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Iran : Zusammenstöße in Teheran am „Jerusalem-Tag“

  • Aktualisiert am

Jerusalem-Tag: Regierungstreue Demonstranten am Freitag in Teheran Bild: dpa

Ungeachtet eines Verbots gingen am Freitag in Teheran tausende Reformer zu Protesten gegen Präsident Ahmadineschad auf die Straße. Zum ersten Mal seit 25 Jahren durfte Rafsandschani nicht die Predigt zum „Jerusalem-Tag“ halten.

          Der „Jerusalem-Tag“ am Ende des Fastenmonats Ramadan ist in Iran zur neuen Machtprobe zwischen Opposition und Staatsführung geworden. Ungeachtet eines Verbots regierungsfeindlicher Demonstrationen nutzten tausende Reformer die traditionellen Kundgebungen an diesem Feiertag zu Protesten gegen Präsident Mahmud Ahmadineschad. Dabei kam es zu etlichen Zusammenstößen. Der Präsident geißelte vor einer riesigen Menschenmenge auf dem Universitätsgelände von Teheran die Besatzungspolitik Israels und stellte abermals den Holocaust infrage.

          Bei einem der Märsche wurde der frühere iranische Präsident Mohammad Chatami tätlich angegriffen. Eine Gruppe Regierungsanhänger habe Chatami zu Boden gestoßen, hieß es auf einer Website der Reformbewegung. Oppositionelle seien ihm zu Hilfe geeilt und hätten die Angreifer zurückgeschlagen. Chatami hat sich im Streit über das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 12. Juni auf die Seite der Opposition geschlagen.
          Augenzeugen zufolge versuchten einige Hardliner, auch Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi zu attackieren.

          „Tod dem Diktator“-Rufe

          Mussawi habe die Demonstration dann schnell verlassen. Eine unabhängige Bestätigung war vorerst nicht möglich, zumal ausländische Journalisten Veranstaltungen von Oppositionellen nicht begleiten durften. Weiteren Augenzeugenberichten zufolge nahmen auch der Reformpolitiker Mahdi Karrubi und der frühere Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani an regierungsfeindlichen Kundgebungen teil.
          Rafsandschani vom Freitagsgebet ausgeschlossen

          Allen Drohungen von regierungsnahen Milizen und Sicherheitskräften zum Trotz trugen die Oppositionellen wieder grüne T-Shirts und grüne Armbänder, um sich als Anhänger Mussawis kenntlich zu machen. „Tod dem Diktator“, riefen zahlreiche Ahmadineschad-Gegner im Zentrum von Teheran. „Nicht Gaza oder Libanon - unser Leben liegt im Iran“, lautete ein anderer Slogan. Dies war ein weiterer Protest gegen die Regierung, die am sogenannten Al-Quds-Tag (Jerusalem-Tag) stets die Solidarität mit den Palästinensern in den Mittelpunkt stellt.

          Genau dies tat Ahmadinesschad bei der offiziellen Kundgebung an der Universität. Ihm folgte eine weitaus größere Menge als der Opposition, was Beobachter jedoch vor allem auf die Einschüchterungsversuche seitens der Sicherheitskräfte zurückführten. Das anschließende Freitagsgebet wurde von Ahmadinesschads Gefolgsmann Ahmad Khatami geleitet. Die vergangenen 25 Jahre hatte Rafsandschani immer die Predigt zum Jerusalem-Tag gehalten. Diesmal wurde ihm das Privileg jedoch entzogen, weil er die Regierung zu häufig kritisiert hatte.

          Bei den Protesten gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl kamen nach Angaben der Opposition mindestens 72 Menschen ums Leben. Die Behörden sprechen von 36 Toten. Es waren die größten Proteste im Iran seit der islamischen Revolution von 1979. Tausende wurden verhaftet, einige Gefangene sollen Reformern zufolge gefoltert worden sein.

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