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Luftangriffe auf IS-Miliz? : Teherans wachsweiches Dementi

  • -Aktualisiert am

Irakische Sicherheitskräfte und schiitische Milizen in der ostirakischen Provinz Diyala: Von Iran ausgebildet und finanziert Bild: Reuters

Teheran dementiert zwar, dass seine Luftwaffe Angriffe auf Stellungen des „Islamischen Staats“ im Irak geflogen hat. Aber seit Monaten sind von Iran ausgebildete und finanzierte irakische Schiitenmilizen an den Kämpfen gegen die Dschihadisten beteiligt.

          Irans Luftwaffe soll in den vergangenen Tagen Angriffe auf Stellungen des „Islamischen Staats“ (IS) im Irak geflogen haben. Militärangehörige in Teheran widersprachen am Mittwoch zwar Äußerungen des amerikanischen Verteidigungsministeriums, wonach Ziele in der ostirakischen Provinz Diyala mit F-4-Phantom-Kampfflugzeugen bombardiert worden seien. Zudem sei es „vollkommen unwahr“, dass Iran seine Angriffe mit Amerika koordiniert habe, sagte der stellvertretende Generalstabschef Massoud Jazayeri. Doch auch von irakischer Seite wurden die iranischen Angriffe bestätigt. Sie seien vor zehn Tagen erfolgt.

          Auch wenn sich Iran der von den Vereinigten Staaten geführten Allianz gegen den IS nicht angeschlossen hat, bekämpft die Führung in Teheran die sunnitische Terrorgruppe seit dem Sommer mit großer Härte. Von Iran ausgebildete und finanzierte irakische Schiitenmilizen sind neben kurdischen Peschmerga-Kämpfern die wichtigsten Bodentruppen gegen die Dschihadisten. Der Oberkommandierende der iranischen Al-Quds-Brigaden, Qassem Suleimani, koordiniert das Vorgehen der schiitischen Paramilitärs mit der irakischen Armee. Mehrmals ist er seit dem Sommer direkt an den Fronten im Irak gewesen.

          Nach der Eroberung der irakischen Provinzhauptstadt Mossul durch den IS im Juni haben hohe iranische Regierungsmitarbeiter wiederholt mit einer direkten Intervention im Irak gedroht, sollten Einheiten des IS-Führers Abu Bakr al Bagdadis iranisches Territorium angreifen. Bis heute stehen IS-Kämpfer nur dreißig Kilometer von der iranischen Grenze entfernt. Auf der anderen Seite der Grenzstadt Khanaqin leben vor allem sunnitische Iraner, denen Sympathien für die Terrorgruppe nachgesagt werden. Im November ist es irakischen Schiitenmilizen gemeinsam mit Peschmerga-Kämpfern gelungen, mehrere Ortschaften in Diyala vom IS zurückzuerobern.

          Über Bagdad gelangen Informationen nach Teheran

          Seit dem Vormarsch des „Islamischen Staats“ im Sommer hat es immer wieder Gerüchte über eine zumindest indirekte Zusammenarbeit Irans mit Amerika gegeben. Dem widersprach am Dienstag Pentagon-Sprecher John Kirby: Washington koordiniere sein militärisches Vorgehen nicht mit Teheran; es sei Aufgabe der irakischen Führung, Militärschläge gegen die gleichen Ziele zu verhindern.

          Iranische F-4-Phantom-Kampfflugzeuge (während einer Militärparade im April 2010)

          Da der eng mit der iranischen Regierung verbündete irakische Ministerpräsident Haider al Abadi über das amerikanische Vorgehen unterrichtet ist, gelangen Informationen jedoch relativ einfach an Teheran weiter. Auch Syriens Machthaber Baschar al Assad soll westlichen Militärangehörigen zufolge auf diesem Wege über die Pläne Amerikas auf dem Laufenden bleiben.

          Assad nennt Luftschläge „ineffektiv“

          Gegenüber der französischen Zeitschrift „Paris Match“ bezeichnete Assad die Luftschläge in Syrien am Mittwoch unterdessen als „ineffektiv“. Im November hatte er der Anti-IS-Allianz die Unterstützung der syrischen Luftwaffe angeboten. Nun sagte er, dass „Bodentruppen unabdingbar“ seien, „um handfeste Erfolge“ zu erreichen. Diesen Krieg aber führe die syrische Armee, während Amerikas Nato-Verbündeter Türkei den „Islamischen Staat“ weiter „direkt unterstützt“. Auch deshalb seien die Luftschläge nicht „hilfreich“.

          Angesichts der geringen Erfolge der Anti-IS-Allianz könnten die aus Washington gestreuten Berichte über iranische Angriffe auf die Terrorgruppe auch dem Ziel dienen, eine mögliche neue Verhandlungsrunde im Syrien-Konflikt einzuleiten – unter iranischer Beteiligung. Bislang hatte der amerikanische Präsident Barack Obama das stets abgelehnt. In Moskau waren jüngst Vertreter der syrischen Opposition zu Gesprächen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow zusammengekommen. Am Dienstag traf Lawrow mit Syriens Außenminister Walid al Muallim zusammen. Der frühere Vorsitzende der oppositionellen Nationalen Koalition sagte nach seinem Besuch, eine zeitliche Begrenzung der Amtszeit Assads könnte ein Weg sein, in Syrien die Bildung einer Übergangsregierung in die Wege zu leiten.

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