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Irland : Wenn katholische Priester Väter werden

  • -Aktualisiert am

Der Ire Vincent Doyle, hier im Juni 2014 bei einer Papst-Audienz auf dem Petersplatz in Rom, fand nach dem Tod seiner Mutter heraus, dass er der Sohn eines amerikanischen Geistlichen ist. Bild: AP

In einem aufsehenerregenden Text haben die irischen Bischöfe „illegitime Kinder“ von Geistlichen gestärkt. Der Papst heißt das gut.

          Im Vatikan heißt es, nun werde womöglich eine neue Woge der Kritik am Zölibat der Priester auf die Kirche zukommen. Doch Papst Franziskus hat diese Drohung nicht davon abgehalten, dieser Tage einen Text der irischen Bischofskonferenz gutzuheißen, der mit einem jahrhundertealten Tabu aufräumt. „Illegitime Kinder“ von Geistlichen sollen nicht mehr länger verleugnet, versteckt und um ihre Identität gebracht werden. Vielmehr legt der jetzt veröffentlichte Text kurz und bündig die „Prinzipien der Verantwortung von Priestern“ fest, „die im Amt Kinder gezeugt haben“. Dabei richten Irlands Bischöfe ihr Augenmerk allein auf das Wohl der Kinder: „Auch ein Geistlicher muss, wie jeder andere Vater, seiner persönlichen, moralischen, rechtlichen und ökonomischen Verantwortung gerecht werden“. Die kirchlichen Autoritäten sollten in diesem Sinn auf den Kleriker einwirken und jedem einzelnen Fall Aufmerksamkeit schenken, heißt es.

          Im Vatikan gibt es derzeit keine Kommentare. Immerhin wies die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz „Avvenire“ am vergangenen Samstag darauf hin, dass dieser Text Klarheit schafft und als Richtlinie für den Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, wirken könne. Leider fehlten ein gesamtkirchliches Konzept und eine präzise Verankerung dieser „Prinzipien“ im kanonischen Recht. Darum wird sich der Heilige Stuhl nun auch unter dem Druck der Vereinten Nationen intensiver kümmern müssen. Schon 2014 forderte das UN-Komitee in Genf, das mit dem Schutz von Kindern befasst ist, dass sich kein Vater, und sei er auch Priester, der Verantwortung für seine Kinder entziehen dürfe. Darauf antwortete bisher nur knapp der frühere Ständige Beobachter bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Silvano Tomasi, und bestätigte: „Soweit es um Kinder von Priestern geht, muss jeder Vater die Pflichten nach dem Recht des jeweiligen Staats tragen und seiner natürlichen Verantwortung gerecht werden.“ In diesem September wird in Genf von Tomasis Nachfolger Ivan Jurković eine ausführlichere Antwort erwartet.

          Eigentlich dürfen Priester der römisch-katholischen Kirche keine Kinder haben, unterliegen sie doch seit 1139 kirchenrechtlich verbindlich dem Zölibatsversprechen. Tatsächlich aber haben Priester immer wieder Kinder gezeugt. Bis heute verliert offenbar de facto keiner sein Amt, solange er nach Abbruch der sexuellen Beziehung sein Treueversprechen gegenüber Mutter Kirche erneuert. Über Jahrhunderte wucherte diese Grauzone, in der der Priester geschützt, aber seine Kinder ins Ungewisse abgeschoben wurden. Bisweilen kommen Diözesen für deren Erziehung auf; womöglich wird der Mutter unter der Hand geholfen.

          Der Zölibat soll bleiben

          Ähnlich wie beim Kindesmissbrauch durch Kleriker waren mithin bisher die Kinder der Geistlichen still leidende Opfer. Derer nimmt sich seit Ende 2014 die mittlerweile international arbeitende Gesellschaft Coping International an, die der heute 34 Jahre alte Ire Vincent Doyle mit dem Segen von Bischof Martin ins Netz stellte. Als seine Mutter 2011 gestorben war, hatte Doyle deren Unterlagen gesichtet und herausgefunden, dass er der Sohn eines amerikanischen Geistlichen ist. Jener war Gemeindepastor in der Nachbarschaft gewesen, und Vincent hatte ihn als seinen Patenonkel verehrt. Später war der Pastor in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Zunächst teilte Doyle seinen Schock über das soziale Netzwerk Facebook und erfuhr, dass er nicht allein ist. Um auch anderen zu helfen, richtete der Psychotherapeut Doyle schließlich die Internetseite ein.

          Coping International wird mittlerweile auch vom Erzbischof von Boston, Seán Patrick Kardinal O’Malley, mitgetragen. Der Kapuziner ist Präsident der 2014 errichteten Kinderschutzkommission im Vatikan und gehört zu den neun Kardinälen, die den Papst bei der Kurienreform beraten. Auch Franziskus unterstützt die Internetseite, wie das Staatssekretariat Doyle Ende 2014 versicherte. Aber auf den persönlichen Brief, den Doyle dem Papst vor Jahren übergab, fehlt eine Antwort. In einem Buch, das Franziskus noch als Kardinal Jorge Maria Bergoglio mit Rabbi Abraham Skorka 2010 schrieb, stellte er fest, das natürliche Recht wirke schwerer als das des Priesters; wer ein Kind zeuge, müsse sein Priesteramt aufgeben. Der Zölibat soll also bleiben.

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