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Iranischer Außenminister : „Ich bin nicht zuversichtlich, dass wir Krieg vermeiden können“

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Irans Außenminister Mohammed Dschawad Zarif hält einen Krieg im Nahen Osten nicht für ausgeschlossen. Bild: Reuters

Der iranische Außenminister schließt einen Krieg im Nahen Osten nicht mehr aus. Auch die Revolutionsgarden reden vom „Krieg ohne Grenzen“. Der Friedensplan von Präsident Hassan Rohani könnte im Getöse untergehen.

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          Dem iranischen Außenminister zufolge könnte ein Krieg im Nahen Osten unvermeidbar sein. In einem Interview mit dem amerikanischen Sender CBS sagte Mohammed Dschawad Zarif auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass ein Krieg verhindert werden könne: „Nein. Nein, ich bin nicht zuversichtlich, dass wir Krieg vermeiden können.“

          Es werde nicht der Iran sein, der ein Krieg beginnen werde, sagte Zarif einer am Sonntag veröffentlichen Mitschrift zufolge. Er warnte jedoch, dass sich der Iran entschlossen wehren werde. Es könne in solch einem Fall „keinen begrenzten Krieg“ geben, drohte er zum wiederholten Mal. Er erklärte auch wieder, dass Iran trotz gegenteiliger amerikanischer Vorwürfe nicht für die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich sei.

          Auch die iranischen Revolutionsgarden haben ihre verbale Drohung in Richtung Amerika verschärft. Nach der Ankündigung der Vereinigten Staaten, weitere Truppen in den Nahen Osten zu verlegen, drohten sie Amerika für den Fall eines Angriffs mit einem „Krieg ohne Grenzen“. „Der Feind spricht von militärischen Optionen ... wir aber sprechen von einer konsequenten Antwort ohne Grenzen und Einschränkungen", sagte ein Sprecher der paramilitärischen Organisation.

          Militärparade und Friedensplan in Teheran

          Schon am Samstag hatte der Chef der mächtigen Revolutionsgarden, Hossein Salami, die Vereinigten Staaten vor einem Angriff auf Iran gewarnt: „Wer auch immer möchte, dass sein Land zum Hauptschlachtfeld wird, nur zu.“ Auch eine „begrenzte Option“ für einen Angriff gebe es nicht, da sein Land reagieren und nicht eher ruhen werde, bis der „Aggressor“ zusammenbreche, sagte Salami in Teheran und ergänze, es werde nirgendwo sicher bleiben.

          Am Freitagabend hatte der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper erklärt, die Truppenverlegung solle auf die Verteidigung gegen Luft- und Raketenangriffe ausgerichtet sein. Zu Fragen nach der Truppenstärke äußerte sich Armeechef Joseph Dunford zurückhaltend. Er erklärte auf Nachfrage nur, dass es sich nicht um 1000 Soldaten handeln werde. Die Vereinigten Staaten hatten bereits im Juni angekündigt, weitere 1000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, nachdem die amerikanischen Truppen in der Region schon im Mai um 1500 verstärkt wurden.

          Die markigen Worte aus den Reihen der Revolutionsgarden fallen auch vor dem Hintergrund einer großen Militärparade. An diesem Sonntag gedenkt Iran zum 39. Mal der militärischen Invasion des Iraks, der ein Krieg zwischen den beiden Staaten von von 1980 bis 1988 folgte. An den Paraden zum „Tag der heiligen Verteidigung“ beteiligten sich auch Luftwaffe und Marine mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Kriegsschiffen und Schnellbooten. In der Hauptstadt Teheran war neben ranghohen Kommandeuren der Armee und der Revolutionsgarden auch der iranischen Präsident Hassan Rohani anwesend.

          Iranische Soldaten marschieren bei einer großen Militärparade zum Gedächtnis des Kriegs gegen Irak (1980-1988) durch Teheran.

          Rohani kündigte bei der Militärparade an, bei der UN-Vollversammlung in New York ein Sicherheitskonzept für die Golfregion vorzulegen. „Mit der Initiative ,Koalition der Hoffnung' wollen wir bei den UN einen Friedensplan für den Persischen Golf und die Straße von Hormuz präsentieren“, sagte er. Demnach will Iran mit einer Koalition der Golfstaaten für die Sicherheit der Schifffahrt im Persischen Golf sorgen – ohne ausländische Schutzmächte, deren „Einmischung“ Rohani für „problematisch und gefährlich“ hält.

          Iran ist Rohanis Worten zufolge bereit, alle Differenzen mit den Golfstaaten auszuräumen. Teheran wolle Freundschaft und Bruderschaft mit allen Staaten der Region und „strecke hiermit auch seine Hand aus“, sagte der Präsident, dessen Rede in New York für Mittwoch geplant ist.

          Iranische Drohnen über Syrien abgeschossen?

          Unterdessen wurde bekannt, dass am Samstag abermals eine bewaffnete Drohne über Syrien abgeschossen wurde. Nach Angaben der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana geschah dies zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden. Die Drohne sei mit Bomben und Sprengstoff ausgerüstet gewesen. Wer hinter den Drohnenangriffen steht, ließ die Agentur offen.

          Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers war es keine Drohne seines Landes. Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 hatte Israel mehrmals Stellungen iranischer Kräfte oder pro-iranischer Milizen in Syrien angegriffen. Vermutlich sei die Drohne iranischer Bauart, erklärte der Sprecher bei Twitter. Er verwies darauf, dass die an der Seite Baschar al Assads in Syrien kämpfenden al-Quds-Brigaden, die im Ausland aktiven Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden, offenbar tun könnten, was sie wollten, ohne das Regime von Assad zu informieren.“

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