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Iran : Aufgewühlt

Der Arabische Frühling hat seine Blüten verloren. Terrorismus, Staatszerfall und der mit mörderischer Intensität geführte Kampf um die Vorherrschaft in der islamischen Welt haben die Träume von Freiheit und Teilhabe unter sich begraben.

          Schon vor Beginn der Atomgespräche in Lausanne sahen nicht wenige Iran als Hauptprofiteur, der mittel- bis langfristig erreichen werde, was er erreichen wolle, und der auch künftig kein Kooperationspartner sein werde. Israels Ministerpräsident zog gar eine Verbindung von Iran über die Schweizer Verhandlungen zum jüngsten mittelöstlichen Krisenschauplatz - „Iran-Lausanne-Jemen“ - und sah Teheran auf blutigem Eroberungszug durch die Region eilen.

          Tatsächlich fällt das Urteil über die Handlungen und Motive des iranischen Regimes in Saudi-Arabien nicht viel anders aus. Riad sieht in Iran eine reale und wachsende Bedrohung; das war ja der Grund, warum Saudi-Arabien unter dem neuen König Salman sich zu einer Militärintervention im Jemen gegen die von Iran unterstützten Houthi-Rebellen entschlossen hat. Zu den Kriegsschauplätzen Syrien und Irak sowie Libyen ist somit auch auf der Arabischen Halbinsel eine militärische Auseinandersetzung hinzugekommen, in der regionale Akteure um Vormacht kämpfen und die der sunnitisch-schiitische Konflikt grundiert.

          Der Nahe und Mittlere Osten ist heute nur noch ein Zerrbild dessen, was die Aktivisten sich vor vier Jahren für die arabische Welt vorgestellt und erhofft hatten. Der Arabische Frühling hat schnell und fast überall seine Blüten verloren. Krieg, Restauration, Staatszerfall, Terrorismus, blutige Rivalitäten und eben der mit mörderischer Intensität geführte Kampf zwischen Sunniten und Schiiten um die Vorherrschaft in der islamischen Welt haben die Träume von Freiheit und Teilhabe unter sich begraben. Eine ohnehin unübersichtliche Region ist noch unübersichtlicher geworden.

          Damit haben nicht zuletzt die Vereinigten Staaten zu kämpfen, denen der strategische Kompass abhandengekommen ist. Im Jemen stehen sie auf der Seite der Interventionsmacht Saudi-Arabien gegen Iran; im Irak sind sie im Kampf gegen die Terrormiliz „IS“, die am Dienstag aus der Stadt Tikrit vertrieben wurde, faktisch Partner Irans - dessen Führung aber nichts mehr will, als die Vereinigten Staaten aus der Region zu verdrängen, zumindest ihren Einfluss zu minimieren. Amerika spürt die Grenzen der Macht im Angesicht des Feuersturms, der in der Region wütet.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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