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Irak : Terror in Mossul - Französische Geiseln frei

  • Aktualisiert am

Amerikaner leisten Erste Hilfe Bild: AP

Mit Granatwerfern und Raketen haben irakische Rebellen einen amerikanischen Stützpunkt in Mossul angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Zwei im August entführte französische Journalisten sind wieder frei.

          3 Min.

          Mit Granatwerfern und Raketen haben irakische Rebellen am Dienstag einen amerikanischen Stützpunkt in Mossul angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Die Geschosse schlugen während der Mittagszeit in ein Speisezelt ein, in dem Hunderte Personen Platz finden. Kurz zuvor war der britische Premierminister Tony Blair überraschend in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Dort äußerte er sich überzeugt, daß die Parlamentswahlen trotz der anhaltenden Kämpfe im Land wie geplant im Januar stattfinden können.

          Blair hat in Bagdad die auf den 30. Januar angesetzten Wahlen als einen „klaren Ausdruck des demokratischen Willens“ bezeichnet. Er rechne jedoch damit, daß die Gewalt auch nach den Wahlen weitergehen werde.

          Nach einer Unterredung mit dem irakischen Ministerpräsidenten Allawi nannte Blair die Wahlhelfer die „neuen Helden des Irak“. Denn sie riskierten jeden Tag ihr Leben, um dem irakischen Volk die Chance zu geben, demokratisch über sein Schicksal zu entscheiden. Wenn er mit den irakischen Wahlhelfern rede, dann wisse er, „daß wir das richtige getan haben“.

          Shake-hands in Bagdad: Blair und Allawi
          Shake-hands in Bagdad: Blair und Allawi : Bild: AP

          Französische Journalisten frei

          Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest sind die beiden im August im Irak entführten französischen Journalisten freigekommen. Frankreichs Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin bestätigte die Freilassung am Dienstag vor dem Senat des Parlaments. (Siehe: Französische Geiseln im Irak freigelassen)

          „Kampf zwischen Demokratie und Terror“

          Blair beschrieb die Lage im Irak als einen „Kampf zwischen Demokratie und Terror“. Die eine Seite wolle die demokratischen Freiheiten, während die andere versuche, die bessere Zukunft des Irak zu zerstören. Er hoffe, daß an den Wahlen alle Iraker teilnehmen werden.

          Blair zeigte sich zuversichtlich, daß die Wahlen zur Stabilisierung des Landes und zur Schaffung von mehr Sicherheit beitragen werden. In Bagdad spüre man die Herausforderung. Doch sei er sicher, daß es friedlichere Orte gebe. Die Koalitionstruppen würden den Irak verlassen, sobald die irakischen Sicherheitskräfte aufgebaut seien, sagte Blair. Dann werde der Irak ein stabiler und demokratischer Partner in der Region sein, erwartet der britische Premierminister.

          Allawi: Wir werden uns durchsetzen

          Allawi bekräftigte in der gemeinsamen Pressekonferenz, daß seine Regierung trotz Aufrufen, die Wahl zu verschieben, am Wahltermin am 30. Januar festhalte. Dann wird es zum ersten Mal im Irak „Demokratie in Aktion“ geben. „Unsere Feinde sind entschlossen, unseren Willen zu brechen, wir aber werden uns durchsetzen“, sagte Allawi. Die Regierung werde die Kräfte des Bösen besiegen.

          Der Besuch Blairs war nicht angekündigt. Er wurde erst bekanntgegeben, nachdem ihn ein Konvoi aus Kampfhubschraubern vom Flughafen Bagdad in die „Grüne Zone“ geflogen hatte, wo er neben Allawi auch Mitglieder der Wahlkommission traf sowie britische und amerikanische Beamte.

          Vor Blair hatte zuletzt Churchill als britischer Regierungschef Bagdad besucht. Blair hatte nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein bereits zweimal die britischen Truppen in Basra besucht. Von Bagdad flog Blair nach Basra weiter.

          Besuch war von Gewalt überschattet

          Der Besuch Blairs war von weiterer Gewalt überschattet. In Mossul wurden bei einem Angriff mit Raketen und Mörsergranaten auf einen amerikanischen Militärstützpunkt mindestens 22 Menschen getötet und 51 verletzt. Das teilte ein Armeesprecher dem arabischen Nachrichtensender al Arabija mit.

          In den vergangenen Wochen hatten in Mossul die Spannungen erheblich zugenommen. Am Dienstag demonstrierten in der Stadt 400 Personen gegen die Festnahmen von Zivilpersonen durch amerikanische Soldaten. Bei einem amerikanischen Luftangriff wurden in Hit westlich von Bagdad vier Personen getötet, und in Baquba werde ein Atomwissenschaftler erschossen. Sabotageakte gegen Ölleitungen nahe Baquba und Kirkuk haben den Ölexport weiter eingeschränkt.

          Rumsfeld gibt sich verständnisvoll

          Der amerikanische Präsident George W. Bush hatte am Montag eingestanden, daß die Sicherheitslage in Irak weiter ein Problem ist. Auch die irakischen Truppen seien noch nicht reif, aus eigener Kraft für die Sicherheit des Landes zu sorgen, sagte er am Montag auf seiner Jahresabschluß-Pressekonferenz in Washington.

          Mit einem Zeitungskommentar hat der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die anhaltende Kritik an seiner Person zu entkräften versucht. In einem Beitrag für die „USA Today“ ging Rumsfeld noch einmal auf die Klagen von amerikanischen Soldaten über ihre mangelhafte Ausrüstung im Irak-Einsatz ein und bezeichnete diese als gerechtfertigt.

          Sein Ministerium habe aber dafür gesorgt, daß die Produktion von gepanzerten Fahrzeugen für die im Irak stationierten Truppen „seit Mitte 2003 um mehr als 1000 Prozent gesteigert“ worden sei, schrieb Rumsfeld. Früher seien beispielsweise monatlich etwa 35 gepanzerte Humvee-Geländefahrzeuge hergestellt worden, mittlerweile seien es rund 450 im Monat.

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