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Islamismus an englischen Schulen : Zusammenprall der Kulturen

In der „Park View School“, auch sie steht in Birmingham, soll es sogar Verbindungen in extremistische Kreise geben. Der „Daily Telegraph“ berichtete unlängst, dass ein Lehrer der Schule den Al-Qaida-Ideologen Anwar al-Awlaki öffentlich gelobt und DVDs über Usama Bin Ladin auf Schulcomputern kopiert hat. Zudem lud er den Hassprediger Shady al Suleiman in die „Park View School“ ein. Der Lehrer soll gute Chancen haben, die Direktorin zu beerben, wenn sie demnächst in den Ruhestand geht.

Die angegriffenen Lehrkräfte sehen sich zu Unrecht in den Mittelpunkt einer öffentlichen Kontroverse gezogen. Jahangir Akbar, der inzwischen die kommissarische Leitung der „Oldknow Academy“ übernommen hat, dementiert die meisten Vorwürfe. Gegenüber der „Sunday Times“ sprach er kürzlich von einer „Hasskampagne“ und warf den Journalisten vor, einseitig zu recherchieren. „Warum sind Sie rassistisch?“, fragte er. Auch viele Eltern beklagen sich über die mediale Aufmerksamkeit und fürchten um den Ruf der Schulen. Schützenhilfe erhalten sie von linksliberalen Kreisen und Zeitungen wie dem „Guardian“, der ausländerfeindliche Ressentiments vermutet und dem konservativen Bildungsminister Michael Gove eine „Hexenjagd“ vorhält.

Gove steht auch von anderer Seite unter Druck. Er befindet sich nicht nur im Kulturkampf mit denen, die das multikulturelle Treiben Großbritanniens mit naivem Wohlwollen begleiten, sondern in einer persönlichen Fehde mit Innenministerin Theresa May. Unlängst wurde aus ihrem Haus ein Brief bekannt, der Gove vorwarf, das Problem an muslimisch dominierten Schulen viel zu lange ignoriert zu haben.

Der Verdacht, dass bestimmte Schulen religiös-autoritäre Tendenzen entwickeln, ist nicht neu. Aber frühere Inspektionen der Aufsichtsbehörde haben keine Belege finden können – im Gegenteil: Die „Park View School“, spezialisiert auf Mathematik und Naturwissenschaften, wurde noch vor zwei Jahren als „ausgezeichnet“ prämiert. Nun erhielt sie von Ofsted die Note „ungenügend“. Die Risiken des Extremismus würden „in unzulänglicher Weise“ vermittelt, hieß es zusammenfassend in dem Bericht der Behörde. Ähnlich äußerten sich die Aufseher über die „Oldknow Academy“ und die anderen drei Schulen, an denen zum Teil mehr als neunzig Prozent der Schüler muslimischen Glaubens sind.

Streit im konservativen Lager

Fachleute vermuten, dass die Schulleitungen die lange Vorankündigungszeit früherer Inspektionen genutzt haben, um Lautsprecher für Gebete abzustellen, die Kinder wieder zusammenzusetzen und kurzfristig die Curricula zu verändern. Das will Gove nun ändern. In Zukunft sollen die Schulen erst unmittelbar vor der Inspektion über den Besuch informiert werden. Der Chef von Ofsted, Michael Wilshaw, goss am Montagabend Öl ins Feuer, als er in der BBC sagte, Gove habe vergleichbare Vorschläge noch vor zwei Jahren in den Wind geschrieben.

Angriffe „von rechts“ muss Gove als besondere Pointe erleben. Bisher war er derjenige im Kabinett Cameron, der gerade beim Thema Einwanderungsgesellschaft für eine harte Linie bekannt war. Erst kürzlich flog ein Pfeil aus seinem Haus gegen Theresa May und deren Maßnahmen gegen islamische Extremisten. May würde einzelne Krokodile bekämpfen, anstatt den Sumpf trockenzulegen, wurde ein enger Mitarbeiter zitiert.

Vor allem in der konservativen Presse wird beklagt, dass der Streit zwischen den Ministern die Bilanz der Regierung zu überschatten droht. Das härtere Vorgehen gegen Extremisten, das in zahlreichen Gesetzen und Initiativen Niederschlag gefunden hat, soll im kommenden Wahlkampf zu einem Schlager der Tories werden. Nach einem Donnerwetter Camerons zeigten sich die beiden Minister am Montag einstweilen wieder vereint, als sie auf der engen Regierungsbank ostentativ nebeneinander Platz nahmen.

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