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„Dschihadi John“ : Ein IS-Mörder aus dem Westen Londons

  • Aktualisiert am

Ein Ausschnitt aus einem Propagandavideo der Terrormiliz IS. Der Mann, der darauf zu sehen ist, soll der in Kuwait geborene Brite Mohammed Emwasi sein. Bild: AFP

Er ist in zahlreichen Propagandavideos des IS zu sehen, trägt darin stets schwarze Kleidung und eine schwarze Sturmhaube. Nun haben die britischen Behörden den Mann enttarnt: Es soll der 27 Jahre alte Mohammed Emwasi aus Westlondon sein.

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          Der berüchtigte Mörder aus den Enthauptungsvideos der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist Medienberichten zufolge identifiziert. Bei dem bislang als „Dschihadi John“ bekannten Mann handele es sich um Mohammed Emwasi, berichteten mehrere Medien am Donnerstag übereinstimmend. „Dschihadi John“ war erstmals im August in einem IS-Enthauptungsvideo zu sehen. Er fiel durch seinen britischen Akzent auf. Britische und amerikanische Behörden bestätigten die Berichte zunächst nicht.

          Laut dem britischen Rundfunksender BBC ist Emwasi gebürtig aus Kuwait, Mitte zwanzig und lebte früher wohl im Londoner Westen. Er sei seit längerem auf dem Radar britischer Geheimdienste, hieß es unter Berufung auf verlässliche Quellen. Aus ermittlungstaktischen Gründen sei seine Identität bislang nicht bekanntgemacht worden.

          Ein früherer Freund des Mannes sagte der „Washington Post“, er habe keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem IS-Mörder um Emwasi handele. „Er war wie ein Bruder für mich [...] Ich bin mir sicher, dass er es ist.“ Andere Freunde, die ebenfalls ungenannt bleiben wollten, beschrieben den Bartträger in der Zeitung als höflich und modebewusst. Er sei bedacht darauf gewesen, Blickkontakt zu Frauen zu suchen.

          Dem Bericht zufolge wuchs er in einer bürgerlichen Gegend in London auf. Gelegentlich habe er in einer Moschee in Greenwich gebetet und einen Abschluss an der Universität von Westminster gemacht.

          Den Freunden zufolge radikalisierte sich Emwasi nach einem geplanten Safari-Trip nach Tansania im Mai 2009. Die Reise, die er demnach mit einem deutschen Konvertiten namens Omar und einem weiteren Mann namens Abu Talib unternehmen wollte, kam nie zustande. Das Trio sei am Flughafen von Daressalam von der Polizei eine Nacht festgehalten und anschließend abgeschoben worden. Die Gründe seien unklar.

          Unter Berufung auf ihr vorliegende Emails Emwasis schrieb die „Washington Post“, er sei daraufhin nach Amsterdam geflogen. Dort habe ihn ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI5 beschuldigt, nach Somalia reisen zu wollen. Emwasi habe dies zurückgewiesen und dem Geheimdienst einen Anwerbeversuch unterstellt. Darüber berichtete auch der britische „Independent“. Laut BBC soll Emwasi Kontakt zu einem Mann gehabt haben, der Verbindungen zur somalischen Terrorgruppe Al-Shabaab hatte.

          Ein Mitarbeiter einer britischen Menschenrechtsorganisation, der mit Emwasi in Kontakt gestanden hatte, sagte der amerikanischen Zeitung, Emwasi habe ihm nach seiner Rückkehr nach London berichtet, er sei in Amsterdam sehr unfair behandelt worden. Letztmals habe er im Januar 2012 eine Email von ihm erhalten, als Emwasi seinen Lebensmittelpunkt nach Kuwait verlagert hatte. Unklar ist demnach, wann genau Emwasi sich nach Syrien aufmachte und dem IS anschloss.

          „Dschihadi John“ tauchte erstmals im Enthauptungsvideo des amerikanischen Journalisten James Foley im August 2014 auf. Danach war noch in mehreren Videos zu sehen, ohne immer an der Enthauptung der Opfer beteiligt zu sein. In den Videos trägt „Dschihade John“ immer komplett schwarze Kleidung, mit einer schwarzen Sturmhaube, die nur seine Augen freilässt. Außerdem hat er einen Pistolenhalfter umgeschnallt. In mehreren Fällen hat er vor der Ermordung der Opfer einen vorbereiteten Propagandatext des „Islamischen Staats“ verlesen.

          Nach seinen Taten versuchten sowohl die amerikanische Strafverfolgungsbehörde FBI, als auch der englische Geheimdienst MI5 und die englische Polizei Scotland Yard, Emwasi zu identfizieren. Im September des vergangenen Jahres lobte das FBI eine Belohnung von zehn Millionen Dollar für Informationen aus, die zur Ergreifung der Männer führen würden, die für die Ermordung der Amerikaner James Foley, Steven Sotloff und David Haines verantwortlich sind. Im gleichen Monat teilte der britische Premierminister David Cameron mit, dass die Identität des Mannes klar sei, sie jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht preisgegeben werde.

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