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Iran : Getöteter Physiker Mohammadi beigesetzt

  • Aktualisiert am

Der Sarg Mohammadis wird durch die Straßen Teherans getragen Bild: AP

Auch am Tag der Beisetzung des iranischen Physikers Masud Ali Mohammadi blieben die Hintergründe seiner Ermordung ein Rätsel. Noch immer hat sich niemand des Attentats bezichtigt. Widersprüchlich blieben auch die Beobachtungen der Beerdigung.

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          Auch am Tag der Beisetzung des iranischen Physikers Masud Ali Mohammadi blieben die Hintergründe seiner Ermordung ein Rätsel. Noch immer hat sich niemand des Attentats bezichtigt. Widersprüchlich blieben auch die Beobachtungen der Beerdigung.

          Jeder Zweite der Tausend Trauernden sei Anhänger der Opposition gewesen, berichteten Teilnehmer. Andererseits trugen Mitglieder der Revolutionsgarden gemeinsam mit Familienangehörigen den Sarg von dem Haus des Physikers, vor dem er am Dienstag durch eine ferngezündete Bombe getötet worden war, zum Friedhof. Während die einen Fahnen in der Farbe der Opposition - Grün - hochhielten, skandierten andere „Tod Amerika“ und „Tod Israel“. An der Beisetzung nahmen die früheren Staatspräsidenten Rafsandschani und Chatami teil.

          Wie wichtig war Mohammadi für das Atomprogramm?

          Freunde des Physikprofessors sagten, er habe zwar mit der Reformbewegung und mit der Opposition sympathisiert; ein politischer Aktivist sei er aber nie gewesen. Bis 2003 soll er für die Revolutionsgarden gearbeitet haben. Die iranische Regierung beschuldigte die Vereinigten Staaten und Israel, das Attentat verübt zu haben. Parlamentspräsident Laridschani sagte, die Sicherheitskräfte hätten Tage vor dem Anschlag auf Mohammadi von Plänen des amerikanischen und israelischen Geheimdienstes erfahren, Terroranschläge zu verüben. Washington wies den Vorwurf als „absurd“ zurück.

          Im Januar 2007 war der bekannte Atomphysiker Ardeshir Hassanpour in Shiraz unter mysteriösen Umständen gestorben. Es gilt als wahrscheinlich, dass der israelische Geheimdienst Mossad in den Anschlag verwickelt war. Shahram Amiri, ein anderer führender Atomphysiker, verschwand im Mai 2009 während einer Pilgerfahrt nach Mekka. Schon im Oktober 2007 war Hossein Ardebili in Georgien verhaftet und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden.

          Im Gegensatz zu ihnen widmete sich Ali Mohammadi der theoretischen Physik, während sich viele seiner Kollegen an der Universität Teheran mit Atomphysik beschäftigen. Wäre Mohammadi für das Atomprogramm wichtig gewesen, hätte er wahrscheinlich Personenschutz gehabt.

          Äußerungen wie die von Laridschani lassen den Schluss zu, dass das Attentat auf Mohammadi dem Regime einen Vorwand liefert, um massiver gegen jene vorzugehen, denen der Staat eine Kollaboration mit den ausländischen Feinden der Islamischern Republik unterstellt. Mit der Behauptung eines Angriffs auf iranische Wissenschaftler durch ausländische Mächte schwinden zudem die Chancen für eine Übereinkunft Irans mit den Vereinigten Staaten zum Atomprogramm weiter.

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