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UN-Sicherheitsrat tagt : Iran bestreitet Verantwortung für Angriffe

  • Aktualisiert am

Einer der angegriffenen Tanker brennt am Donnerstag in der Straße von Hormus. Bild: AP

Iran hat zurückgewiesen, hinter Angriffen auf zwei Öltanker zu stecken. Vor dem UN-Sicherheitsrat bekräftigte dagegen Amerika seine Vorwürfe. Das Pentagon schickt ein Kriegsschiff in die Nähe des Golf von Oman.

          Teheran hat jegliche Verantwortung für Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman dementiert. „Iran weist die haltlose Behauptung der Vereinigten Staaten mit Bezug auf die Öltanker-Vorfälle vom 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste“, hieß es in einer Mitteilung der Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen. „Der ökonomische Krieg und Terrorismus der Vereinigten Staaten gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der Persischen Golfregion.“

          Amerikas Außenminister Mike Pompeo hatte zuvor Teheran beschuldigt, hinter den Angriffen zu stecken. „Es ist die Einschätzung der Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam“, sagte Pompeo in Washington. Es handele sich um eine „nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch Iran“.

          Verweis auf Geheimdienstinformationen

          Pompeo sagte, die Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit. Betroffen waren am Donnerstagmorgen ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter, der einer japanischen Firma gehört, sowie ein Schiff einer norwegischen Reederei. Beide Tanker wurden beschädigt, die Besatzungen wurden in Sicherheit gebracht.

          Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt, sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über sie läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff.

          Der Iran sieht es als seine Aufgabe an, die Sicherheit in der für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus zu gewährleisten. Dass sein Land beschuldigt werde, für Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verantwortlich zu sein, sei alarmierend, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Abbas Mussawi, am Freitag dem staatlichen Hörfunk zufolge. „Es ist unsere Aufgabe, für Sicherheit in der Straße zu sorgen, und wir haben die Besatzung der angegriffenen Tanker so  schnell wie möglich gerettet.“ Die Vorwürfe des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo seien alarmierend.

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          Das amerikanische Militär teilte mit, der Zerstörer „USS Mason“ sei auf dem Weg in das Gebiet, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien. Der Zerstörer „USS Bainbridge“ stehe zudem in engem Kontakt mit einem der beschädigten Tanker, der „Kokuka Courageous“. Man habe zwar kein Interesse an einer Einbindung in einen neuen Konflikt im Nahen Osten. Das Militär sei aber bereit, amerikanische Interessen zu verteidigen, etwa das der freien Schifffahrt.

          Vor dem UN-Sicherheitsrat präsentierten die Vereinigten Staaten trotz der öffentlichen Schuldzuweisungen offensichtlich keine Belege für eine Verantwortung Irans. „Wir haben keinerlei Beweise diskutiert“, sagte der kuweitische UN-Botschafter Mansur al Otaibi nach einem Treffen des Gremiums am Donnerstag. Kuweit steht dem Gremium momentan vor. Auch habe der Sicherheitsrat zunächst keine Maßnahmen angesichts der steigenden Spannungen beschlossen. Es müsse seiner Ansicht nach eine unabhängige und gründliche Untersuchung geben.

          Der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter Jonathan Cohen bekräftigte die Haltung seines Landes, dass Teheran verantwortlich sei. „Keine Gruppe in der Region verfügt über die Ressourcen oder die Fähigkeiten, um mit dieser Genauigkeit zu agieren. Iran jedoch hat die Waffen, die Expertise und das Wissen der Geheimdienste, um das zu machen.“

          Zuvor hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer „großen Konfrontation“ gewarnt. „Ich nehme den Vorfall in der Straße von Hormus mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis. Ich verurteile jeden Angriff auf zivile Schiffe scharf“, sagte Guterres vor dem UN-Sicherheitsrat. Es müsse festgestellt werden, wer für die Taten verantwortlich sei. „Und wenn es etwas gibt, was die Welt sich nicht leisten kann, ist es eine große Konfrontation in der Golf-Region.“

          Angeblich Serie von Angriffen

          Pompeo bezeichnete die Vorfälle als jüngste Angriffe einer iranischen Angriffsserie gegen die Vereinigten Staaten, ihre Interessen und ihre Verbündeten, deren Ziel es sei, Öllieferungen durch die Straße von Hormuz zu unterbinden. Konkret machte er Iran für Angriffe auf vier Handelsschiffe am 12. Mai, Drohnen-Angriffe auf saudi-arabische Öl-Pipelines am 14. Mai und einen Raketenangriff auf einen internationalen Flughafen in Saudi-Arabien am vergangenen Mittwoch verantwortlich.

          Was sich genau am Donnerstag am Golf von Oman abgespielt hatte, blieb zunächst unklar. Im Morgengrauen gingen bei der amerikanischen Marine, die im Königreich Bahrein stationiert ist, zwei Notrufe ein. Auf dem Öltanker „Front Altair“ einer norwegischen Reederei war ein Feuer ausgebrochen. Die Reederei spricht von einer Explosion, will aber einen Angriff nicht bestätigen, von dem das norwegische Seefahrtsamt gesprochen hatte. Bilder der iranischen Agentur Isna zeigen Flammen und eine dicke Rauchsäule.

          Auch die japanische Firma Kokuka Sangyo erklärt, ihr Tanker „Kokuka Courageous“ sei in die Vorfälle verwickelt. Das von der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagte Schiff wurde beschädigt. Allerdings seien alle 21 Seeleute gerettet, die Ladung sei intakt und der Frachter drohe nicht zu sinken.

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