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Als Jugendlicher verurteilt : Vereinte Nationen entsetzt über Hinrichtung in Iran

  • Aktualisiert am

Der iranische Präsident Hassan Rohani Bild: dpa

Kurz vor dem offiziellen Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Rohani rückt die Menschenrechtslage in Iran wieder einmal in den Fokus: Jetzt wurde ein junger Mann Opfer des repressiven Justizsystems.

          Die Vereinten Nationen sind schockiert über die Hinrichtung des jungen Iraners Alireza Tajiki. „Ich bin zutiefst erschüttert“, sagte Asma Jahangir, UN-Sonderberichterstatterin zur Menschenrechtslage in Iran, am Freitag in Genf. Tajiki war demnach zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten im Jahr 2012 erst 15 Jahre alt.

          Nach UN-Angaben wurde das Todesurteil am Donnerstag vollstreckt – trotz wiederholter Proteste von UN-Menschenrechtsexperten. Es gebe Hinweise, dass Tajiki während der Haft gefoltert worden sei. Einen fairen Prozess habe er nicht erhalten, sagte Jahangir. Tajiki war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wegen Mordes und Vergewaltigung eines Mannes zum Tode verurteilt worden.

          Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), hatte sich bereits am Mittwoch besorgt über die drohende Hinrichtung geäußert. „Es gibt beträchtliche Zweifel, dass das Verfahren rechtsstaatlichen Prinzipien genügt hat“, erklärte Kofler. Wie Amnesty International berichtete, hatte Tajiki erklärt, ihm seien unter Folter „Geständnisse“ abgepresst worden.

          Iran habe sowohl die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes als auch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert, erklärte Kofler. Beide verbieten die Hinrichtung von Menschen, die zum Tatzeitpunkt minderjährig waren.

          Amnesty International hatte die Hinrichtung als „schamlosen Akt der iranischen Autoritäten“ kritisiert. Iran ist eines der wenigen Länder der Welt, die auch Minderjährige hinrichten. Laut der Menschenrechtsorganisation sitzen mindestens 89 Jugendliche in Irans Todeszellen.

          Kurz vor der Vereidigung des iranischen Präsidenten Hassan Rohani für eine zweite Amtszeit Anfang August hatte die Menschenrechtsorganisation bereits eine deutliche Verschlechterung der Menschenrechtslage seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2013 beklagt.

          Verantwortlich für diese Entwicklung macht die Organisation nicht den Präsidenten selbst, sondern „repressive Teile des Staates“. Diese hätten auf diese Weise versucht, alle Hoffnungen auf Wandel zunichtezumachen, die Rohanis Wahl 2013 geweckt habe.

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