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Iran : Schüsse bei Massenprotest in Teheran

Mussawi zeigt sich zum ersten Mal nach der Wahl in der Öffentlichkeit Bild: AFP

Hunderttausende Iraner haben am Montag gegen die Bestätigung von Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad im Amt protestiert. Nach verschiedenen Agenturberichten sind dabei Schüsse gefallen.

          Hunderttausende Iraner haben am Montag drei Tage nach der Präsidentenwahl friedlich gegen die Bestätigung von Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad im Amt protestiert. Sie zogen am späten Nachmittag in einem Schweigemarsch zum Azadi-Platz in der Hauptstadt Teheran, auf dem traditionell die großen Kundgebungen stattfinden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Polizei griff trotz des Verbots der Kundgebung durch das Innenministerium zunächst nicht ein. Am Abend fielen dann aber nach einem Bericht des Staatsfernsehens Schüsse. Anwohner berichteten, nach Einbruch der Dunkelheit seien in den Vierteln Velendschak, Dschordan und Darus wiederholt Schüsse zu hören gewesen. „Es gab vereinzelt Schüsse da draußen, ich kann sehen, wie Menschen davonlaufen“, sagte ein Reporter des iranischen englisch-sprachigen Senders „Press TV“ nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters.

          Nach Angaben eines AP-Fotografen wurde mindestens ein Mensch getötet, mehrere weitere wurden schwer verletzt. Die offiziellen Sicherheitskräfte hielten sich zurück, dennoch wurde ein Demonstrant von Schüssen getötet. Als sich die Menge nach Einbruch der Dunkelheit aufzulösen begann, versuchte eine Gruppe Demonstranten, das Gebäude einer mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehenden Freiwilligenmiliz am Rand des Platzes in Brand zu stecken und zu stürmen. Daraufhin gaben Personen in dem Gebäude Schüsse auf die Demonstranten ab. Nach Angaben eines AP-Fotografen wurde ein Mensch getötet, mehrere weitere wurden schwer verletzt.

          Zehntausende auf der Straße: Teheran am Montag

          Die Deutsche Presseagentur berichtet von mindestens zwei durch Schüsse verletzten Demonstranten. Sie beruft sich ebenfalls auf Fotografen, die Bilder der Verletzten vorlegen könnten. Die Demonstranten seien in nahe Krankenhäuser gebracht worden. Sie hätten auch Bilder von Blutspuren, die zwei andere verletzte Demonstranten hinterlassen hätten. Unklar war, ob das Blut von Schusswunden stammt. Die Demonstranten protestierten gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug und dagegen, dass Ahmadineschad zum Sieger erklärt wurde. Sie zeigten Bilder des nach offiziellen Angaben Ahmadineschad deutlich unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mussawi.

          Chatami will angeblich Neuwahl erzwingen

          Dieser hatte wegen des Verbots durch das Innenministerium die Kundgebung zunächst abgesagt. Nachdem in vielen Ländern Kundgebungen vor iranischen Botschaften und auch in anderen iranischen Städten angekündigt waren, entschied er sich aber, doch an der Großkundgebung festzuhalten.

          In seinem Aufruf hatte er sich auch an die ethnischen und religiösen Minderheiten gewandt. Erstmals in Iran wurden in einer solchen Liste ausdrücklich die Bahai genannt. Mussawi wandte sich an die Menge. Er war seit Freitag nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Augenzeugen berichteten, auch der frühere Staatspräsidenten Chatami, der Mussawi unterstützt hatte, sowie der reformorientierte Geistliche Karrubi, der bei der Wahl ebenfalls kandidiert hatte, seien in der Menge gesehen worden.

          Chatami wolle durch seine Proteste eine Neuwahl erzwingen, erklärte dessen Bruder. Angesichts der anhaltenden Proteste gegen den Wahlausgang hat der religiöse Führer Ajatollah Chamenei eine Prüfung der Wahlergebnisse angeordnet. Er habe den Wächterrat beauftragt, die Betrugsvorwürfe des unterlegenen Kandidaten Mussawi „genau“ zu prüfen, sagte Chamenei am Montag.

          Weiter 200 Personen in Haft

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