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Iran : Laridschani macht CIA und Mossad für Anschlag verantwortlich

  • Aktualisiert am

Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani Bild: AP

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani hat dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA und dem israelischen Geheimdienst vorgeworfen, hinter dem Anschlag auf einen bekannten iranischen Atomphysiker zu stecken.

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          Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani hat dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA und dem israelischen Geheimdienst vorgeworfen, hinter dem Anschlag auf einen bekannten iranischen Atomphysiker zu stecken. Teheran habe in den Tagen vor dem Anschlag „eindeutige“ Informationen erhalten, wonach der israelische Geheimdienst mit Hilfe der CIA eine „terroristische Aktion“ in Teheran plane, wurde Laridschani am Mittwoch von der iranischen Nachrichtenagentur Isna zitiert. Es sei den Geheimdiensten möglicherweise darum gegangen, für Unruhe und Spannungen unter den Wissenschaftlern zu sorgen und der Atomforschung des Iran zu schaden.

          Der Atomwissenschaftler Masud Ali Mohammadi war am Dienstag in Teheran durch einen ferngezündeten Sprengsatz an einem Motorrad getötet worden. Laut der Nachrichtenagentur Fars war der 50 Jahre alte Forscher ein Fachmann für Teilchenphysik. Er habe mehrere Jahre mit den iranischen Revolutionsgarden zusammengearbeitet. Sein Name fand sich aber auch auf einer Unterstützerliste für Oppositionschef Mir Hussein Mussawi. Irans Außenministerium hatte Israel, den Vereinigten Staaten und seinen „Söldnern“ bereits kurz nach dem Anschlag vorgeworfen, hinter dem Angriff zu stecken. Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums wies die Beschuldigung als „absurd“ zurück.

          Washington weist Vorwürfe als „absurd“ zurück

          Bereits unmittelbar nach dem Anschlag hatte die iranische Führung den Vereinigten Staaten und Israel vorgeworfen, seine Atomwissenschaftler gezielt zu „eliminieren“. Erste Ermittlungen nach dem Mord an Mohammadi hätten gezeigt, „dass die USA, das zionistische Regime (Israel) und deren Söldner in diesen terroristischen Akt verwickelt sind“, hieß in einer Erklärung des Außenministeriums in Teheran. Medienberichten zufolge war der an einem Motorrad versteckte Sprengsatz in der Nähe seines Hauses explodiert.

          Spurensuche: am Ort des Anschlags in Teheran am Dienstag

          Unklar war, ob Ali Mohammadi am umstrittenen iranischen Atomprogramm arbeitete. Die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder werfen Teheran vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomenergie an der Entwicklung von Kernwaffen zu arbeiten.

          Am Morgen, noch vor dem Anschlag auf Ali-Mohammadi, hatte die iranische Führung Washington vorgeworfen, den Streit um das iranische Atomprogramm eskalieren zu lassen. Mit scharfen Worten reagierte Teheran auf Äußerungen des amerikanischen Generals David Petraeus über „Notfallpläne“ für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen. „Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern“, erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums.

          Volksmudschaheddin unter Verdacht

          „Die Ausschaltung unserer Atomwissenschaftler wird den technologischen Fortschritt unseres Landes bestimmt nicht (negativ) beeinflussen, eher beschleunigen“, sagte Teherans Außenamtssprechers Ramin Mehmanparast nach der Tat. Auch der iranische Chef-Ankläger Abbas Dschafari Dolatabadi beschuldigte Amerika und Israel, bei der Ermordung des Physik-Professors die Hände im Spiel gehabt zu haben.
          Der stellvertretende Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Gordon Duguid, bezeichnete die Vorwürfe aus Teheran als „absurd“. Die Anschuldigungen seien völlig aus der Luft gegriffen, sagte er in Washington.

          Teheran macht die Vereinigten Staaten, Israel und „ihre Agenten“ immer wieder für Anschläge und Angriffe oder unliebsame Vorkommnisse im eigenen Land verantwortlich, ohne dabei jedoch Beweise zu liefern. Als Söldner oder Agenten wird meist die iranische Oppositionsgruppe Volksmudschahedin bezeichnet, die das Mullah-Regime bekämpft.

          Die Volksmudschaheddin dementierten jede Verantwortung für den Anschlag. In einer Erklärung hieß es, der „im Iran regierende Faschismus“ verfolge seine eigenen politischen Ziele und versuche „nicht zum ersten Mal“, dem Widerstand die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Die Volksmudschahedin hätten mit diesem Mord „nichts zu tun“.

          Widersprüche über politische Zugehörigkeit Mohammadis

          Auch der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Elieser sagte voraus, dass sein Land sicherlich mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden würde. „Aber ich habe keine Ahnung, was passiert ist, wer es getan hat, aber ich nehme auch an, dass wir es nicht waren“, sagte er im israelischen Rundfunk.
          Der Tatort im Norden Teherans wurde zur Spurensuche von der Polizei abgeriegelt, die Leiche Ali Mohammadis zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin gebracht. Anwohner berichteten, dass ihnen zunächst untersagt worden sei, ihre Häuser zu verlassen. Festnahmen gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst nicht.

          Widersprüche tauchten im Zusammenhang mit der politischen Orientierung des getöteten Professors auf. Während Ali Mohammadi von der Staatsanwaltschaft als loyal und regierungstreu eingestuft wurde, wurde auf einer oppositionellen Website behauptet, der Physiker sei ein Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gewesen.

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