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Iranisches Atomprogramm : Das Kap und die Bombe

  • -Aktualisiert am

Großes Interesse am Atomprogramm: Irans Präsident Hassan Rouhani im Kernkraftwerk Buschehr Bild: AFP

Iran versucht in Südafrika, an Kernwaffentechnologie zu gelangen. Der israelische und der südafrikanische Geheimdienst wollen das gemeinsam unterbinden.

          Das schönste Kompliment, das einem Geheimdienst gemacht werden kann, ist, ihn für unfähig zu halten. In der öffentlichen Wahrnehmung fällt der „South African Secret Service“ (SASS) in diese Kategorie. Dass diese Meinung aber in der Fachwelt nicht geteilt wird, belegen nun von der britischen Zeitung „Guardian“ und dem qatarischen Sender „Al Jazeera“ veröffentlichte Depeschen zwischen den Südafrikanern und dem israelischen Geheimdienst Mossad. Sie stammen mutmaßlich aus südafrikanischen Quellen.

          Es geht darin um das iranische Atomprogramm, um die Anwerbung nordkoreanischer Spione durch den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 auf südafrikanischem Boden, um gestohlene und wiederbeschaffte Baupläne für Luft-Boden-Raketen und nicht zuletzt um Strategien zur Bekämpfung radikaler Islamisten.

          Kernpunkt der Enthüllungen ist der Austausch zwischen den Israelis und den Südafrikanern über den Stand des iranischen Atomwaffenprogramms und die Fortschritte der Iraner bei der Anreicherung von waffenfähigem Plutonium. Nach Angaben des Mossad sei speziell letzteres längst nicht so weit fortgeschritten, wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu öffentlich stets behauptet. Der Grund aber, warum die Israelis die Südafrikaner an dieser nicht neuen Information teilhaben lassen, sind die hartnäckigen Versuche iranischer Emissäre, in Südafrika sowohl an Raketen als auch an Atomwaffentechnologie zu gelangen. Ersteres produziert der staatliche südafrikanische Waffenkonzern Denel, zweiteres liegt im Forschungsreaktor Pelindaba bei Pretoria unter Verschluss.

          Wie weit ist die Bombe? Netanjahu spricht im September 2012 vor den Vereinten Nationen.

          Südafrika ist eine ehemalige Atommacht. Zu Hochzeiten des Kalten Krieges und der Stellvertreterkriege auf dem afrikanischen Kontinent in den siebziger und achtziger Jahren sah sich das weiße Südafrika im Innern vom marxistischen „African National Congress“ (ANC) und an seinen Grenzen von Angola im Norden und Moçambique im Osten bedroht, die signifikante Militärhilfe aus der Sowjetunion erhielten. Das Apartheidregime antwortete darauf mit atomarer Bewaffnung. Ein nuklearer Forschungsreaktor, Safari 1, stand seit Anfang der sechziger Jahre in Südafrika, geliefert aus Amerika. Die Südafrikaner bauten ab 1967 einen zweiten unmittelbar daneben, Safari 2 – dieser war nicht nur auf zivile Nuklearforschung ausgelegt. Allerdings hatten die Südafrikaner damals genau die gleichen Schwierigkeiten wie die Iraner heute: waffenfähiges Plutonium herzustellen. Sie gingen deshalb dazu über, hochangereichertes Uran zu verwenden, das in Südafrika selbst gefördert wurde. Dabei erhielten sie nach Angaben vieler südafrikanischer Historiker umfangreiche technische Hilfe aus Israel. Die Israelis sollen den Südafrikanern unter anderem 30 Gramm Tritium im Austausch für 50 Tonnen Uran geliefert haben. Tritium kann den Wirkungsgrad einer Atomwaffe verdoppeln und wird deshalb auch als „Booster“ bezeichnet.

          Als die Südafrikaner 1976 in der Kalahari die erste Atombombe zünden wollten, wurden sie von den etablierten Atommächten unter Druck gesetzt. Frankreich drohte im Falle eines südafrikanischen Atomtests damit, das einzige zivile Kernkraftwerk des Landes in Koeberg bei Kapstadt nicht fertigzustellen, das vom französischen Konzern Framatome konzipiert worden war. Die Südafrikaner schlossen daraufhin ihr Testgelände bei Upington.

          Testete Südafrika eine Atombombe im Indischen Ozean?

          Im September 1979 jedoch entdeckte ein amerikanischer Satellit über dem Indischen Ozean einen sogenannten „Double flash“, wie er typisch für die Zündung einer Kernwaffe ist. Sofort geriet Südafrika in Verdacht. Allerdings konnte nie nachgewiesen werden, was dort eigentlich zur Detonation gebracht worden war. Ein ehemaliger Kommodore des südafrikanischen Marinestützpunktes Simons Town, Dieter Gerhardt, behauptete 1994, es habe sich dabei tatsächlich um eine Atomwaffe gehandelt, die mithilfe israelischer Experten zur Explosion gebracht worden sei. Gerhardt nannte auch den Namen der streng geheimen Aktion: „Operation Phoenix“. Später wurde Gerhardt wegen Spionage für die Sowjetunion verurteilt und inhaftiert.

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