https://www.faz.net/-gpf-9zos2

Rede im staatlichen Fernsehen : Chamenei: Israel muss entwurzelt werden

  • Aktualisiert am

Ajatollah Ali Chamenei sorgte mit einer Fernseh-Ansprache und einem Tweet für scharfe Kritik. Bild: dpa

Mit antiisraelischen Äußerungen hat Irans Führung international Kritik auf sich gezogen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz warnten davor, Israel herauszufordern.

          2 Min.

          Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat den unabhängigen jüdischen Staat Israel als Geschwulst in der Nahost-Region bezeichnet, die mit einem Dschihad (Heiliger Krieg) der Palästinenser entwurzelt und entfernt werden müsse. Chamenei äußerte sich am Freitag anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages. Der Tag soll an die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967 erinnern. Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem.

          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz warnten davor, Israel herauszufordern. Israel werde für alle Bedrohungen gerüstet sein, schrieb Gantz auf Facebook. Er wird Netanjahu im Herbst nächsten Jahres als Ministerpräsidenten ablösen.

          Das Auswärtige Amt missbilligte die Äußerungen Chameneis. Es erklärte auf Twitter: „Wir verurteilen das Aufrufen zur Vernichtung Israels, die Legitimierung von Terror und das Verbreiten antisemitischer Inhalte auf das Schärfste. Solche israel-feindlichen Äußerungen wie nun erneut von iranischer Seite sind absolut inakzeptabel.“

          Der Zerfall Israels und die „Befreiung Palästinas“ gehören seit Jahrzehnten zur außenpolitischen Doktrin Irans.

          Scharfe Kritik für „Endlösung“-Bild

          Die Besetzung Palästinas und Vertreibung von Millionen Menschen von ihrem Land bezeichnete Chamenei in seiner Rede im staatlichen Fernsehen als ein „einzigartiges Verbrechen“ in der Weltgeschichte. Mit den „Verbrechern“ der Zionisten in Israel sollte man daher mit Stärke vorgehen und nicht mit Verhandlungen, so der Ajatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

          Chamenei hatte mit einem Bild zur „Endlösung“ in Jerusalem zuvor bereits scharfe Kritik ausgelöst. Die Zeichnung unter dem Motto „Palästina wird frei sein“ zeigt den Jerusalemer Tempelberg. Darüber steht: „Die Endlösung: Widerstand bis zu einem Referendum.“

          Chamenei hatte dazu auf Twitter geschrieben: „Wir werden jede Nation oder Gruppe, die gegen das zionistische Regime ist und es bekämpft, unterstützen.“ Die „Eliminierung des zionistischen Regimes“ bedeute nicht die der Juden. Es bedeute vielmehr, ein „aufgedrängtes Regime“ wie das von Netanjahu abzuschaffen. Netanjahu und auch der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hatten Chamenei für das „Endlösung“-Bild scharf verurteilt.

          Bei der Wannsee-Konferenz in Berlin hatten 1942 fünfzehn ranghohe Vertreter des NS-Staats darüber beraten, wie die sogenannte Endlösung der Judenfrage – die millionenfache Ermordung der europäischen Juden – möglichst effektiv umgesetzt werden kann.

          Der Al-Quds-Tag wird jedes Jahr am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan veranstaltet. Dieses Jahr wurden in Iran die staatlich-organisierten Massendemonstrationen wegen der Corona-Krise und der hohen Ansteckungsgefahr abgesagt – genauso wie ein von Präsident Hassan Rohani vorgeschlagener Autokorso in der Hauptstadt Teheran. Die Iraner konnten auf qudsday.net virtuell an der Veranstaltung teilnehmen.

          Auch andere iranische Führer meldeten sich am Al-Quds-Tag zu Wort. „Dieser Tag symbolisiert die Einheit der Muslime bei der Verteidigung islamischer Ideale“, sagte Rohani. Zu diesen Idealen gehöre Jerusalem als Hauptstadt Palästinas anzuerkennen. Nach den Worten von Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wird Iran die „palästinensischen Freiheitsbewegungen“ weiterhin uneingeschränkt unterstützen. Iran werde auch nicht zulassen, dass Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und der „Deal des Jahrhunderts“ durchgeführt wird.

          Diese Äußerung bezieht sich auf den Nahost-Plan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Israel erwägt, im Zuge des Planes Teile des Westjordanlandes wie beispielsweise das Jordantal annektieren.

          Weitere Themen

          Plötzlich ist Trump doch für Masken

          Corona-Pandemie in Amerika : Plötzlich ist Trump doch für Masken

          Bislang weigerte sich Trump, wegen Corona einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Jetzt findet er Masken doch gut – weil er mit ihnen wie „Lone Rider“ aussehe. Womöglich hängt sein Sinneswandel aber auch damit zusammen, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Amerika einen neuen Rekordwert erreicht hat.

          Topmeldungen

          Der Mann ohne Maske: Donald Trump im Mai mit dem obersten Immunologen Anthony Fauci (r.) und Deborah Birx, Koordinatorin der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses

          Corona-Pandemie in Amerika : Plötzlich ist Trump doch für Masken

          Bislang weigerte sich Trump, wegen Corona einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Jetzt findet er Masken doch gut – weil er mit ihnen wie „Lone Rider“ aussehe. Womöglich hängt sein Sinneswandel aber auch damit zusammen, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Amerika einen neuen Rekordwert erreicht hat.
          Er hat die besten Aussichten, CDU-Vorsitzender zu werden, aber ist er auch der prädestinierte Kanzlerkandidat? Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

          CDU-Vorsitz und K-Frage : Muss Laschet weichen?

          Während Merkel auf der Europawolke schwebt, kommt der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz wieder in Fahrt. Die bisherigen Kandidaten sehen dabei alle drei nicht sonderlich gut aus.
          Sigmar Gabriel, Bundesminister a. D.

          Fleischkonzern : Sigmar Gabriel als Berater von Tönnies bezahlt

          Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ für den Fleischproduzenten Tönnies als Berater gearbeitet. Gabriel soll für seine Beratertätigkeit rund 10.000 Euro erhalten haben.
          In der Münchner Fußgängerzone wollen zahlreiche Menschen einkaufen gehen.

          Konjunktur : Die Wirtschaft kommt wieder in Fahrt

          Über die Autobahnen rollen wieder mehr Lkw und in den Fußgängerzonen tummeln sich die Passanten. Echtzeitindikatoren zeigen deutlich mehr wirtschaftliche Aktivität in Deutschland. Doch von Normalität ist die Wirtschaft noch weit entfernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.