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Angriffsserie im Irak : Raketen in von Nato genutzter Militärbasis eingeschlagen

Ziel des Angriffs: Amerikanische Soldaten im Irak (Archivbild) Bild: AP

Zum dritten Mal in einer Woche sind ausländische Truppen im Irak unter Beschuss geraten. Von Iran gelenkte Milizen wollen so offenbar den Abzug ausländischer Soldaten aus dem Land beschleunigen.

          2 Min.

          Im Irak sind zum dritten Mal innerhalb einer Woche ausländische Truppen unter Raketenbeschuss geraten. Am Montagabend schlugen auf der Basis Besmayah, etwa 25 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Bagdad, Raketen ein, wie das irakische Militär mitteilte. Dort sind neben Einheiten der irakischen Streitkräfte auch ausländische Soldaten der amerikanisch geführten internationalen Koalition gegen den „Islamischen Staat“ (IS) stationiert, unter anderem aus Spanien.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der Vorfall fällt in eine Zeit wechselseitiger Angriffe und Vergeltungsschläge zwischen dem amerikanischen Militär und von Iran gelenkten schiitischen Milizen, die den Abzug des amerikanischen Militärs aus dem Irak anstreben.

          Die jüngste Runde von Angriffen hatte am vergangenen Mittwoch mit einem Raketenangriff auf den Stützpunkt Taji nördlich von Bagdad begonnen; damals waren zwei amerikanische Soldaten und eine britische Soldatin getötet worden. Das amerikanische Militär gab der von den iranischen Revolutionswächtern gelenkten Schiitenmiliz „Kataib Hizbullah“ die Schuld und flog zur Vergeltung mehrere Luftangriffe.

          Laut Angaben amerikanischer Regierungsmitarbeiter wurden dabei Raketen- und Waffenlager getroffen und Milizionäre getötet. Aus dem irakischen Militär kam jedoch Kritik, es seien auch irakische Sicherheitskräfte umgekommen. Die Armeeführung sprach von einer „Aggression” die „militärische Einrichtungen“ zum Ziel gehabt und das „Prinzip der Partnerschaft“ zwischen irakischen Sicherheitskräften und den Amerikanern verletzt habe.

          Die „Kataib Hizbullah“-Miliz wird beschuldigt, hinter einem Raketenangriff vom Dezember zu stecken, bei dem ein amerikanischer Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes getötet wurde und der eine Kette von Ereignissen in Gang setzte, die Amerika und Iran an den Rand eines Krieges brachten.

          Anfang Januar wurde der iranische General Qassem Soleimani am Flughafen in Bagdad durch einen amerikanischen Drohnenangriff getötet. Seither sind die irakisch-amerikanischen Beziehungen enorm belastet. Nicht zuletzt deshalb, weil bei dem Angriff auch ein irakischer Vertrauter Soleimanis und hoher Sicherheitsfunktionär umkam: Abu Mahdi al Muhandis, der Chef der sogenannten „Volksmobilisierung“ (Hasch al Schaabi), eines paramilitärischen Dachverbands, der inzwischen zu den offiziellen irakischen Sicherheitskräften zählt.

          Mehrere der Milizen unter seinem Dach gehören zum Schattenreich der iranischen Revolutionswächter, das maßgeblich von Soleimani gesponnen und kontrolliert worden war. Als Reaktion auf den Drohnenangriff erwirkten die proiranischen Kräfte im Parlament eine Resolution, die von der Regierung verlangt, den Abzug des ausländischen Militärs ins Werk zu setzen. Die andauernden Raketenangriffe irantreuer Milizen auf Militärbasen werden als Versuche verstanden, den Druck auf die Ausländer zu erhöhen. Iran hat den Abzug der Amerikaner aus der gesamten Region zur angestrebten Vergeltung für den Tod Soleimanis erklärt.

          Am Montag meldete die Anti-IS-Koalition, ihre Soldaten von einigen kleineren Basen abzuziehen. Es wurde aber zugleich bekräftigt, das habe nichts mit dem jüngsten Raketenbeschuss zu tun, sondern sei lange geplant gewesen.

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