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Iran und Israel : Gerede über günstige Gelegenheiten

Symbolträchtig: Die iranische Armee stellt auf dem Flughafen in Teheran die Ankunft Ayatollah Khomeinis in Iran 1979 nach
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          Bekannte des Chefs des israelischen Militärgeheimdienstes Aviv Kochavi berichten, er schlafe wie ein Kleinkind. Jede Stunde wache er auf und schreie, fügen sie frotzelnd hinzu. In diesen Nächten scheint es das iranische Atomwaffenprogramm zu sein, das israelischen Militärs und Sicherheitsfachleuten den Schlaf raubt. Laut Kochavi bedarf es nur noch der Entscheidung des obersten religiösen Führers Chamenei, damit der Bau der ersten iranischen Atombombe beginnt; technisch verfüge Teheran über praktisch alle Voraussetzungen dafür.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Israelische Politiker haben ihre Zurückhaltung abgelegt, wenn sie über die militärische Option im Atomstreit mit Teheran reden. Der israelische Verteidigungsminister Barak drückte seine Ungeduld jetzt mit den Worten aus: „Spät kann zu spät sein“. Dabei sieht er Israel nicht mehr allein an der vordersten Front. Nach seiner Ansicht gibt es mittlerweile ein „breites globales Einvernehmen“ darüber, dass es nötig ist „zu handeln“, sollten die verschärften Sanktionen gegen das Atomprogramm keine Wirkung zeigen.

          Barak und führende Vertreter des israelischen Sicherheitsapparats nutzten in den vergangenen Tagen die jährliche Herzlija-Konferenz, um ihren Partnern aus Amerika und Europa deutlich zu machen, wie sehr aus ihrer Sicht im Atomkonflikt mit Iran die Zeit drängt. Der amerikanische Verteidigungsminister Panetta wird sich nicht nur deshalb mit den Worten zitieren lassen haben, er halte es für sehr wahrscheinlich, dass die israelische Luftwaffe zwischen April und Juni Iran angreife.

          Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei (links) und Präsident Mahmud Ahmadinedschad (Mitte rechts) beim Freitagsgebet in Teheran
          Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei (links) und Präsident Mahmud Ahmadinedschad (Mitte rechts) beim Freitagsgebet in Teheran : Bild: dpa

          Doch auch in Israel ist unklar, ob die rhetorische Eskalation nicht vor allem dem Ziel dient, die westlichen Partner dazu zu drängen, noch härter gegenüber Iran aufzutreten. Wenn es um konkrete militärische Planungen geht, gibt man sich äußerst wortkarg. Dass sich die israelischen Streitkräfte schon seit Jahren auf einen solchen Militärschlag vorbereiten, ist jedoch kein Geheimnis. Die Erfolgsaussichten schätzt die israelische Führung als gut ein. „Jede Militäreinrichtung in Iran kann getroffen werden“, ist sich der israelische Strategieminister Jaalon sicher.

          Er verweist dabei auf seine Erfahrung als Generalstabschef. Führende Militärs äußern sich ähnlich. Jaalon hofft dabei auf internationale Zusammenarbeit, denn das iranische Atomprogramm ist für ihn eine Bedrohung für die „gesamte freie Welt“: Iran sei dabei, Raketen mit einer Reichweite von bis zu 10.000 Kilometern zu entwickeln, die auch die Vereinigten Staaten erreichen könnten. Die Arbeiten hätten aber durch die Explosion auf einem Militärstützpunkt bei Teheran Ende 2011 einen Rückschlag erfahren.

          Barak: Iran kann in einem Jahr „immun“ gegen Luftangriff sein

          In Israel verspricht man sich offenbar weniger als zuvor von Sabotageakten und anderen Störmanövern westlicher Geheimdienste. In einem langen Gespräch mit Verteidigungsminister Barak gewann der israelische Journalist Ronen Bergman in der vorigen Woche den Eindruck, dass sich dieser und die maßgeblichen Militärs und Geheimdienstler bereits für einen Militärschlag im Jahr 2012 entschieden haben. Israel bleibe nach Baraks Einschätzung weniger als ein Jahr, bis Iran die „Immunitätszone“ erreiche, schrieb Bergman in der Zeitung „New York Times“. Dann verfüge Teheran über genug Rohmaterial, Fachwissen und Bunkeranlagen, um gegen einen Luftangriff „immun“ zu sein.

          Gleichzeitig nehmen in Israel die Sorgen vor der Reaktion Irans und seiner Verbündeter auf eine Militäraktion ab. Meir Dagan, der frühere Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, warnt zwar unablässig vor einem regionalen Krieg. Mittlerweile werden aber andere Szenarien für möglich gehalten: Nach der Arabellion kann sich Iran demnach nicht mehr darauf verlassen, dass seine wichtigsten Verbündeten diesen Vergeltungsschlag mit der erhofften Härte ausführen.

          Vor allem die libanesische Hizbullah und die palästinensische Hamas haben nach dieser Denkschule andere Prioritäten. Hizbullah-Führer Nasrallah wolle am Ende seine Miliz als politische Kraft im Libanon etablieren und werde deshalb keinen offenen Krieg mit Israel riskieren. Die Hamas habe längst damit begonnen, von Teheran abzurücken und sich in der arabischen Welt in Kairo, Ankara und Teheran neue Verbündete zu suchen. Iran unterstützt deshalb schon seit mehr als einem Jahr die kleinere und radikalere Gruppe „Islamischer Dschihad“. Syrien ist wegen des Aufstands gegen Präsident Assad geschwächt und stark mit sich selbst beschäftigt.

          Schwächung Irans bietet „enorme Gelegenheit“

          Auf dem Umweg über Damaskus sehen einige Israelis die Chance, Iran einen schweren Schlag zu versetzen, weil Syrien der letzte arabische Verbündete Teherans ist. Für den früheren Mossad-Chef Efraim Halevy ist das Nachbarland Israels „Irans Achillesferse“. Israel und der Rest der Welt sollten Iran dort „rausschmeißen“. In Damaskus ist Teheran nach Ansicht des ehemaligen Mossad-Chefs besonders verletzbar, und eine solche Schwächung Irans biete eine „enorme Gelegenheit“. Nicht nur Halevy hofft, dass derartiger Druck zusammen mit verschärften Sanktionen das iranische Mullah-Regime noch rechtzeitig zu der Einsicht verhilft, dass das militärische Atomprogramm dem Land stärker schade als nutze.

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