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Iran : Rätselhafter Präsident

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Welchen politischen Kurs wird der neue Präsident Ahmadineschad einschlagen? Darüber rätseln auch die Iraner. Politisch gilt er als unbeschriebenes Blatt. Es ranken sich böse Gerüchte um den streng gläubigen Chef der Exekutive, der am Samstag vereidigt wird.

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          Der Palast Sadabad im Norden Teherans, wo einst der „König aller Könige, Schah von Persien“ die Großen die Welt empfing, wartet nun auf den Sohn eines armen Schmieds aus Garmsar, einer Stadt tief in der Provinz. In das prunkvolle Gebäude wird Mahmud Ahmadineschad nun als sechster Präsident der Islamischen Republik einziehen. Der kleingewachsene Mann mit Doktortitel wird an diesem Mittwoch vereidigt.

          Seit Wochen rätseln die Iraner, welchen politischen Kurs der neue Staatschef, der mit 17 Millionen Stimmen gewählt wurde, einzuschlagen gedenkt. Denn der Chef der Exekutive für die nächsten vier Jahre ist für die meisten Iraner, selbst für seine Wähler, ein unbeschriebenes Blatt. Hätte man in einer iranischen Großstadt vor zwei Monaten einen Passanten nach Ahmadineschad gefragt, hätte man die Antwort bekommen: „Wer ist das?“ Nur in Teheran, wo er seit zwei Jahren Bürgermeister war, kannte man den fleißigen Mann aus Garmsar. „Er ist ein Nobody“, sagt Chaschajar Deihimi, ein bekannter Autor und Übersetzer.

          Ein Sohn des Volkes

          Deihimi gehört zu jenen iranischen Intellektuellen, die an den Wahlen teilgenommen haben. In der ersten Runde stimmte er für Mostafa Moin, den Kandidaten der Reformer, bei den Stichwahlen für den ehemaligen Präsidenten Rafsandschani. „Seit dem Sieg von Ahmadineschad ist mein Büro zu einer Therapiepraxis geworden“, sagt der Übersetzer von politikwissenschaftlichen Büchern aus dem Englischen. „Alle meine depressiven Kollegen kamen hierher und suchten bei mir Trost“, sagt der rundliche Mann mit erstaunlicher Gelassenheit.

          Ahmadineschad: Viele Fragen an den Fundamentalisten
          Ahmadineschad: Viele Fragen an den Fundamentalisten : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Sozialer Neid der Armen, aber vor allem des Mittelstands auf die Reichen sei das Geheimnis des Wahlsiegs von Ahmadineschad, sagt Deihimi. „Wer einen kleinen Peugeot fährt, haßt den Mercedesfahrer, denn er findet es ungerecht.“ Ahmadineschad hatte „Gerechtigkeit“ auf seine Fahne geschrieben. Er ist ein Sohn des Volkes und kennt die Befindlichkeit der einfachen Menschen. Außerdem weiß er, daß auf der Pyramide der islamischen Werte der Gerechtigkeit höher steht als die Freiheit. Mit dem Mann im abgetragenen schwarzen Anzug, der im Fernsehen auf alle Fragen eine Antwort parat hatte, identifizierten sich Millionen Iraner. Während andere Kandidaten von Demokratie, Menschenrechten und Pluralismus sprachen, redete er von Arbeit und Brot. Er schimpfte auf die Reichen, die ohne zu arbeiten in Saus und Braus leben - ein Populist mit leisen Tönen.

          „Lauter Nobodies“

          Gerüchte, nach denen der einstige Revolutionswächter eigenhändig eintausend politischen Gefangenen den Gnadenschuß gegeben habe, interessierte das einfache Volk kaum. Auf die zunehmende Kluft zwischen Reichen und Armen hat Ahmadineschad seine Wahlkampagne aufgebaut und gewonnen. Es solle auch „Doping“ für Ahmadineschad gegeben haben, wie Said Hadscharian, ein Vordenker der Reformer, die Wahlbetrügereien umschreibt. Die Revolutionswächter und paramilitärischen Basidschi sollen ihrem einstigen Mitkämpfer geholfen haben. Ahmadineschad war Oberkommandant der Panzerbrigaden im Westen des Landes während des Irak-Iran-Krieges in den achtziger Jahren.

          Derweil nahm nach langwierigen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen die Kabinettsliste Gestalt an. Viele der Namen, die zuletzt für einen Ministerposten im Gespräch waren, kennt niemand. „Lauter Nobodies“, wie Deihimi, der Übersetzer, sagt. Der einzige einigermaßen bekannte Namen ist Ali Laridschani, der frühere Chef des iranischen Rundfunk und Fernsehens. Er wurde vom Präsidenten nach Agenturberichten für das Amt des Außenministers nominiert. Laridschani, Sohn eines angesehenen Ajatollahs aus dem Norden, gehört zu den radikalsten Islamisten, auch wenn er sich zur Zeit recht moderat gibt.

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