flugzeug mit Abu Hamsa an Bord landete am Morgen nach britischen Medienberichten in New York. Offen blieb, wann al Masri und die zwei anderen Angeklagten vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen müssen.

          Abu Hamsa werden unter anderem die Beteiligung an einer Geiselnahme 1998 im Jemen sowie die Errichtung eines Terrorcamps in Amerika vorgeworfen. Dem 54 Jahre alten Mann mit markanten Gesichtszügen und einem Metallhaken statt der rechten Hand droht in den Vereinigten Staaten lebenslange Haft.

          Bereits in Großbritannien war der Prediger mit Wurzeln in Ägypten zu sieben Jahren Gefängnis wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er hatte in der Nähe des Finsbury Parks im Norden Londons ein islamistisches Zentrum aufgebaut. Die Vereinigten Staaten versuchten seit 2004, die Auslieferung durchzusetzen. Abu Hamsa wehrte sich bis zuletzt erbittert dagegen.

          High Court weist Einspruch ab

          Die britische Innenministerin Theresa May zeigte sich zufrieden, dass die Auslieferung nun endlich stattfinden konnte. Sie begrüße es, dass die Männer, die alle sehr ernster Straftaten beschuldigt würden, endlich vor Gericht gestellt würden. Auf der amerikanischen Basis Mildenhall hatten Beamte von Scotland Yard die fünf Terrorverdächtigen an Marshalls der Vereinigten Staaten übergeben, berichtete der britische Sender BBC.

          Der High Court in London hatte am Freitag in letzter Instanz einen Versuch Abu Hamsas zurückgewiesen, seine Auslieferung in letzter Minute zu verhindern. Der gebürtige Ägypter hatte zuletzt versucht, seine Auslieferung aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern und erklärt, er leide an Depressionen. Die Richter in London erkannten dies jedoch nicht an. Eine Behandlung sei auch in Amerika möglich. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Zuständigkeit für den Fall abgelehnt.

          Weitere Themen

          Kurden setzen Kampf gegen IS-Milizen vollständig aus

          Krieg in Syrien : Kurden setzen Kampf gegen IS-Milizen vollständig aus

          Die Kurden und ihre Verbündeten haben den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ vorerst als beendet erklärt. International besteht die Befürchtung, dass die türkische Intervention den Dschihadisten in kurdischer Haft die Möglichkeit zur Flucht gibt.

          Morales hofft auf vierte Amtszeit Video-Seite öffnen

          Bolivien : Morales hofft auf vierte Amtszeit

          Am Rande einer Wahlkampfkundgebung mit dem linksgerichteten Präsidenten Evo Morales gab es auch Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen.

          Die Hintertür führt zur KP

          Überwachung in China : Die Hintertür führt zur KP

          Dass Chinas Kommunistische Partei die Bürger mit einer Smartphone-App erziehen will, ist schon länger bekannt. Nun kommt heraus: Die Software sammelt auch fleißig Daten.

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.