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Kampf um Aleppo : Der Mann, der Assad zum Sieg verhalf

Anhänger des Assad-Regimes fahren durch Aleppo und feiern ihren Sieg. Bild: AFP

Qassem Solaimani ist Irans Meister des Krieges und Stratege in Syrien. Der Kommandeur der Qods-Einheiten kalkuliert eiskalt. Ohne ihn hätte das syrische Regime wohl nicht überlebt.

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          In Teheran feierte die iranische Führung den „Triumph von Aleppo“. So nannte Ajatollah Mohammad Emami Kashani die Einnahme des Ostens der Stadt durch regimetreue Bodentruppen. Es sei ein Sieg der „Muslime über die Ungläubigen“, wie er die Sunniten und die Extremisten unter ihnen bezeichnete. Der Sieg sei das Ergebnis von „Entschlossenheit und Hartnäckigkeit“. Er hätte auch sagen können, die Einnahme von Aleppo sei Qassem Solaimani zu verdanken, der seit 1998 als Kommandeur die Qods-Einheiten befehligt, die außerhalb Irans eingesetzten Elitetruppen der Revolutionswächter. Als in Teheran Ajatollah Kashani sprach, inspizierte Solaimani den Stadtteil zu Füßen der Zitadelle, die seine Truppen kurz zuvor von den Rebellen erobert hatten, und über der von Sunniten besuchten Omajjaden-Moschee weht eine schiitische Flagge.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          So wichtig die russische Luftwaffe für die Wende im Krieg zugunsten des Regimes von September 2015 an war: Ohne Solaimani wäre es schon kollabiert. In der zweiten Jahreshälfte 2012 ließ er sich in Damaskus nieder, und er reorganisierte mit Hilfe eines Kommandeurs der libanesischen Hizbullah die reguläre syrische Armee. Er beschaffte Waffen und Ausrüstungen, später holte er schiitische Milizionäre und Söldner nach Syrien - aus dem Irak und aus Iran, aus Pakistan und Afghanistan. Er ließ sie ausbilden und baute eine schlagkräftige schiitische Fremdenlegion von mehr als 50 000 Kämpfern auf.

          Qassem Suleimani
          Qassem Suleimani : Bild: AFP

          Von August 2015 an kümmerte er sich um die Rückeroberung von Aleppo, das nahezu vollständig in die Hände der sunnitischen Rebellen gefallen war. In jenem Monat soll er, trotz der von den UN verhängten Sanktionen gegen ihn, nach Moskau gereist sein. Im September begann Russland seinen Kriegseinsatz, um das syrische Regime zu retten, und auf dem Boden koordinierte Solaimani das Vorrücken der schiitischen Truppen auf Aleppo. Von Juni 2014 an war er vor allem im Irak, wo er die Milizen der „Volksmobilisierung“ (hashd shaabi) aufbaute. Mit diesen stoppte er zwei Monate nach der Einnahme von Mossul den vorrückenden „Islamischen Staat“ erstmals bei Amerli. Auch dort ging er pragmatisch vor, sprach sich mit Amerika ab, das den Angriff aus der Luft unterstützte. Im Frühjahr 2015 befehligte er die Rückeroberung der irakischen Stadt Tikrit vom IS.

          In seiner iranischen Heimat wird Solaimani, der 1957 als Sohn einer armen Bauernfamilie in der Provinz Kerman geboren wurde und 1980 als Soldat der Revolutionswächter in den Krieg gegen den Irak geschickt wurde, wie ein Popstar gefeiert. Selbst Iranern, die der Islamischen Republik fernstehen, ist er ein Held. Die Zeitschrift „Newsweek“ schrieb, Solaimani liebe den Krieg und sei sich bewusst, dass er darin ein Meister sei. Die saudische Presse beschimpft ihn als Kriegsverbrecher und Terroristen. Das perlt an ihm ab. Er weiß um seine Macht. Vor Jahren schrieb er an den früheren amerikanischen Oberbefehlshaber im Irak, General Petraeus: „Sie sollen wissen, ich kontrolliere die iranische Politik im Irak, dem Libanon, in Gaza und Afghanistan.“ Und jetzt auch in Syrien.

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