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IS-Terror im Iran : Anschlag im Herzen des Feindeslandes

Symbolischer Ort des Terrors: Iranische Polizisten retten ein Kind aus dem Parlamentsgebäude in Teheran. Bild: AFP

Erstmals gelingt es dem IS, Iran auf eigenem Boden anzugreifen. Die Schutzmacht der Schiiten gilt den Terroristen als einer der größten Gegner. Wie stark das iranische Selbstverständnis angegriffen ist, zeigt das Verhalten von Medien und Politikern.

          Terroranschläge des „Islamischen Staats“ (IS) mitten in Teheran – das war ein Schreckensszenario, vor dem die iranische Führung seit langem gewarnt hat. Wenn wir den IS nicht in Syrien und im Irak bekämpfen, so lautete die Botschaft, werden die Terroristen zu uns kommen. Es ist eines der zentralen Argumente, mit dem Teheran sein militärisches Vorgehen im Nachbarland Syrien rechtfertigt. Tatsächlich war Iran in den vergangenen Jahren von großen Terroranschlägen weitgehend verschont geblieben, obwohl der IS die Schutzmacht der Schiiten als einen seiner größten Feinde betrachtet. Am Mittwoch aber wurde das Schreckensszenario Wirklichkeit.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Bei zwei koordinierten Angriffen auf das Parlamentsgebäude im Zentrum der iranischen Hauptstadt und das Mausoleum des früheren Revolutionsführers Ruhollah Chomeini wurden nach Angaben des Innenministeriums zwölf Menschen getötet und 42 verletzt. Vier mit Sturmgewehren und Sprengstoffwesten bewaffnete Attentäter stürmten nach Berichten der Staatsmedien am Morgen zunächst das Parlament. In einigen Berichten hieß es, sie hätten sich als Frauen verkleidet. Über Stunden lieferten sich die Terroristen Gefechte mit den Sicherheitskräften und nahmen Geiseln.

          Beschuldigungen gegen Amerika und Saudi-Arabien

          Zudem sollen sie aus den Fenstern des Gebäudes heraus Passanten auf der Straße beschossen haben. Der iranische Auslandssender Press TV berichtete unter Berufung auf das Innenministerium, ein Selbstmordattentäter habe sich im Parlament in die Luft gesprengt, die übrigen Angreifer seien erschossen worden. Rund eine halbe Stunde nach Beginn des Angriffs auf das Parlament drangen in einer offensichtlich konzertierten Aktion zwei Angreifer in das Mausoleum des Republikgründers Ajatollah Chomeini ein und schossen dort ebenfalls um sich. Auch dort soll sich einer der Angreifer in die Luft gesprengt haben. Ein weiterer soll sich mit einer Zyankalikapsel selbst getötet haben.

          Der IS reklamierte die Anschläge über sein Sprachrohr Amaq für sich und veröffentlichte ein langes Video, das mutmaßlich die blutigen Vorgänge im Parlamentsgebäude zeigt. Es ist der erste große Anschlag in dem mehrheitlich schiitischen Land, zu dem sich die sunnitische Terrorgruppe bekennt. Dabei wimmelt es in der IS-Propaganda von Drohungen und Beschimpfungen gegen Iran, wo der schiitische Islam Staatsreligion ist. In der verqueren Logik der Terroristen sind Schiiten Apostaten, die sich vom vermeintlich wahren, dem sunnitischen Islam abgewandt haben.

          Die Terrorgruppe zielt mit vielen ihrer Anschläge in der Region, etwa im Irak und in Afghanistan, darauf ab, die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten anzuheizen, um sich als Verteidiger sunnitischer Interessen darzustellen. Dass die Bluttat vom Mittwoch geeignet ist, den Konflikt zwischen dem mehrheitlich schiitischen Iran und dem mehrheitlich sunnitischen Saudi-Arabien zu eskalieren, zeigte sich sogleich an der Reaktion der einflussreichen Revolutionsgarden, die Riad und die Vereinigten Staaten bezichtigten, in den Anschlag verwickelt zu sein.

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