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Nach Stopp der „Stena Impero“ : Großbritannien will seine Handelsschiffe in Straße von Hormuz eskortieren

  • Aktualisiert am

Um Fälle wie Festsetzung der „Stena Impero“ künftig zu verhindern, sollen britische Schiffe vom britischen Militär eskortiert werden. Bild: AP

Handelsschiffe unter britische Flagge sollen in der Meerenge künftig durch die britische Marine abgesichert werden. Iran hat indes die Seeschifffahrts-Organisation über die angeblichen Verstöße der „Stena Impero“ informiert.

          Die britische Marine soll ab sofort Handelsschiffe unter britischer Flagge durch die Straße von Hormuz eskortieren. Die Regierung Großbritanniens reagiert mit dieser Entscheidung vom Donnerstag auf die Festsetzung eines britischen Tankers in der Meerenge im Arabischen Golf vergangenen Freitag durch iranische Schnellboote. Bislang hatte die Regierung in London den Standpunkt vertreten, nicht genügend Ressourcen für eine militärische Absicherung jedes britischen Schiffes in den Gewässern um die ölreichen arabischen Staaten zu haben.

          Die Entscheidung, nun doch jedem britischen Schiff militärischen Schutz zu gewähren, geht nicht auf den neuen Premierminister Boris Johnson zurück. Nach Angaben eines Regierungsmitarbeiters sind die Pläne in den vergangenen Tagen gewachsen.

          Derweil hat Iran die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in London über die angeblichen Verstöße des beschlagnahmten britischen Tankers im Persischen Golf informiert. In dem iranischen Bericht an die UN-Organisation stehe, dass die „Stena Impero“ auf der falschen Richtungsspur von Süden aus in die Straße von Hormuz eingefahren sei und eine Kollusion mit einem iranischen Fischereischiff verursacht habe, schrieb der iranische Botschafter in London, Hamid Baedinedschad, am Donnerstag auf Twitter. Außerdem habe der Tanker sein GPS ausgeschaltet gehabt.

          Westliche Staaten wollen sich zu Schutzmaßnahmen beraten 

          Diese Vorwürfe hatte Iran schon erhoben, nachdem der Tanker am Freitag vergangener Woche von den iranischen Revolutionsgarden gestoppt und festgesetzt worden war. Das Schiff ist derzeit im Hafen der Stadt Bandar Abbas. Der Vorfall sorgte für eine diplomatische Krise zwischen Teheran und London. Die britische Regierung sprach von einem Akt „staatlicher Piraterie“. Die „Stena Impero“ gehört zur schwedischen Stena Bulk, sie fährt allerdings unter britischer Flagge.

          Zur Beilegung des Tankerstreits mit Großbritannien hat Irans Präsident Hassan Ruhani einen Austausch mit einem von Großbritannien am 4. Juli in Gibraltar festgesetzten Tanker mit iranischem Öl an Bord angeregt. Die Briten argumentieren, der Tanker habe Erdöl für Syrien an Bord, was gegen EU-Sanktionen verstoße. Ruhani betonte, Iran wolle keinen Konflikt mit den Briten und anderen Europäern am Persischen Golf. Wenn sich die Briten in Gibraltar an die Vorschriften hielten und den Tanker freigeben würden, werde auch Iran angemessen reagieren, hatte Ruhani am Mittwoch gesagt.

          Zu der Krise am Golf war es gekommen, nachdem die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr aus dem internationalen Atomabkommen ausgestiegen waren und nach und nach wieder äußerst scharfe Sanktionen vor allem gegen den iranischen Öl-Sektor verhängten. Iran hielt sich dennoch ein weiteres Jahr an den Vertrag, der den Bau einer iranischen Atombombe verhindern soll. Seit Juni verstößt jedoch auch Teheran gegen alle Bestimmungen des Vertrages.

          Diesen Donnerstag wollten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und andere westliche Staaten in Florida Maßnahmen zum Schutz der Seefahrt in der Region beraten. Großbritannien hatte einen Einsatz unter europäischer Leitung vorgeschlagen. Aus Sicht der Bundesregierung ist es noch zu früh, um zu beraten, wie sich Deutschland an einem derartigen Einsatz beteiligen könnte. Einen Bericht des RedaktionsNetzwerk Deutschlands, Außenminister Heiko Maas (SPD) hätte in einer Sondersitzung des Verteidigungsausschuss angekündigt, Deutschland wolle sich beteiligen, dementierte das Auswärtige Amt. Mit Blick auf die Konsultationen mit Großbritannien und Frankreich sagte der Sprecher weiter: „Forderungen nach einer deutschen militärischen Beteiligung waren bisher nicht Gegenstand dieser Gespräche.“

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