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Irak : Weitere Anschläge trotz Aufrufen zur Mäßigung

  • Aktualisiert am

Trauerzug für die Opfer in Sadr-City Bild: AP

Einen Tag nach den verheerenden Anschlägen in Bagdad haben Selbstmordattentäter wieder mehr als 20 Menschen getötet. Die Abgeordneten und Minister der Sadr-Bewegung drohen mit ihrem Rückzug aus Regierung und Parlament.

          Einen Tag nach der Anschlagserie in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City mit möglicherweise mehr als 200 Toten haben am Freitag Racheakte und neue Selbstmordanschläge den Irak erschüttert, obwohl die politischen Führer der Sunniten und Schiiten ihre Anhänger zur Mäßigung aufriefen. Auch das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali al Sistani, appellierte an alle Iraker, keine Vergeltung zu üben. Die Abgeordneten und Minister der Sadr-Bewegung drohten ihren Rückzug aus Regierung und Parlament an, falls sich Ministerpräsident Nuri al Maliki wie geplant am kommenden Mittwoch in Amman mit dem amerikanischen Präsident Bush treffen sollte. Bei zwei Selbstmordattentaten in der nordwestirakischen Stadt Tel Afar wurden am Freitag 24 Menschen getötet.

          Der radikale Schiiten-Prediger Muqtada Sadr, der in dem Bagdader Vorort seine größte Gefolgschaft hat, gab sich kämpferisch. Bei seiner Freitagspredigt in der mittelirakischen Stadt Kufa forderte er vom Vorsitzenden des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Harith al-Dhari, eine „Fatwa“ (islamisches Rechtsgutachten), daß die Tötung von Schiiten verbiete.

          Beisetzung in Sadr-City

          In Sadr-City wurden die Opfer der Anschläge vom Vortag beigesetzt. In den anderen Vierteln von Bagdad blieben die Iraker wegen einer am Donnerstag verhängten unbefristeten Ausgangssperre in ihren Häusern. Während ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag angab, in Sadr-City seien 138 Menschen getötet und 201 verletzt worden, sprach der staatliche Fernsehsender Al-Irakija von mehr als 200 Toten und etwa 250 Verletzten. Auf Straßen und Plätzen des dicht besiedelten Bagdader Vororts, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben, waren am Donnerstag kurz hintereinander sechs Autobomben detoniert und mehrere Mörsergranaten eingeschlagen.

          Spuren eines Blutbads

          Bei zwei Selbstmordattentaten in der nordwestirakischen Stadt Tel Afar kamen am Freitag 24 Menschen um. Am Morgen sprengten sich zwei Selbstmordattentäter auf Automärkten in verschiedenen Teilen der Stadt in die Luft. Krankenhausärzte zählten 24 Tote und 45 Verletzte. In Bagdad griffen Extremisten mehrere sunnitische Moscheen an. Unbekannte feuerten nach Angaben des Rates der Religionsgelehrten mehrere Mörsergranaten auf den Sitz der sunnitischen Vereinigung ab, ohne daß jemand verletzt wurde.

          Am Donnerstag abend waren bei Angriffen mit Mörsergranaten in Vierteln, die vorwiegend von Sunniten bewohnt sind, nach Angaben eines Sprechers des Gesundheitsministeriums elf weitere Menschen umgekommen.

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