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Teheran macht Drohungen wahr : Iran greift Militärstützpunkte im Irak an

  • -Aktualisiert am

Der Luftwaffenstützpunkt Ain Al Asad im Irak im November 2017 Bild: dpa

Ein iranischer Vergeltungsangriff auf internationale Militärstützpunkte im Irak, die auch von Amerikanern genutzt werden, schürt die Angst vor einer weiteren Eskalation. Die Angaben beider Seiten über Opfer widersprechen einander.

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          In der amerikanischen Regierung hatte man mit der Aktion gerechnet. Am Dienstagabend bestätigten sich die Einschätzungen: Zwei von internationalen Truppen genutzte Stützpunkte im Irak sind nach amerikanischen Angaben von Iran mit Raketen angegriffen worden. Kurz nach den ersten Meldungen am Dienstagabend Washingtoner Zeit eilten Außenminister Mike Pompeo, Verteidigungsminister Mark Esper und General Mark Milley, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, zu Beratungen ins Weiße Haus.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Stephanie Grisham, die Sprecherin des Präsidialamtes, teilte mit, man habe Kenntnis von den Berichten über Angriffe auf amerikanische Einrichtungen im Irak. Das bezog sich auf das iranische Staatsfernsehen, das am frühen Mittwochmorgen nahöstlicher Zeit gemeldet hatte, man habe aus Vergeltung für die Tötung von General Qassem Soleimani zurückgeschlagen.

          Die iranischen Revolutionsgarden teilten in propagandistischer Manier mit, bei der „Operation Märtyrer Soleimani“ sei der Luftwaffenstützpunkt Al Asad „vollständig zerstört“ worden. Der Angriff „Operation Märtyrer Soleimani“ auf die „von den Amerikanern besetzte“ Basis sei „in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“. Der Angriff sei mit ballistischen Boden-Boden-Raketen erfolgt.

          Trump auf Twitter: „Alles ist gut“

          Das Pentagon teilte mit, es sei klar, dass die Raketen von iranischem Staatsgebiet abgeschossen worden seien. Zwei auch von amerikanischen Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak seien von mehr als einem Dutzend Raketen getroffen worden: der Luftwaffenstützpunkt Al Asad im Zentralirak und eine Basis im kurdischen Arbil. Noch arbeite man an „ersten Einschätzungen der Schäden“, hieß es im amerikanischen Verteidigungsministerium. Zu möglichen Opfern wurden offiziell keine Angaben gemacht.

          Der Sender CNN meldete, es gebe nach vorläufigen Informationen keine amerikanischen Opfer. Dagegen vermeldete das iranische Staatsfernsehen, dass die Angriffe 80 Todesopfer gefordert hätten. Das Fernsehen sprach von getöteten „amerikanischen Terroristen“. Außerdem seien Hubschrauber und militärische  Ausrüstung des amerikanischen Militärs schwer beschädigt worden, hieß es weiter. Insgesamt seien 15 iranische Raketen abgeschossen worden. Keine davon sei abgefangen worden, so das Staatsfernsehen.

          Die Bundeswehrsoldaten in Arbil sind bei dem dortigen Raketenangriff nicht zu Schaden gekommen. Den Soldaten „geht es gut“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr der Nachrichtenagentur AFP.

          Iran spricht von Selbstverteidigung

          Die iranischen Revolutionsgarden warnten nach den Angriffen den „großen Satan“ Amerika vor Gegenangriffen. Jede Reaktion werde mit einer härteren Reaktion erwidert, schrieben die iranischen Revolutionsgarden am frühen Mittwoch in einer Erklärung. Weiter äußerten sie, die Verbündeten Amerikas wüssten, dass auch ihre den Amerikanern zur Verfügung gestellten Stützpunkte Ziel iranischer Angriffe werden könnten, falls von dort aus Angriffe auf den Iran erfolgen sollten, hieß es in der Erklärung weiter. Die Vereinigten Staaten sollten ihre Truppen abziehen, damit deren Leben nicht gefährdet werde.

          Später äußerte der iranische Außenminister Dschawad Sarif auf Twitter: Sein Land habe verhältnismäßige Schritte zur Selbstverteidigung unternommen und abgeschlossen – gemäß Artikel 51 der UN-Charta. „Wir streben keine Eskalation an, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen.“

          Kurz darauf schrieb der amerikanische Präsident Donald Trump auf Twitter: „Alles ist gut.“ Raketen vom Iran seien in zwei Militärbasen eingeschlagen, zurzeit finde eine Schadenbilanz statt. „So weit, so gut“, schrieb er. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) werde er eine Erklärung abgeben.

          Republikaner äußerten die Hoffnung, Teheran sende das Signal, dass das Regime tatsächlich keine Eskalation wolle. CNN meldete, in den Basen seien die amerikanischen Quartiere nicht getroffen worden.

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