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Iran : Laridschani auf Kurs

Ali Laridschani Bild: dpa

Ali Laridschani ist nach der Parlamentswahl der Favorit für die iranische Präsidentenwahl 2013. Präsident Ahmadineschad wurde regelrecht demontiert. Anders als Ahmadineschad ist Laridschani ein kluger Intellektueller.

          Mit der Parlamentswahl ist Ali Laridschani seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Bei der Präsidentenwahl von 2005 war er Mahmud Ahmadineschad noch klar unterlegen, und in den folgenden Jahren bekämpften sich die zwei erbittert. Jetzt ist er jedoch der große Favorit für die Präsidentenwahl im Juni 2013. Selbst wenn Ahmadineschad ein drittes Mal antreten dürfte, hätte er wohl kaum mehr eine Chance. Denn in der Parlamentswahl wurde der Präsident regelrecht demontiert. Nur wenige seiner Anhänger schafften den Sprung ins Parlament, wo in den kommenden vier Jahren drei Viertel der Abgeordneten loyal zum Revolutionsführer Ali Chamenei sein werden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als Sprecher hat Laridschani bislang dem Parlament vorgestanden. Mit überwältigender Mehrheit wurde er in seinem Wahlkreis Qom wiedergewählt. In den nächsten Tagen wird er den Präsidenten vorladen. Das hat es in der Geschichte der 1979 gegründeten Islamischen Republik noch nicht gegeben. Nun liegt es in Laridschanis Hand, ob das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten wird. Der ist wegen seiner Wirtschaftspolitik und wegen seines Aufbegehrens gegen Chamenei zunehmend unpopulär. Laridschani hingegen führt die Gruppe der „Prinzipalisten“ an, die an den Prinzipien der Revolution festhält und bedingungslos loyal zu Chamenei ist. Als Präsident würde er Chameneis Autorität nicht herausfordern wie das Ahmadineschad zuletzt getan hatte.

          Nicht weniger hart in der Sache als Ahmadineschad

          Anders als der Populist und Orator Ahmadineschad ist Laridschani ein kluger strategischer Intellektueller, aber auch ein reichlich langatmiger Redner. Chamenei vertraut aber dem 1958 im irakischen Nadschaf geborenen Sohn eines Ajatollahs, der vor dem Schah aus Iran hatte fliehen müssen. Chamenei, der das letzte Wort in der Atom- und der Außenpolitik hat, hört auf seinen Rat. So berief er ihn 2005 zum Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats und damit zum Chefunterhändler bei den Verhandlungen im Atomdossier. Dabei ist Laridschani zwar nicht weniger hart in der Sache als Ahmadineschad, aber geschmeidiger im Ton und pragmatischer im Vorgehen.

          Die Laridschanis gelten in Iran als die Intellektuellenfamilie der Republik. Sein Bruder Sadegh ist Chef der Justiz, der Bruder Mohammad, ein in Kalifornien promovierter Mathematiker, stand in Teheran dem Institut für theoretische Physik vor, und der Bruder Bagher ist Kanzler der Universität Teheran. Ali Laridschani teilt wiederum mit vielen Iranern ein Interesse an europäischer Philosophie. Zunächst hatte er in Teheran Mathematik und Computerwissenschaft studiert, danach wurde er in Philosophie promoviert. Er publizierte mehrere Bücher, eines über Immanuel Kant. Die Revolution von 1979 führte ihn in die Politik. Er war stellvertretender Arbeitsminister, stellvertretender Minister für Informationstechnologie, Minister für Kultur und schließlich von 1994 bis 2004 Chef des staatlichen Fernsehens IRIB, wo seine Programmwahl maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich immer mehr Iraner anderen Informationsquellen zuwandten.

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