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Aktivismus in Iran : Festnahmen bei „Anti-Kopftuch-Protesten“ in Teheran

  • Aktualisiert am

In Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab einem Alter von neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen. Bild: dpa

Wegen ihres Protestes gegen den Kopftuchzwang wurde im Dezember in Teheran eine Frau festgenommen. Nun haben auch andere Frauen ihren Schleier öffentlich abgenommen.

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          Kurz nach der angeblichen Freilassung einer „Anti-Kopftuch-Demonstrantin“ in Iran haben mindestens sechs weitere Aktivistinnen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt Teheran ähnliche Aktionen durchgeführt. In sozialen Medien wurden Bilder der sechs Frauen veröffentlicht. Wie die erste Demonstrantin nahmen auch sie ihre Kopftücher ab, hängten sie als Fahne an einem Stock auf und protestierten damit gegen den Kopftuchzwang in Iran. Nach Angaben von Augenzeugen wurden die sechs zunächst nicht identifizierten Frauen von der Polizei festgenommen.

          In Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab einem Alter von neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verbergen. Der Kopftuchzwang ist dort zwar seit knapp 40 Jahren Gesetz, genauso lange aber ist die Mehrheit der Frauen dagegen. Zu Zeiten des Schahs bis 1941 war es Frauen hingegen verboten, Kopftuch zu tragen. Den „Anti-Kopftuch-Demonstrantinnen“ drohen nun mehrwöchige Gefängnisstrafen. Nach Angaben von Frauenaktivistinnen in Teheran wollten die Frauen nur das tun, was die Regierung als das legitime Bürgerrecht bezeichnet hatte: Friedlich gegen staatliche Maßnahmen protestieren, die ihnen nicht gefallen.

          Auf Twitter wurden die Aktionen gegen den Kopftuchzwang auch von iranischen Frauen unterstützt, die gläubig sind und einen Schleier tragen. „Ich trage den Schleier freiwillig und glaube auch daran (...), genauso aber bewundere ich die Frauen, die nun mutig gegen das obligatorische Kopftuch protestieren“, twitterte Zahra Safyari. Weder bei der Ausübung einer Religion noch bei deren Vorschriften sollte es irgendwelche Zwänge geben, schrieb die Muslimin weiter.

          Die erste Frau, die im vergangenen Monat in der Stadtmitte Teherans als Protest ihr Kopftuch abgenommen hatte und daraufhin verhaftet wurde, wurde inzwischen angeblich wieder aus der Haft entlassen. Dies twitterte am Montag Resa Chandan, der Ehemann der renommierten Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh. Iranische Medien berichteten zunächst weder über ihre Festnahme noch über eine Freilassung.

          Über die Frau wurde bislang nur in sozialen Medien berichtet, zusammen mit einem Screenshot aus einem Video. Sie habe am 27. Dezember im Zentrum Teherans minutenlang ihr Kopftuch abgenommen, um gegen den Kopftuchzwang in Iran zu protestieren. Angeblich wurde sie dann von der Polizei festgenommen und wegen Verstoßes gegen das Kopftuchgesetz inhaftiert.

          Die Anwältin Sotudeh, die 2012 mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet wurde, gab vergangene Woche bekannt, dass es sich bei der Frau um die 31 Jahre alte Vida Movahed handele. Sie sei Mutter eines 20 Monate alten Kindes. Sotudeh wollte den Fall übernehmen, wusste aber zu dem Zeitpunkt noch nicht, wo die Frau inhaftiert war.

          Vida Movahed gilt seit Wochen als das Symbol der regimekritischen Proteste im Land. Das ist aber nach Meinung von Beobachtern nicht ganz korrekt, weil ihre Protestaktion am 27. Dezember stattfand und die Proteste erst einen Tag später in Nordostiran begannen. Die etwa zehntägigen Proteste in Iran richteten sich zunächst gegen die Wirtschaftspolitik, hohe Preise, Inflation und Korruption. Sie wurden dann aber zunehmend systemkritisch, anti-islamisch – auch gegen den Kopftuchzwang – bis hin zu Forderungen nach einem Regimewechsel.

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