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Konflikt in Straße von Hormuz : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

  • Aktualisiert am

Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“ Bild: Stena Bulk/AP/dpa

Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormuz fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

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          Iran hat am Freitag innerhalb kurzer Zeit zwei Öltanker in der Straße von Hormuz aufgebracht. Nach der unter britischer Fahne fahrenden „Stena Impero“ wurde auch ein unter liberischer Flagge fahrender Tanker in Richtung Iran abgedrängt. Dabei handelte es sich um die „Mesdar“ der britischen Norbulk Shipping UK. Mittlerweile habe Iran die „Mesdar“ wieder freigegeben, teilte die Reederei am Freitagabend mit.„Die Festsetzungen sind inakzeptabel“, sagte Außenminister Jeremy Hunt. Noch am Abend trat in London nach Medienberichten der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) zu Beratungen zusammen.

          Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach eigenen Angaben den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormuz gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Der Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, hieß es auf dem Internetportal der Revolutionsgarden.

          Der Tanker sei in Richtung Küste gebracht worden, um die notwendigen rechtlichen Prozesse zu durchlaufen, berichtete der iranische Auslandssender Press TV. Nach Angaben der Behörden der südiranischen Hormuzgan Provinz wurde das britische Schiff zum Hafen der Provinzhauptstadt Bandar Abbas eskortiert. Dort werden die notwendigen Inspektionen durchgeführt. Der Tanker hatte seine GPS ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormuz, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, eingefahren und damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert. Dies sei gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem soll der Tanker auch umweltschädigende Materialien am Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht werden.

          Kein Kontakt zur Besatzung des Schiffs

          Das Schiff gehört der schwedischen Firma „Stena Bulk“. Das Unternehmen bestätigte den Zwischenfall und teilte mit, dass sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber der „Stena Impero“ genähert hatten, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befunden habe.

          Das Unternehmen habe derzeit keinen Kontakt zur Besatzung des Schiffes. An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. Schwedische Besatzungsmitglieder sollen sich Medienberichten zufolge nicht an Bord befinden. Es gebe keine Nachrichten über Verletzte, teilte das Unternehmen mit. Man stehe in engem Kontakt zu den britischen Behörden. Das Schiff fahre inzwischen nach Norden in Richtung Iran.

          Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die „Stena Impero“ gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormuz passiert hatte. Das Schiff war vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus auf dem Weg in Richtung Al-Dschubail in Saudi-Arabien. Zuletzt zeigten die Daten, dass sich das Schiff in Richtung der iranischen Insel Keschm befand.

          Der Konflikt zwischen Amerika und Iran hat sich in den vergangenen Monaten immens verschärft. Präsident Donald Trump hatte erst am Donnerstag in Washington erklärt, eine iranische Drohne sei in der Straße von Hormuz von einem amerikanischen Kriegsschiff aus zerstört worden. Sie sei der „USS Boxer“ bedrohlich nahe gekommen und daraufhin vernichtet worden. Teheran widersprach. „Wir haben weder in der Straße von Hormuz noch anderswo eine Drohne verloren“, schrieb Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Freitag auf Twitter.

          Amerika wirft Iran eskalierendes Verhalten vor

          Die Handelsschifffahrt wurde massiv in den Konflikt hineingezogen. Bereits im Mai hatte es erste Berichte über Sabotageakte gegen Handelsschiffe im Golf von Oman gegeben. Mitte Juni kam es dann zu mutmaßlichen Angriffen auf den japanischen Frachter „Kokuka Courageous“ und die zu einer norwegischen Reederei gehörende „Front Altair“, beide Schiffe trugen Schäden davon. Die „Front Altair“ geriet nach Explosionen in Brand, auch der Betreiber der „Kokuka Courageous“ berichtete von zwei Detonationen. Amerika und auch die britische Regierung waren zu dem Schluss gekommen, dass Iran hinter den Vorfällen steckte. Iran wies das zurück.

          In der vergangenen Woche hatte dann ein Zwischenfall mit einem britischen Tanker weitere internationale Besorgnis ausgelöst. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, ein britisches Handelsschiff an der Durchfahrt der Meerenge zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein.

          Erst am vergangenen Wochenende hatten die Iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben ein ausländisches Schiff in der Region festgesetzt. Der Öltanker „Riah“ sei mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormuz gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder festgenommen worden. Der Einsatz sei im Einklang mit dem Kampf des Irans gegen Ölschmuggel im Persischen Golf erfolgt und vorab mit den zuständigen Behörden und der Justiz koordiniert worden. Unklar ist, wem das Schiff gehört. Die VAE bestritten, dass es von einem Unternehmen aus den Emiraten betrieben werde.

          Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormuz, ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer und hat entscheidende Bedeutung für den internationalen Öltransport.

          Amerika warf Iran ein eskalierendes Verhalten gegenüber Großbritannien vor. „Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Kräfte einen britischen Öltanker beschlagnahmt haben“, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Garrett Marquis. „Das ist das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass das Vereinigte Königreich Ziel eskalierender Gewalt durch das iranische Regime ist.“ Amerika würde weiterhin mit seinen Verbündeten zusammenarbeiten, „um unsere Sicherheit und Interessen gegen das bösartige Verhalten des Iran zu verteidigen“, fügte er hinzu.

          Unter dem Vorwurf illegaler Öllieferungen an Syrien liegt seit Anfang des Monats in Gibraltar ein Supertanker an der Kette. Die Öllieferung aus Iran soll gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen. Iran protestierte gegen die Beschlagnahme, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen.

          Am Dienstag drohte der oberste iranische Führer Großbritannien mit Konsequenzen. Ein Gericht in Gibraltar hatte zuvor entschieden, dass der iranische Supertanker „Grace 1“ dort noch weitere 30 Tage bis zum 15. August festgehalten werde soll. Der Kapitän und drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, aber inzwischen wieder gegen Kaution freigelassen.

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