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IS ohne Territorium : Das letzte Ende des Kalifats

Letzte IS-Stellung: Das Bild entstand Anfang der Woche nahe dem Dorf Baghus im Osten Syriens bei Abu Kamal Bild: AFP

Schon oft ist das Ende des „Islamischen Staats“ verkündet worden. Am Freitag war es nun tatsächlich so weit. Im Osten Syriens wurde die letzte IS-Stellung bombardiert.

          10 Min.

          Anfangs waren sie freundlich. Muhammad Qutaiba kann sich noch an die Versprechen erinnern, mit denen die neuen Herrscher in Mossul aufwarteten. „Sie haben uns versichert, dass alles wird wie in der Zeit vor 2003“, erzählt der Arzt aus einem Krankenhaus der nordirakischen Großstadt. Also wie in der Zeit vor der amerikanischen Invasion und dem Sturz des Gewaltherrschers Saddam Hussein. Bevor der Irak ins Chaos abglitt und eine Elite aus der schiitischen Bevölkerungsmehrheit die Macht von einem sunnitisch dominierten Regime übernahm. Bevor die Regierung in Bagdad die Leute im sunnitischen Mossul vernachlässigte.

          Christoph Ehrhardt
          (cheh.), Politik

          Mossuls Zeit der Hoffnung währte nur kurz in jenem Sommer 2014. Die Männer vom „Islamischen Staat“ (IS) errichteten in der Stadt dieselbe Schreckensherrschaft wie in anderen irakischen und syrischen Städten zuvor. Als ihr Anführer Abu Bakr al Bagdadi in der Großen Moschee das Kalifat ausrief, so erinnert sich Qutaiba, da habe er begriffen, dass die Kämpfer keine Befreier waren. Der Arzt erzählt das alles in den letzten Apriltagen des Jahres 2017. Da sind die Dschihadisten bereits aus dem Osten der Stadt vertrieben, wo seine Klinik steht. Aus dem Westen dringt noch Gefechtslärm über den Tigris. Nach den Kämpfen werden ganze Viertel der einst blühenden Stadt in Schutt und Asche liegen. Qutaiba hatte Wochen im Keller verbracht, als seine Gegend befreit wurde. Oben hatten Kämpfer sein Haus besetzt.

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