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Iran : Was schützt uns vor den Raketen?

Zumindest in dieser Zeichnung fängt „Meads” Raketen und Flugzeuge ab Bild:

Was, wenn iranische Ingenieure eines Tages Atomraketen gebaut haben, die tausend Kilometer weit fliegen? Dann wäre man froh, eine hochleistungsfähige Raketenabwehr zu haben. Welche das sein soll, darüber wird gestritten - noch hinter den Kulissen.

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          Vor einer Woche sorgte das iranische Atomprogramm für Aufregung in Deutschland. Aber eher zufällig, weil Irans Außenminister Mottaki die Haltung Teherans im Atomstreit nun mal auf der Sicherheitskonferenz in München dargelegt hatte und nicht auf einem Treffen in Paris oder Washington. Grundsätzlich scheint sich die Angst vor iranischen Raketen in der deutschen Öffentlichkeit in Grenzen zu halten.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Doch was, wenn die Ingenieure von Präsident Ahmadineschad eines Tages Atomraketen gebaut haben, die tausend Kilometer weit fliegen und damit – beispielsweise – auf das Nato-Land Türkei zielen? Dann träte auch für Deutschland der Bündnisfall ein, und alle wären froh, eine hochleistungsfähige Raketenabwehr zu haben. Welche das sein soll, darüber wird gestritten. Noch hinter den Kulissen.

          Deutsche Patriots noch kein einziges Mal eingesetzt

          „Patriot“ oder „Meads“? – so lautet die Frage, die mittlerweile von Politik, Militär und Industrie sehr unterschiedlich beantwortet wird. Außer um den Schutz der Nato und auch Deutschlands geht es um Rüstungsmilliarden, um das transatlantische Verhältnis und – wie sollte es anders sein – um unterschiedliche Meinungen der Koalitionspartner in Berlin.

          Bis zum Sommer vorigen Jahres war die Lage ziemlich eindeutig und stellte sich etwa so dar: Deutschland besitzt 24 Flugabwehrsysteme des Typs Patriot, hergestellt vom amerikanischen Unternehmen „Raytheon“. Patriot wurde in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ersonnen, in den Siebzigern entwickelt, in den Achtzigern beschafft. Die deutschen Patriots mussten noch kein einziges Mal eingesetzt werden. Weil man aber nie weiß, was passiert, überlegte die Politik sich, wie sie der Alterung von Patriot begegnen könne.

          Der erste und einfachere Schritt bestand darin, zwölf der 24 Abschussvorrichtungen technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Die Bundesregierung verkündete im vorigen Sommer, Patriot sei gegenwärtig das leistungsstärkste Luftverteidigungssystem der Nato. Nach der Kampfwertsteigerung könnten ballistische Flugkörper der Reichweitenklasse bis 1000 Kilometer bekämpft werden.

          Allerdings verkündete das Verteidigungsministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage aus dem Bundestag am 3. Juli 2009 noch etwas anderes, sehr Grundsätzliches: Militärisch, technisch und wirtschaftlich sinnvolle Anpassungsmöglichkeiten seien bei Patriot „weitgehend ausgeschöpft“. Damit war klar, dass die Bundeswehr Deutschland oder seine Verbündeten mit diesem Luftverteidigungssystem noch etwa bis zum Jahr 2025 schützen würde, eine weitere Nutzung aber nicht mehr vorgesehen ist.

          Weil man diese Entwicklung schon weit früher vorausgesehen hatte, begann in den neunziger Jahren die Suche nach einem gänzlich neuen Raketenschutz. Von allen Überlegungen blieb das „Medium Extended Air Defense System“, kurz: „Meads“, übrig. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Amerikaner, der Deutschen und der Italiener.

          Washington übernimmt mehr als die Hälfte der Kosten, Deutschland ein Viertel, Italien den Rest von 17 Prozent. Die Befürworter des Projekts loben nicht nur seine technischen Qualitäten wie das bessere Radarsystem und die Möglichkeit, seine „Bausteine“ so zusammenzusetzen, dass es für den jeweils aktuellen Einsatz „maßgeschneidert“ werden kann, sondern weisen auch darauf hin, dass es das derzeit einzige große Rüstungsprojekt mit Amerika sei.

          „Alternativen werden derzeit keine gesehen“

          Meads ist aber noch nicht fertig, wird erst entwickelt. Im Spätsommer soll der große Test stattfinden, ob alles funktioniert wie geplant. Erst danach müssen die teilnehmenden Länder entscheiden, ob und in welchem Umfang sie das System anschaffen wollen.

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