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Zu fünf Jahren verurteilt : Iran entlässt Französin vorübergehend aus Haft

  • Aktualisiert am

Adelkhah Fariba auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2012, die ihre Universität nach der Festnahme veröffentlicht hatte. Bild: Thomas Arrive/Sciences Po/AFP

Ihre doppelte Staatsbürgerschaft wurde ihr zum Verhängnis: Fünf Jahre Haft wegen angeblicher politischer Straftaten lautete das Urteil gegen die Französin Fariba Adelkhah. Nach einigen Monaten kann die Islamwissenschaftlerin das Gefängnis nun zumindest vorerst verlassen.

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          Die in Iran zu fünf Jahren Gefängnis verurteilte französische Wissenschaftlerin Fariba Adelkhah ist vorübergehend aus der Haft entlassen worden. Adelkhah befinde sich mit einer elektronischen Fußfessel in Freiheit und sei bei ihrer Familie in Teheran, sagte ihr Anwalt am Samstag. Ihr Unterstützerkomitee erklärte, die Haftentlassung sei aus medizinischen Gründen erfolgt.

          Ein Gericht hatte die Islamwissenschaftlerin im Juni wegen des Vorwurfs der „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die französische Regierung hatte das Urteil als politisch motiviert kritisiert.

          Adelkhah und ihr Kollege und späterer Ehemann, der französische Wissenschaftler Roland Marchal, waren im Juni 2019 wegen angeblicher Verbreitung regimefeindlicher Propaganda am Flughafen von Teheran festgenommen worden. Im März wurde im Zuge eines Gefangenenaustausch zwischen Paris und Teheran der 64 Jahre alte Marchal nach neuneinhalb Monaten Haft freigelassen und durfte nach Paris zurück. Seine Frau aber musste im Gefängnis bleiben.

          Doppelstaatler im Visier

          Adelkhah hat die iranische und die französische Staatsbürgerschaft, Iran erkennt doppelte Staatsbürgerschaften aber nicht an. Im Januar hatte die iranische Justiz zumindest den Vorwurf der Spionage gegen Adelkhah fallengelassen. Auf Spionage steht in Iran die Todesstrafe.

          Seit der Aufkündigung des Internationalen Atomabkommens mit Iran durch die Vereinigten Staaten werden in Iran vermehrt Ausländer festgenommen. Bei den Festgenommenen handelt es sich häufig um Doppelstaatler; meist werden ihnen Spionage oder Aktionen gegen die nationale Sicherheit Irans vorgeworfen.

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