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+++ Bagdad Briefing +++ : Zwischen den Fronten

  • -Aktualisiert am

Kurden im türkischen Suruc beerdigen Kämpfer der „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG), die in Kobane ums Leben kamen Bild: AFP

Seit mehr als zwei Monaten versucht der „Islamische Staat“, die Kurden-Enklave nahe der türkischen Grenze einzunehmen. Längst ist Kobane für Ankara zum Faustpfand im Ringen um eine veränderte Syrien-Strategie geworden.

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          Der Kampf um Kobane geht weiter. Nicht nur in der nordsyrischen Kurden-Enklave, sondern auch in der türkischen Hauptstadt. An diesem Freitag trifft dort Joe Biden ein, der amerikanische Vizepräsident. Die Botschaft, die er dem türkischen Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan bei ihrem Treffen am Samstag vermitteln will, ist eindeutig: Ankara solle sich endlich stärker der Allianz gegen den Terror des „Islamischen Staats“ anschließen. Seit mehr als zwei Monaten versucht die sunnitische Terrorgruppe, das direkt südlich der türkischen Grenze gelegene Kobane einzunehmen. Ankaras Rolle darin ist zumindest zweifelhaft: Indirekt unterstützten Erdogans Sicherheitskräfte und Geheimdienste die Dschihadisten, die viele andere Nato-Partner bekämpfen.

          Zwar ließ die Regierung im Oktober nach erheblichem internationalem Druck einige Dutzend irakisch-kurdische Peschmerga-Kämpfer in die belagerte Stadt durch. Doch Waffenlieferungen an die herrschende syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Einheit (PYD) verhindert sie weiter.

          So ist Kobane zum Faustpfand Ankaras im Wettstreit um eine veränderte Syrien-Strategie geworden. Amerika müsse sich endlich dazu durchringen, sowohl eine Flugverbotszone über wie eine Sicherheitszone in Syrien einzurichten, forderte Erdogan am Mittwoch. Außerdem müssten die Einheiten der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) umgehend besser ausgebildet und ausgestattet werden – Schritte, die Obama bereits im Sommer angekündigt hatte.

          Doch auf nachhaltige Unterstützung der von Amerika geführten „Freunde Syriens“ wartet die gemäßigte Oppositionsarmee weiter vergebens. Verwunderlich ist das nicht: Vor dem Siegeszug des „Islamischen Staats“ hatte der amerikanische Präsident die FSA noch als Armee „früherer Bauern, Lehrer oder Apotheker“ verhöhnt. Und in seinem Brief an Ajatollah Chamenei versicherte er dem iranischen Revolutionsführer vor wenigen Wochen, in Syrien Stellungen von dessen Verbündeten Baschar al Assad nicht anzugreifen.

          So waren die Bewohner Kobanes in den vergangenen beiden Wochen vermehrt Angriffen des „Islamischen Staats“ ausgesetzt. Zwar ist es den syrische-kurdischen Verteidigern der Stadt durch Unterstützung der Peschmerga gelungen, eine wichtige Versorgungslinie der Terrorgruppe abzubrechen. Da diese aber weiter über schweres Geschütz verfügen, geraten vor allem Zivilisten durch die Angriffe mit Panzern und Mörsergranaten in Mitleidenschaft.

          Die strategischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Biden und Erdogan dürfte deshalb auch ihr Treffen am Wochenende nicht lösen. Zumal ein weiterer wichtiger Spieler an Bord gehalten muss, der gegen die Einrichtung der von der Türkei geforderten Flugverbotszone über Syrien etwas einzuwenden hätte: Iran. Und die sanfte Annäherung an Teheran ist Obama und seinem Stellvertreter allemal wichtiger als der Sturz Assads.

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