https://www.faz.net/-gpf-7898b

Iran : Ahmadineschad weitet Atomprogramm aus

  • Aktualisiert am

Irans Präsident Ahmadineschad: „Der Westen kann uns nicht stoppen, unsere nukleare Technologie zu entwickeln“ Bild: REUTERS

Wenige Tage nach dem Scheitern der jüngsten Atomgespräche hat Irans Präsident Ahmadineschad die Eröffnung einer weiteren Uran-Mine und einer Uran-Konversionsanlage angeordnet.

          2 Min.

          Drei Tage nach Vertagung der internationalen Atomgespräche hat Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad die Eröffnung einer Uran-Mine und einer Uran-Umwandlungsanlage angeordnet.

          Wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, verfügte Ahmadineschad zum sogenannten Atomtechnologietag, der jedes Jahr in Iran veranstaltet wird, am Dienstag die Erschließung der Saghand Uran-Mine in der zentraliranischen Jasd Provinz.

          Zudem eröffnete er in derselben Provinz die Umwandlungsanlage Resaienedschad. Der Komplex habe eine jährliche Produktionskapazität von 60 Tonnen konzentriertem Uran, so genanntem Yellowcake. das danach in anderen Anlagen angereichert werden kann.

          Atomgespräche endeten ohne Annäherung

          Die Anordnung erfolgte kurz nach dem Scheitern der jüngsten Atomgespräche mit der internationalen Gemeinschaft. Das Treffen der fünf UN-Vetomächte Vereinigte Staaten, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschlands mit Iran war am Samstag in der kasachischen Großstadt Almaty ohne Annäherung zu Ende gegangen. Weder die Mine noch die Uran-Umwandlung sind für  Iran ein großer technischer Durchbruch, weil es auch in anderen Teilen Irans Minen und in Isfahan eine sehr große Konversionsanlage gibt.

          Für Aufmerksamkeit sorgt jedoch der Zeitpunkt der Verkündung so kurz nach den Verhandlungen von Almaty. „Die Weltmächte sollten wissen, dass der Iran nun ein Land mit Atomtechnologie ist und keiner dies mehr aufhalten kann“, sagte Ahmadineschad in einer Rede vor der iranischen Atomorganisation.

          Atomstreit : Iran forciert Uran-Förderung

          Die Sechsergruppe hatte in Almaty abermals die iranische Forderung nach Anerkennung seiner Atomrechte und Aufhebung der Sanktionen abgelehnt. Das hat im Iran für Unmut gesorgt. Das iranische Parlament drohte sogar mit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

          Iran hält nach den Worten des Chefs seiner Atomenergiebehörde entgegen internationaler  Forderungen an der Uran-Anreicherung auf 20 Prozent fest. Die  Herstellung von auf 20 Prozent angereichertem Uran als Brennstoff  für einen Forschungsreaktor in Teheran werde nicht gestoppt,  betonte Behördenchef Fereidun Abbassi Davani. Der Iran  produziere das angereicherte Uran gemäß seinem Bedarf sowie  zusätzlich eine „Reserve“. Die Anreicherungsaktivitäten Teherans stünden unter „totaler  Kontrolle“ der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), betonte  Abbassi Davani. Daher gebe es keinerlei Grund zur Besorgnis.

          Die IAEA in Wien wollte das iranische Vorgehen zunächst nicht kommentieren. Nach einer ersten Einschätzung seien die neuen Anlagen aber nicht meldepflichtig, weil sie nur für Vorstufen zur eigentlichen Uran-Anreicherung gedacht seien, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Wien. Nach geltenden Verträgen müsse Iran die IAEA erst informieren, wenn das Land eine neue Anlage zur Urananreicherung plane.

          Bei den jüngsten Atomgesprächen war Iran ein  Kompromiss angeboten und im Gegenzug die Lockerung von Sanktionen  in Aussicht gestellt worden: Iran sollte die Urananreicherung auf 20  Prozent aussetzen, den bereits angehäuften Uran-Bestand ins Ausland  bringen und die Atomanlage Fordo schließen.

          Abbassi Davani betonte  am Dienstag, die 5+1 solle „lieber rationelle Vorschläge machen“. Der Iran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen  Nutzung der Kernenergie heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen  zu arbeiten. Teheran weist das zurück.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          
Eine Katastrophe droht: Löschflugzeuge am Donnerstag in der Nähe des Kohlekraftswerks Kemerkoy im Südwesten der Türkei

          Waldbrände in der Türkei : Erdogan kennt die Schuldigen

          Die Türkei, sagt Staatspräsident Erdogan, kämpfe gegen die schlimmsten Waldbrände ihrer Geschichte. Kritik an seiner Regierung weist er zurück – und greift an.

          Hochwasser im Ahrtal : Déjà-vu der Katastrophe

          War die Flutkatastrophe im Ahrtal ein bislang einmaliges Ereignis und schon der Vorbote des Klimawandels? Zwei Bonner Geoforscher sind skeptisch – und liefern neue Erkenntnisse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.