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Irak : Obama zieht Truppen noch 2011 ab

  • Aktualisiert am

Beendet den Krieg seines Vorgängers endgültig: Präsident Obama Bild: REUTERS

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat den vollständigen Abzug der amerikanischen Truppen bis zum Ende des Jahres angekündigt. „Amerikas Krieg im Irak wird beendet sein“, sagte er im Weißen Haus.

          Alle noch im Irak verbliebenen rund 41.000 amerikanischen Soldaten werden bis Jahresende das Zweistromland verlassen. „Nach fast neun Jahren wird Amerikas Krieg im Irak zu einem Ende kommen“, sagte Präsident Barack Obama am Freitag im Weißen Haus vor der Presse.

          Vom kommenden Jahr an werden nur noch etwa 160 Soldaten zum Schutz der amerikanischen Botschaft in Bagdad im Land bleiben. Monatelange bilaterale Verhandlungen über den Verbleib von etwa 4500 amerikanischen Militärausbildern und -beratern über das Jahresende hinaus waren am Widerstand der irakischen Regierung gescheitert, den amerikanischen Militärangehörigen Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren.

          Verteidigungsminister Leon Panetta hatte bei einem Besuch in Bagdad im Juli noch die Hoffnung geäußert, dass ein neues Abkommen den von Bagdad ausdrücklich gewünschten Verbleib amerikanischer Ausbilder ermöglichen werde.

          Künftig wird Washingtons Botschaft in Bagdad - die größte diplomatische Mission Amerikas - mit 16.000 Angestellten und privaten Sicherheitskräften die Interessen der Vereinigten Staaten im Irak vertreten.

          Zeit zu packen: Nach den Kampftruppen (Foto: Abzug von der Scania Base im Juli 2010) werden auch die amerikanischen Berater und Ausbilder den Irak verlassen

          Fast neun Jahre nach der Invasion beginne nun eine „gleichwertige Partnerschaft“ zwischen zwei souveränen Nationen, sagte Obama. „Die Iraker haben die volle Verantwortung für ihr Land übernommen.“ Der Schritt erfolge im vollen Einverständnis mit der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki.

          Regelmäßig erschüttern immer wieder Terroranschläge den Irak. Obama kündigte an, das Land auch künftig weiter unterstützen zu wollen, um seine Stabilität sicherzustellen. Es lägen aber „schwierige Tage“ vor dem Irak.

          4500 gefallene Amerikaner

          Der Krieg hatte im März 2003 mit der Invasion der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und verbündeter Staaten begonnen. Deutschland hatte sich nicht beteiligt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 hatte Obama angekündigt, den Konflikt bis Ende 2011 beenden zu wollen. „Heute kann ich wie versprochen berichten: Nach fast neun Jahren ist Amerikas Krieg im Irak vorbei“, sagte er am Freitag. Nach jüngsten Schätzungen gaben die Vereinigten Staaten bislang mehr als eine Billion Dollar (719 Milliarden Euro) für den Krieg aus.

          Auf dem Höhepunkt des Konflikts waren bis zu 171.000 Mann für die Koalitionstruppen im Einsatz. Nach den Worten Obamas hätten rund eine Million Amerikaner im Irak gedient, fast 4500 seien gefallen. „Die letzten amerikanische Soldaten werden mit hoch erhobenen Köpfen die Grenze aus dem Irak überschreiten, stolz über ihren Erfolg“, sagte er.

          Persönliche Genugtuung

          Bereits zuvor hatte Obama sich als erfolgreicher Terroristenjäger erwiesen, mit der Tötung von Al-Qaida-Chef Usama bin Ladin und dem Hassprediger Anwar al-Awlaki im Jemen gelangen ihm zwei schwere Schläge gegen das Terrornetzwerk. Im Kampf gegen Terroristen hart und entschlossen, aber auch ein Pragmatiker, der Nutzen und Lasten militärischer Einsätze abzuwägen scheint: Es spricht für sich, dass Obama an dieser Front im eigenen Land stark an Popularität gewonnen hat.

          Während innenpolitisch seine Umfragewerte vor allem wegen der schwächelnden Wirtschaft und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit auf einen Tiefpunkt gesunken sind, erhält er als „Commander in Chief“ immer bessere Noten. Gegen den Irak-Krieg war Obama von Anfang an, so dürfte die bevorstehende Heimführung der letzten Truppen für ihn auch eine persönliche Genugtuung bedeuten. „Der Dezember wird eine Zeit sein, über all das nachzudenken, was wir in diesem Krieg durchgemacht machen,“ sagte Obama.

          Der völlige Truppenabzug könnte Sicherheitsprobleme für die nach wie vor in weiten Teilen religiös und ethnisch zerrissene Regierung in Bagdad bringen, warnte die „Washington Post“ am Freitag.

          Konzentration auf den Afghanistan-Abzug

          Ein neuer Ausbruch von Gewalt nach dem Abzug der Amerikaner könne Obama Kritik vor allem konservativer Kreise eintragen - den Vorwurf, den Irak nach all den Opfern am Ende doch vorzeitig verlassen zu haben. Aber auf der anderen Seite kann Obama den kriegsmüden Amerikanern jetzt sagen, dass er sein Versprechen eingehalten hat, die Truppen heimzubringen. Und mehr noch: „Das Kriegsende im Irak spiegelt einen weiter gefassten Übergang wider“, sagte der Präsident. „Die Kriegswelle zieht sich zurück.“

          Nun könne man sich ganz auf den Truppenabzug in Afghanistan konzentrieren. Und die Kriegskosten herunterfahren. Die Einsätze im Irak und in Afghanistan haben erheblich zur riesigen Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten beigetragen. Nötige Investitionen im eigenen Land blieben auf der Strecke.

          Allein durch ein Ende der beiden Kriege, so die Regierung, soll die Schuldenlast nun im kommenden Jahrzehnt um mehr als eine Billion Dollar verringert werden. Experten halten es dennoch für zweifelhaft, dass Obama am Ende bei der Wahl 2012 aus seinen sicherheits- und außenpolitischen Erfolgen Kapital schlagen kann. Umfragen haben gezeigt, dass für die meisten Amerikaner diese Themen ganz unten auf der Prioritätenliste stehen.

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