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Iran verweigert Kanzlerin Überflug : Ein Jungfernflug mit Hindernissen

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Beinahe zwei Stunden muss der Airbus „Konrad Adenauer“ auf dem Weg nach Indien über der Türkei kreisen, weil Iran zunächst den Überflug verweigert. Kanzlerin Merkel schläft, als die Diplomaten verhandeln. Günter Bannas war mit an Bord.

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          Wie eine Wiederkehr der aktuellen deutschen Innenpolitik mag es Angela Merkel erschienen sein - fern in Delhi legte der indische Ministerpräsident Singh in der Öffentlichkeit seine Positionen zur Kernenergiepolitik dar. Drei Prozent der Energieversorgung des Landes mache sie aus, 5000 Megawatt Strom würden derzeit von Kernkraftwerken produziert. Im Jahr 2020 aber, also zwei Jahre vor dem Ende der Kernkraft in Deutschland, wolle Indien diese Leistung auf 20.000 Megawatt steigern. Anders auch könnten die Ziele des Klimaschutzes nicht erreicht werden, und mithin müsse Indien die nukleare Option behalten.

          Michael Fuchs, stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender und einer der wenigen innerparteilichen Kritiker des Kurses Frau Merkels, mag sich bestätigt gesehen haben. Als Bundestagsabgeordneter gehörte er der deutschen Delegation an, die zu den ersten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen nach Delhi gereist war. Er hörte die diplomatische Erklärung seiner Parteivorsitzenden, jedes Land entscheide selbst über seinen „Energie-Mix“, und auf den Feldern der „erneuerbaren Energien“ und der „Energieeffizienz“ könnten Indien und Deutschland zusammenarbeiten.

          Offensiv noch hatte Frau Merkel dafür geworben, dass Indien in seinem laufenden Ausschreibungsverfahren dem „Eurofighter“ des europäischen Konsortiums den Zuschlag gebe.

          Offizielles Programm mit zwei Stunden Verspätung:  Der indische Ministerpräsidemt Singh empfängt Kanzlern Merkel in Delhi

          Aller innerdeutschen Debatten und Auseinandersetzungen in der schwarz-gelben Koalition über Kernkraft und innerer Sicherheit zum Trotz hatte Frau Merkel wert darauf gelegt, dass die Reise nach Indien und Singapur nicht verschoben werde. Nur der Abstecher nach Vietnam soll nun im Herbst nachgeholt werden. Beinahe aber hätte sie in Ankara zu landen gehabt.

          Iran verweigert Überflugrechte

          Tief in der Nacht ist es gewesen, gegen zwanzig vor zwei Uhr deutscher Zeit. Im Flugzeug schliefen die Leute. Die „Airshow“ auf den Bildschirmen zeigte an, der Kaukasus sei passiert. Das iranische Täbris mag in Sichtweite gewesen sein, Irans Hauptstadt Teheran wurde angekündigt.

          Noch drei Stunden und vierzig Minuten bis zur Landung in Delhi. Alles schien pünktlich. Zeit genug für die Bundeskanzlerin, sich im Hotel den Gegebenheiten von Regierungskonsultationen anzupassen. Zeit genug für die Referenten, sich ebenfalls vorzubereiten. Landung 8.30 Uhr Ortszeit. Ein Sprung.

          „Wir fliegen im Kreis“

          Innerhalb von Sekunden verlängerte sich die verbleibende Flugzeug um dreißig Minuten. Und dann nochmals um zwanzig Minuten. Und - passend dazu - veränderte sich auch die Richtung des Fluges. Nicht mehr in Richtung Osten ging es, nach Indien, sondern zurück in die Türkei. Das Flugpersonal der Bundeswehr schien nicht viel mehr zu wissen als das: „Wir fliegen im Kreis. Wir kreisen.“ Der Iran, wurde mitgeteilt, habe der Maschine die Überflugrechte, die - wie das international üblich ist - zuvor gewährt worden waren, entzogen. Er habe mitgeteilt, es gebe keine Erlaubnis.

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