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Nach Teilnahme an „Kundgebung“ : Irans Außenminister bestellt britischen Botschafter ein

  • Aktualisiert am

Bestellte den britischen Botschafter in Iran ein: der iranische Außenminister Dschwad Zarif Bild: AFP

Rob Macaire wurde mitgeteilt, dass seine Teilnahme an einer „illegalen Kundgebung“ gegen die diplomatischen Vorschriften verstoßen habe. Der Botschafter bestreitet die Vorwürfe – er habe nicht an Demonstrationen teilgenommen.

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          Das iranische Außenministerium hat den britischen Botschafter in Teheran wegen dessen Beteiligung an einer Kundgebung für die Opfer der abgeschossenen ukrainischen Passagiermaschine einbestellt. Rob Macaire wurde dabei am Sonntag mitgeteilt, dass seine Teilnahme an einer „illegalen Kundgebung“ gegen die diplomatischen Vorschriften verstoßen habe. Die Teilnahme habe nichts mit seinen Verpflichtungen als Vertreter seines Landes zu tun gehabt, wie das Außenministerium nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna dem Diplomaten weiter bekanntgab.

          Macaire war am Samstagabend nach eigenen Angaben kurzzeitig festgesetzt worden, nachdem er an einer Trauerkundgebung in Teheran für die Absturzopfer teilgenommen hatte, unter denen auch Briten waren. Den Bericht über seine Teilnahme an Protestkundgebungen gegen die iranische Regierung wies er am Sonntag in einem Tweet zurück.

          Er habe sich an „keinen Demonstrationen“ beteiligt, schrieb er. Vielmehr sei er zu einer „Veranstaltung gegangen, die als Trauerwache für die Opfer der Tragödie von Flug PS752 angekündigt war“. Seine Festnahme bezeichnete er als illegal.

          Nach dem Bekenntnis Irans zum versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs hatte es in Teheran am Samstagabend Proteste gegen die Regierung gegeben. Mehrere hundert Menschen versammelten sich zunächst an der Amir-Kabir-Universität, um der 176 Toten zu gedenken, doch schlug die Kundgebung rasch in heftige Kritik an der Regierung um: Die Demonstranten bezeichneten sie als „Lügner“ und forderten die Verantwortlichen für den Abschuss und die tagelange Leugnung zum Rücktritt auf.

          Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr wurde der britische Botschafter wegen der „Beteiligung an der Anstiftung“ der Proteste festgenommen. Macaire erklärte hingegen, es sei für einen Diplomaten völlig „üblich, den Opfern seine letzte Ehre zu erweisen“, zumal auch britische Staatsangehörige unter ihnen waren.

          Er sei nach rund fünf Minuten wieder gegangen, als erste regierungsfeindliche Slogans ertönt seien, erklärte er auf Englisch und Farsi. Eine halbe Stunde später sei er festgenommen worden. Macaire fügte hinzu, die Festnahme von Diplomaten sei „illegal, in allen Ländern“.

          Der britische Außenminister Dominic Raab hatte zuvor bereits von einem „eklatanten Verstoß gegen internationales Recht“ gesprochen. Eine Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums warf Teheran vor, das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zu verletzten, und forderte eine Entschuldigung gegenüber London.

          Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mahnte auf Twitter die „umfassende Einhaltung der Wiener Konvention“ an. Die iranischen Behörden machten zunächst keine Angaben zu der Festnahme des britischen Botschafters.

          Ein iranischer Abgeordneter forderte die Ausweisung des britischen Botschafters. „Als Botschafter sollte man die Gesetze und Vorschriften eines Landes kennen und die diplomatischen Kriterien respektieren“, sagte Alaeddin Borudscherdi am Sonntag.

          Ein Diplomat, der an Protestkundgebungen teilnehme, die innere Angelegenheiten Irans beträfen, habe „in Iran nichts zu suchen“. Daher sollte Außenminister Dschawad Zarif den Botschafter ausweisen, sagte der Abgeordnete und ehemalige Vizeaußenminister laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim.

          Gedenken an die Opfer des Flugzeugabschusses durch Iran am Samstag in Teheran.

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