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Iran : Ahmadineschads Pyrrhussieg

  • Aktualisiert am

Rücktritt „aus privaten Gründen”: Laridschani Bild: dpa

Ahmadineschad hat sich in Teheran viele Feinde gemacht mit seinem Entschluss, den Atomunterhändler Laridschani zum Rücktritt aufzufordern. Doch dieser ist längst nicht entmachtet. Von Ahmad Taheri.

          4 Min.

          Eigentlich war die Reise von Wladimir Putin, der als erster russischer Staatschef seit Stalin in der vergangenen Woche Teheran besuchte, schuld am politischen Wirrwarr in der iranischen Hauptstadt. Kurz nachdem Putin seine Aufwartung beim geistlichen Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Sayyed Ali Chamenei, gemacht hatte, trat Ali Laridschani vor die Politkommissare der Revolutionswächter. Putin, so der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, habe eine wichtige Botschaft mitgebracht. Die Atompolitik könne nun auf dem richtigen Weg ihren Lauf nehmen.

          Die Ankündigung eines Erfolges in Sachen Atompolitik unter Laridschani brachte den Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad in Rage. Wenige Stunden später erklärte der Staatschef, der hohe Gast aus Moskau habe keine andere Botschaft gebracht als die des Friedens und der Freundschaft. Beim Freitagsgebet an der Teheraner Universität wütete Ahmadineschad gegen die Atompolitik des früheren Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrates, Hasan Rohani.

          „Aus privaten Gründen zurückgetreten“

          Allerdings ging es beim Freitagsgebet nur scheinbar gegen Rohani. Zielscheibe der Angriffe sei eigentlich Laridschani, äußerten Mitglieder der Kommission für Nationale Sicherheit des Madschlis, des iranischen Parlaments. Nachdem Ahmadineschad am Freitag seine Rede gehalten hatte, sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern gekommen. „Wenn Sie Ihre Arbeit nicht fortsetzen können, so reichen Sie Ihren Rücktritt ein“, zitierte einer der Abgeordneten Ahmadineschad. Laridschani folgte der Aufforderung.

          Gipfeltreffen in Teheran
          Gipfeltreffen in Teheran : Bild: AP

          Einige Stunden später erklärte der Sprecher des Präsidenten, Ghulam Hussein Elham: „Der Bruder Laridschani ist aus privaten Gründen zurückgetreten.“ Ahmadineschad und Laridschani liegen seit langem im Streit. Welten trennen den gebildeten Sprössling einer theokratischen Dynastie und den plebejischen Aufsteiger aus der verstaubten Provinz Garmsar. Ahmadineschad mag Männer nicht, die ihn geistig überragen, heißt es in Teheran.

          Der Sieg Ahmadineschads allerdings nimmt sich aus wie ein Pyrrhussieg. Ein Aufschrei der Empörung ertönte in der Islamischen Republik. Eine überwiegende Mehrheit des Madschlis hat am Anfang dieser Woche den Rücktritt Ali Laridschanis zutiefst bedauert. 183 Abgeordnete unterzeichneten eine Erklärung, in der die „lobenswerten Leistungen“ Laridschanis in den vergangenen zwei Jahren gepriesen werden. Die Unterschriftenaktion geht weiter. Schließlich soll das Schreiben im Parlament vorgetragen werden.

          Unappetitliche Kampagne gegen Intellektuelle

          Das ist zweifelsohne ein Votum des „Hauses des Volkes“ für Laridschani und damit gegen Staatspräsident Ahmadineschad. Vor zwei Jahren hatte Laridschani für das Amt des Staatspräsidenten kandidiert. Doch er schied schon im ersten Wahlgang aus. Die Bevölkerung sah in ihm einen ehrgeizigen Hardliner. Der Philosoph und Mathematiker hatte als Leiter des iranischen Funks und Fernsehens eine bisweilen unappetitliche Kampagne gegen Intellektuelle und Reformer auf dem Bildschirm veranstaltet. Doch als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, der auch für die Atompolitik zuständig ist, hat sich Laridschani auf dem internationalen Parkett gewandelt.

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