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Isaf-Regionalkommandeur Kneip : „Man muss einzelne Lager aufgeben“

  • Aktualisiert am

General Markus Kneip, Isaf-Regionalkommandeur in Nordafghanistan Bild: dapd

Der Regionalkommandeur der Isaf in Nordafghanistan, General Markus Kneip, spricht mit der F.A.Z. über Standortschließungen, die besonderen Fähigkeiten der Deutschen und das internationale Engagement über das Jahr 2014 hinaus.

          3 Min.

          Herr General, wie kann man national eine Truppenreduzierung vorbereiten, wenn im Regionalkommando Nord 17 Nationen von Deutschland als Führungsnation abhängen?

          Man muss sich mit den Partnernationen eng abstimmen und gemeinsam das Machbare, aber vor allem die Grenzen der Leistungsfähigkeit definieren. Unter die sollte man nicht sinken. Zum Beispiel haben wir als Deutsche besondere Fähigkeiten, die viele andere Nationen hier im Regionalkommando Nord nicht haben, etwa das deutsche Feldhospital im Camp Marmal, die unbemannten Aufklärungsdrohnen, die Transportflugzeuge oder die Ausbildungs- und Schutzverbände. Man kann immer optimieren und kürzen, durch Zusammenlegen etwa, das ist bei jeder Organisation möglich. Aber irgendwann kommt man an einen Sockel, den man für die verantwortbare Führungs- und Unterstützungsleistung braucht, und an die Substanz des Sockels darf man nicht gehen.

          Ist der bald erreicht?

          Nein, aus meiner Sicht zeichnet sich das bisher nicht ab. Wenn man also oberhalb des Sockels reduzieren will, dann sollte man das über eine substantielle Standortaufgabe machen und nicht über eine Standortausdünnung. Man kann zwar in jedem Standort das Personal ein wenig verringern, etwa in Bereichen, die mit Dienstleistung und Service zu tun haben, beispielsweise die Küche oder den technischen Betriebsdienst an externe Vertragspartner vergeben. Aber irgendwann ist Schluss, und dann muss man über den Erhalt des Standortes nachdenken, um die eigene Leistungsfähigkeit in den anderen Standorten zu erhalten: Wie ein Unternehmen, das eine Niederlassung spätestens dann aufgeben sollte, wenn nur noch der Geschäftsführer und der Pförtner da sind.

          Deutsche Soldaten in Afghanistan
          Deutsche Soldaten in Afghanistan : Bild: F.A.Z.

          Welche Standorte wird man angesichts des Mandats, dessen Entwurf dem Bundestag zur Abstimmung vorliegt, schließen müssen?

          Das hängt davon ab, wie sich die Lage weiter entwickelt und was tatsächlich beschlossen wird. Im Verlauf diesen Jahres wird ein Reduzierungsplan zu erstellen sein, der auch international abgestimmt sein muss. Die jetzt vorgelegte Obergrenze von 4900 ist schon implementiert. Über die Änderungen haben wir unsere Soldaten bereits vor Weihnachten informiert. Wenn später weitere Schritte erfolgen sollten...

          Es ist von einer Reduzierung auf 4400 Soldaten die Rede...

          Wie bereits gesagt, das wird von der Entwicklung der Lage abhängig sein. Entwickelt sich die Lage weiterhin positiver und man sagt beispielsweise, man soll 500 Soldaten einsparen, dann wird man über die Aufgabe von Standorten nachdenken müssen. Hazrat-e-Sultan hat beispielsweise etwa 100 Mann, bei gegebenenfalls 500 einzusparenden Soldaten bringt dies schon ein Fünftel. Ob nun Hazrat-e-Sultan dann tatsächlich dabei wäre, ist eine politische Frage. Meine Empfehlung würde sein, Hazrat-e-Sultan nicht zu halbieren. Denn mit halber Stärke kann der Standort nicht betrieben werden. Die Standortschließungen müssen natürlich politisch und mit unseren Partnernationen sowie den Afghanen abgestimmt werden, die Federführung hat dabei das Auswärtige Amt. Aus Faizabad sollen Ende des Jahres die letzten deutschen Soldaten abziehen, Taloqan könnte ebenfalls bald geschlossen werden.

          Die rege Bautätigkeit der Amerikaner im Stützpunkt Mazar-i-Sharif fällt auf, die Größe des Lagers wird nahezu verdoppelt.Ist das ein Zeichen dafür, dass man sich hier auf ein Verbleiben über 2014 hinaus einrichtet?

          Begründung Nummer eins ist die Optimierung, beispielsweise der Sicherheitsmaßnahmen, da geht immer noch was, da ist man nie fertig. Die Zweite ist, dass sich in Afghanistan alle Nationen, auch die Amerikaner, versuchen zu konzentrieren, was vor allem Logistik, Infrastruktur, medizinische Versorgung et cetera, betrifft. Im Zuge von deutlichen Kräftereduzierungen wird die Anzahl von Feldlagern, die wir in Afghanistan jetzt haben, nicht mehr aufrechterhalten werden können. Wie lange jedoch eine Nation bleiben wird, ist reine Spekulation. Ich würde vermuten, dass Mazar-i-Sharif einer der letzten Standorte ist, der im Norden Afghanistans geschlossen wird. Für jene Nationen, die sich über 2014 engagieren wollen, bietet die Stadt unter anderem mit ihrem Flugplatz einen zentralen, geeigneten Standort im Norden.

          Ist geplant, Lager auch an Afghanen zu übergeben?

          Das ist eine politische Entscheidung, ob man ein Lager zurückbaut, was sehr viel Aufwand verlangt, oder ob man ein Signal setzt, indem man es den Afghanen übergibt. Dann muss es aber auch betrieben werden können und nachhaltig sein. Ich möchte in Afghanistan keine Wüstenstädte hinterlassen, an denen dann ein windschiefes Schild hängt, auf dem „Bundesrepublik Deutschland“ steht.

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